Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 21
Bis Ende Juli 2007 wurden die Grabungen am Engelsberg abgeschlossen, sowie drei weitere Sondierungen im Parallelgrabungsverfahren in den ausgewiesenen Bereichen durchgeführt. Die dabei zu Tage geförderten Funde bestehen zum überwiegenden Teil aus keramoiden Behältnissen des täglichen Gebrauchs, sowie aus vereinzelten Küchen- und Fertigungswerkzeugen, die teils in Metall, teils in Hartholz ausgeführt wurden. Diese Funde sind lediglich teilweise den arteologischen Epochen zuordenbar, wobei eine letztendliche altersmäßige Bestimmung noch einer eingehenden Untersuchung nach der C 14 Methode bedarf. Insgesamt ist festzuhalten, dass diese Funde zu keinerlei neuen Erkenntnissen im Bezug auf handwerkliche Weiterentwicklungen oder originärem Fortschritt innerhalb der Habitatsgruppe führten.
Aufgrund der anhaltenden Regenfälle, die bereits im Juli nachhaltig einsetzten und die daraus resultierenden Erschwernisse im täglichen Grabungsbetrieb, wurde einvernehmlich beschlossen bis zu einer Wetterbesserung die Grabungsarbeiten vorläufig einzustellen. Da die Arbeitsverträge mit den eingeborenen Hilfskräften allerdings bei vollem Salär weiterliefen, nutzte das Expeditionsteam diese Zeit für Service- und Instandhaltungsarbeiten an der technischen Expeditionsausrüstung. So wurde die Sickersiebanlage komplett zerlegt, gereinigt, die pneumatischen Teile runderneuert, die Siebe ausgebessert, bzw. ausgetauscht, der Bergungscontainer frisch gestrichen sowie sämtliches Grabungswerkzeug gereinigt und in seiner Funktionalität überprüft. Das Expeditionsteam selbst widmete sich der Katalogisierung und der picturalen Aufbereitung der bisherigen Funde und den ersten Analysen sowie deren wissenschaftlicher Auswertung. Zudem wurden sämtliche administrativen Aufgaben, angefangen von den Arbeitsverträgen bis hin zu den Zwischenabrechnungen und der internen Buchhaltung aktualisiert.
Ab zehntem August besserte sich das Wetter zusehends, die Niederschlagsmengen gingen deutlich zurück und nach weiteren drei Tagen konnte wieder mit den Grabungen begonnen werden.
Dem Grabungsteam unter der Leitung des Polyglaciologen Mag. Peter Stolz, wurde nach eingehender Beratung das nähere Umfeld rund um die Fundung der Kultnische für weitere grabungstechnische Untersuchungen zugeteilt. Dieser Entschluss basierte auf der Überlegung, dass weder im Bereich des Engelsberges noch an den anderen vorab ausgewiesenen Grabungsstellen wirklich relevante arteologische Funde gemacht werden konnten. Es lag somit die Schlussfolgerung nahe, dass sich das Hauptaugenmerk weiterer Grabungen auf den der Fliessrichtung der Brixentaler Ache entgegengesetzten Bereich legen muss, da anzunehmen war, dass sich in diesem Endbereich der klammartigen Klause entsprechende infrastrukturelle Einrichtungen zum Schutz und zur Kontrolle dieser Hauptverkehrsverbindung in den Raum Kitzbuehel befunden haben mussten.
Durch die derzeitige Trassierung der Brixental Strasse, sowie den Bau der diesen Geländeabschnitt kreuzenden Bahnstrecke, wurde jedoch eine grundlegende und unumkehrbare Veränderung dieses Talabschnittes vorgenommen, die fraglos eventuelle Überreste aus Bauten oder auch sonstige Funde unwiederbringlich zerstörten. Gerade im Bereich der Fundung der Kultnische wurde durch Überbauung der Brixentaler Ache und einer teilweise mit Beton bewehrten Trassenführung eine längsseitig dem Südufer der Brixentaler Ache angelegte Ausweiche gebaut, die es nunmehr lediglich ermöglichte, entlang des natürlichen Hangbereiches nach noch vorhandenen Spuren und / oder Überresten zu suchen. Diese Arbeiten erforderten neben der üblichen arteologischen und archäologischen Sorgfalt ein hohes Mass an Sicherheitsvorkehrungen, da sich der überwiegende Untersuchungsbereich im steilen, teilweise brüchigen und überwachsenem Gelände befand.