Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 15

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 15

Alle drei Cult-objecte dieses Triptychons weisen eine idente Gestaltung auf, die sich nur in kleinen und kleinsten, handwerklich bedingten Ausformungen in wenigen Details unterscheiden. Während diese manufakturellen Ungleichheiten im Hinblick auf die Untersuchung und Analyse der handwerklichen und kunsthandwerklichen Fähigkeiten der ausführenden Personen durchaus von relevanter Bedeutung sind, können sie im Hinblick auf die artefakturelle Thematik in diesem Punkt ausser Ansatz bleiben.

Das mittlere und zentral angeordnete Cult-object dieses Triptychons bildet die Spitze dieser gleichschenklig angeordneten Formation und wurde, um einerseits optisch die zentrale Position dieses Cult-objectes zu verstärken und andererseits ein, wohl kultisch bedingtes, Streben nach oben zu betonen, um 1,45 cm höher angebracht, als die beiden anderen, links und rechts vorne platzierten Cult-objecte.

Alle drei, gestalterisch ident ausgeführten Cult-objecte stellen jeweils ein kreuzartiges Muster dar, das aus einem längeren, senkrechten Balken besteht, welcher bis zu seinen seitwärtigen Verstrebungen aus einem einzigen Flacheisenstück herausgearbeitet wurde. Die beiden gleichlangen, links und rechts, im insgesamten Längsbereich im Goldenen Schnitt angebrachten Querbalken bestehen aus Rundeisen mit einem Durchmesser von 7,70 mm. Das senkrecht nach oben strebende Stück, welches im Schnittpunkt der zwei Querbalken mit dem Griffstück angebracht wurde, wurde gleichfalls aus einem Rundeisen mit einem Durchmesser von 7,70 mm gebildet.

brixental_cultobject_vorderansicht, 2007, dr. arkadasch, arteologieDie metallurgische Verbindung dieser vier Teilstücke zum kreuzartigen Cult-object erfolgte in der gleichen Weise wie bei den bereits bisher vorgefundenen Cult-objecten an anderen Fundstellen in Nordtirol mithilfe der Feuer- oder Hammerverschweissung in zwei Schritten. Zuerst wurden die beiden Querbalken mittels eines Trenneisens unter Hammerschlägen im glühenden Zustand aus einem Rundstab abgetrennt und anschliessend am Griffstück hammerverschweisst. Nach erfolgter Schockkühlung (Wasserbad oder Schnee) wurde in gleicher Art und Weise der senkrechte Balken angebracht.

Zuvor wurde das Griffstück aus einem einzigen, metallenen Flacheisen herausgearbeitet. Formal besteht es aus einem halbkreisförmig abgerundeten Endteil mit einem Durchmesser von 15,80 mm und besitzt, 6,98 mm vom Endpunkt an gemessen eine runde Bohrung von 5 mm. Nach Oben hin verjüngt sich das Griffstück bis auf eine Breite von 11,00 mm und verstrebt sich von da an in zwei deutlich sichtbare Verastungen, die letztendlich eine Spreizung von 36,29 mm aufweisen und dazu bestimmt sind, die beiden Querbalken samt metallurgischer Verbindung aufzunehmen. Zwischen den beiden Verastungen befindet sich eine V-förmige Einbuchtung, die gleichfalls in Hammerschlagtechnik aus diesem Flacheisenstück herausgearbeitet wurden, wesentlich zur Stabilisierung beitragen und gleichzeitig dem gesamten Cult-object eine optische Leichtigkeit vermitteln. Der tatsächliche Griffbereich misst eine Länge von 51,13 mm und ist an seinen Rändern nach hinten durchgehend abgefalzt. Sämtliche Kanten wurden entgratet und geglättet. Die fleckenartige Oberflächenbeeinträchtigung direkt rechts oberhalb der 5 mm breiten Bohrung am mittleren Cult-object lässt sich zurzeit nicht zuordnen.

Alle drei Griffstücke weisen die bereits von den letzten Ausgrabungen her bekannten schriftartigen Symbole auf, die mittels Einritzungen am Griffstück angebracht wurden. Diese schriftartigen Symbole sind sowohl von ihrer Anordnung als auch Grösse vollkommen ident mit den bisherigen Ritzungen sämtlicher einschlägiger Cult-object Fundungen im Raum Nordtirol. Es ist somit von einer durch kultische Normen und Traditionen geprägten Formensprache auszugehen, die einerseits identitätsstifftende Merkmale und prolongierende Wiedererkennungssymbole dauerhaft manifestiert und anderseits der intrinsischen Weiterentwicklung in der Gesamtgestaltung eine entsprechende Artefakturierung ermöglicht.

Der senkrechte Balken aus Rundeisen überragt die Querbalken um 35,17 mm, während der Abstand von der oberen Rundungskante der Querbalken zum Endpunkt des Griffstücks 76,09 mm misst. Im Bereich des Kreuzungspunktes aller vier Einzelteile zeigen sämtliche Hammerverschweissungen stark abstrahierte, kreisartige und durch kleingestaltige Aufwölbungen betonte, tropfenartig wirkende und teilweise ineinander verrinnende Formen, die sowohl produktionstechnisch bedingt, als auch durch ausschmückende Absicht erzeugt sein könnten.