Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 14/3
Die Beschaffenheit und Ausgestaltung der drei Cult-objecte korrespondiert mit der hohen Qualität der handwerklichen Steinmetzarbeiten, die in der Errichtung und Formung der Kultnische zur Anwendung gelangten. Die drei Cult-objecte weisen eine Gesamthöhe von 110,93 mm, 111,04 mm und 111,18 mm auf. Diese Unterschiede in der Länge sind einer metallurgischen Verbindung zuzuschreiben, da formtechnisch sich diese Cult-objecte zwar eindeutig in den arteologisch, chronologischen Gesamtkontext einfügen, jedoch in ihrer Gestaltung eine logische Weiterentwicklung der bisher gefundenen Cult-objecte in Nordtirol darstellt. Formal stellt diese Fundung die zur Zeit jüngste Formensprache dieser Art von Kultgegenständen dar und beweist, dass sich sowohl im theoretisch-ideologischen Bereich des kultisch Religiösen, als auch durch Praxis der Ausübung mittels eines tradierten und normativen Regelwerks jenes gesellschaftspolitische Verhalten im Laufe von Generationen manifestiert, aus dem heraus jene sozialen Grundvoraussetzungen generiert werden, die in weiterer Folge zur Herausbildung einer gemeinschaftlichen Sozietät führen können. Sowohl die Bearbeitung der Nische als auch der Cult-objecte belegt dabei einerseits die insistalen Beeinflussungen und assimilativen Übernahmen basaler Kulturtechniken ganz allgemein und andererseits die durchaus weit über den eigenen territorialen Einfluss hinaus reichenden Beziehungen zu anderen Gemeinschaften sowie Völkern und Kulturen.
Generell ist fest zu halten, dass sämtliche bisherige arteologische Fundungen im Raum Nordtirol ein hohes Ausmass an plagiativer Geschicklichkeit widerspiegeln, jedoch der eigene, originäre Ansatz eines kreativen, oder gar künstlerischen Ansatzes weitestgehend fehlt.
Alle drei Cult-objecte weisen ein identes, aus einem flachen, im Mittel 2,56 mm dicken Metallstück herausgearbeitetes Griffstück auf, welches am unteren Ende halbkreisförmig abgerundet ist. Der nach rückwärts ausgebildete und sorgsam entgratete Falz dient dabei der insgesamten Stabilisierung dieses Griffstücks. Im Vergleich zu den ältesten Fundungen von derartigen Cult-objecten im Raum Nordtirol (Ausgrabungen im Inntal und im Wipptal) ist festzuhalten, dass die ursprünglich tatsächlich gegebene Verwendbarkeit als (kultisches?) Werkzeug nicht mehr nachweisbar ist. So sind keinerlei handwerkliche Gebrauchsspuren oder sonstige mechanisch bedingte Abnutzungen, weder am Griffstück selbst noch in den durch eine metallurgische Verbindung angefügten Rundstäben, feststellbar. Es handelt sich somit eindeutig um Objekte die jenseits einer alltagstauglichen Verwendbarkeit einzig und allein einer fiktionalen Funktionalität zugeordnet werden können, die losgelöst aus einer nutzenorientierten Verfügbarkeit ihre Bedeutung im kultisch rituellen Überbau des Gemeinwesens erlangen.
Die kompositorische Gestaltung des Triptychons ist in ihrem Grundriss durch hohe Exaktheit gekennzeichnet. Die drei Felsbohrungen, die der Aufnahme der Cult-objecte dienten bilden vom jeweiligen Mittelpunkt aus gemessen ein gleichschenkeliges Dreieck mit exakt gleichen Schenkellängen. Die Datierung dieses Fundes wurde von DDr. Achmed Acif am Physikalischen Institut der Freien Universität Izmir durchgeführt und belegt, dass sowohl die Nische selbst, als auch der Triptychon der Blütezeit der Hocharteologischen Epoche zuzuordnen sind. Es handelt sich somit um den bisher jüngsten Fund einer dergestaltigen Einheit aus Kultnische und metallenen Cult-objecten im Raum Nordtirol.