Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 16

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 16

Die weiteren Ausgrabungen an den bereits ausgewiesenen AHDP Punkten wurden zeitgleich mit der Fundung der Kultnische und dem Triptychon aus Cult-objecten von unterschiedlichen Teams weiter geführt. Insbesondere die Grabungsstelle am Engelsberg schien vorderhand sehr vielversprechend zu sein. Deshalb wurde auch hier im Parallelsondierungsverfahren über das eingemessene Grabungsfeld im Abstand von zweieinhalb Metern das Grabungsraster angelegt. Das dabei bis zu einer Tiefe von 1,10 m anfallende Grabungsmaterial wurde mithilfe eines Traktors samt Anhänger zu der Sickersiebanlage an der Brixentaler Ache verbracht. schotter, bild: clemens loecker, brixental 2007, dr. arkadasch, arteologieDabei galt es, die administrative Begleitung präzise zu dokumentieren, um eventuelle Kleinfunde den jeweiligen Sondierungsgräben zweifelsfrei zuordnen zu können. Da an diesem Ausgrabungsplatz zeitgleich an bis zu vier Sondierungsgräben gearbeitet wurde, entschied sich Dr. Arkadasch Dag die Sickersiebanlage provisorisch zu erweitern, um dergestalt die anfallende Kubatur an Material zeitnah bewältigen zu können. Die einzelnen Antransporte des Grabungsmaterials wurden dafür mit eigens angefertigten Laufzetteln versehen, damit einerseits jede Fuhre auch im Nachhinein zuordenbar war und andererseits die Mannschaft an den Sickersieben den jeweiligen Materialdurchlauf ohne Überlappungen und Vermengungen bewältigen konnte. Das dabei anfallende Blindmaterial wurde im gerinne der Brixentaler Ache strömungstechnisch entsorgt. Diese Möglichkeit hat sich nach Rücksprache mit der Hydrogeologischen Abteilung des Landes Tirols ergeben, die mit Bescheid vom 7. Juli 2007 eine Einbringung derartigen Blindmaterials bis zur Grösse von 5 cm messenden Kieseln im Zeitraum 8. Juli 2007 bis 31. Juli 2007 als bedenkenlos im Hinblick auf den Fischbestand erlaubte. Diese Möglichkeit erleichterte zum Einen die rasche Bearbeitung des anfallenden Materials, da keinerlei zusätzlicher Aufwand mit einer weiteren Verbringung und Deponierung des Blindmaterials verbunden war, zum anderen jedoch bedingte dieses knappe Zeitfenster eine präzis geplante Logistik, die sowohl von den einzelnen Grabungsteams als auch der Sickersiebmannschaft eine strikte Einhaltung der jeweiligen Tagesvorgaben abverlangte. So musste deshalb auch an Tagen mit Dauerregen und gewittrigen Schauern nahezu ohne Unterbrechung gegraben werden. Dies führte vor allem im letzten Drittel des Monats Juli  – die Wettersituation war gekennzeichnet durch Kälte und Dauerregen – zu ernstzunehmenden Schwierigkeiten innerhalb der Grabungsmannschaft. Nicht nur, dass grippale Infekte zu immer neuen, krankheitsbedingten Ausfällen unter den eingeborenen Hilfskräften führten, sondern es litt auch generell die Arbeitsmoral unter diesen anhaltenden widrigen Bedingungen. Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Expeditionsarztes, Dr. Armin Lengauer, konnten zwar Ansätze von Arbeitsniederlegung vermieden werden, erst jedoch eine in dieser Situation eigens ausgehandelte Schlechtwetterzulage von Euro 5,00 pro Arbeitsstunde vermochte den weiteren Arbeitseinsatz im geplanten Tempo sicher zu stellen. Im Bereich des Kraftwerks wurde eigens eine Teeküche installiert, um sowohl den Teamleiterinnen und Teamleitern, als auch den eingeborenen Hilfskräften beständig eine Versorgung mit heissem Tee zu gewährleisten. Zudem entschied sich das Team um Dr. Arkadasch täglich nach der Beendigung der Grabungsarbeiten in einem eigens errichteten, und vom Österreichischen Katastrophendienst kostenlos zur Verfügung gestellten Küchenzelt, allen Expeditionsteilnehmerinnen und –teilnehmern eine warme Mahlzeit kostenlos anzubieten. Dank dieser Massnahmen gelang es bis zum 29. Juli die Grabungsstelle am Engelsberg planmässig abzuarbeiten.