Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 15/2

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 15/2

Die Rückseiten aller drei Cult-objecte dieses Triptychons sind in ihrer gestalterischen Ausformung und ihrer artefakturiellen Ausfertigung  als gleichartig zu bezeichnen, da jedes der drei Cult-objecte sich in Details von den jeweils zwei anderen Cult-objecten klar und deutlich unterscheidet. Diese Verschiedenheit bezieht sich jedoch lediglich auf die Bereiche der Assemblierung der einzelnen Teile, aus denen sich die Cult-objecte zusammensetzen, nicht jedoch auf die die Konstruktion und Ausformung der Einzelteile selbst. So sind die am deutlichsten feststellbaren Unterscheidungen zwischen den einzelnen Cult-objecten an den jeweiligen Hammerverschweissungen auszumachen, die überwiegend aus abgerundeten, tropfenförmigen, schmelz­metallischen und im Material erhoben wirkenden Schweissstellen bestehen, die in sich aber einer logisch aufgebauten, bildkompositorischen Anordnung zu folgen scheinen, deren innerer Sinn und deren Aussage zur Zeit lediglich spekulativ interpretiert werden könnten, da es bis dato keinerlei ähnliche arteologische Fundungen im gesamten Alpenraum gibt, welche komparatistische Schlussfolgerungen im Bezug auf Inhalt und / oder kultisch-mythologischer Deutung zuliessen. Rein formal betrachtet stellt dieser „Brixner Triptychon“ eine eindeutige Weiterentwicklung der bisher im Raum Nordtirol gefundenen Cult-objecte dar.

brixental_cultobject_rueckansicht, brixental 2007, dr. arkadasch, arteologieWährend das verwendete Griffstück sowohl in seiner metallurgischen Zusammensetzung als auch ins einer handwerklichen und kunsthandwerklichen Ausfertigung eindeutig den bisherigen Fundungen entspricht – es ist dabei von einer bereits primitiven Vorform einer seriellen Fertigung mit arbeitsteiliger Partialität auszugehen, wie sie in Ansätzen auch an anderen Fundorten Nordtirols mehr als wahrscheinlich vorzufinden war – sind die dreiteiligen Applikationen aus Rundmetallstäben jeweils spezielle Einzelanfertigungen die mit hoher Sicherheit von jeweils einem einzigen Handwerker ausgeführt wurden. Die übereinstimmenden Masse und die idente Formensprache innerhalb des Gestehens weisen dabei auf durchaus traditionell bedingte, handwerkliche Abläufe hin, welche in Form eines stereotypen Abarbeitens von einzelnen Arbeitsschritten zum gewünschten Ergebnis führten, zeigen andererseits jedoch keinerlei Ansätze eines eigenständigen kunsthandwerklichen oder gar künstlerischen Bestrebens der jeweiligen Bearbeiter. Joschua Berndorfer gesteht in seinen Untersuchungen über die metallverarbeitenden Techniken im Alpenraum von der Bronzezeit bis zur Antike (Joschua Berndorfer [Hrsg], Montanistische Universoität Leoben, 2001) zwar vereinzelte individuelle Ansätze, insbesondere in den hammerverschweissten Verbindungen der beiden im Pitztal im Jahre 1999 gefundenen Cult-objecte, den ausführenden Handwerkern zu, verneint jedoch insgesamt eine bewusste künstlerisch bedingte Auseinandersetzung im Rahmen einer restriktiven, traditionell bestimmten Normensprache innerhalb kultisch vorgegebener Parameter.

Das überwiegend plagiative Element ist somit auch in der Ausführung des „Brixner Triptychons“ vorherrschend und beweist die strukturelle Abhängigkeit der eingeborenen Bevölkerung in ihren handwerklichen und technischen Fähigkeiten von transitalen Einflüssen, wie sie bereits an allen anderen Fundorten im Raum Nordtirol belegt werden konnten.