Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 22

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 22

Es war notwendig vom Grat des Hügels an den dort vorhandenen Bäumen und Felsen mehrere Sicherungsleinen anzubringen, um so vor den eigentlichen arteologischen Untersuchungen den gesamten Steilhang von losem Geröll, losen Steinen und abbruchgefährdetem floralen Material vorbeugend zu reinigen. Diese Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit der Bergrettung der Gemeinde Hopfgarten durchgeführt, die diese Tätigkeit in das Rahmengefüge einer mehrtägigen Übung verlegte. Da es sich bei der Bergrettung um keine hauptberufliche Hilfseinrichtung, wie etwa dem Roten Halbmond, handelt, sondern vielmehr sämtliche Mitglieder ihren Dienst auf freiwilliger Basis durchführen, konnten alle diese Arbeiten erst am Abend, nach der üblichen Beendigung der jeweiligen Brotberufe ausgeübt werden. In einer gemeinsamen Erstbesprechung wurde von Seiten Dr. Arkadasch Dags eindringlich darauf hingewiesen, dass sämtliche Materialeingriffe im gesamten Steilhang fotodokumentarisch zu erfassen sind und mit grösster arteologischer als auch archäologischer Sorgfalt zu erfolgen haben. dr. arkadasch bei der hangreinigung, brixental 2007, arteologieDies bedeutete für die ausführende Mannschaft der Bergrettung Hopfgarten – lediglich ein weibliches Teammitglied gehörte dieser Truppe an – dass entgegen den sonstigen Gepflogenheiten einer alpinen Absicherung eines Klettersteigs oder eine Kletterroute, es nicht genügte lediglich den vermuteten Steinschlagbereich am Fusse des betreffenden Wandabschnitts abzusichern, sondern vielmehr mit der gleichen Sorgfalt prinzipiell der betroffene Wandteil weitestgehend vor mechanischen Eingriffen geschützt werden musste, um etwaige spätere Fundungen nicht durch die Sicherungsarbeiten zu beeinträchtigen oder gar zu zerstören. So mussten bereits bei der Auswahl der Sicherungseinrichtungen neben den alpinen Erfordernissen auch die vom Expeditionsteam ausgewiesenen Fundprioritätsbereiche (AHDP – Areale) in die Planung und Umsetzung mit einfliessen. Dies bedingte, dass in der Hangwand selbst keinerlei Sicherungshaken angebracht werden durften und an den Gratstellen die Seilsicherungen mittels metallener Galgenkonstruktionen möglichst eine freihängende und berührungslose Seilführung gewährleisteten. Für die Reinigungsarbeiten selbst wurden an den Sicherungsseilen Sitzbretter angebracht, deren Höhenverstellung über ein eigenes Führungsseil stufenlos verstellbar war. Die Bergretter ihrerseits sicherten sich mithilfe von Sitz- und Brustgurten am Sicherungsseil, sodass sie in den überwiegenden Bereichen beidhändig die entsprechenden Reinigungsarbeiten vornehmen konnten. Gleichwohl liess es sich nicht zur Gänze vermeiden, dass durch herabfallende Steine, Wurzelwerk, Erde und Pflanzenteile es immer wieder zu Kollisionen mit dem Wandgefüge kam, die zwar letztendlich unvermeidbar aber dennoch oberflächenschädigend waren.

Die Bergretter arbeiteten über fünf Tage hinweg jeden Abend ab 18:00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Das Grabungsteam um Mag. Peter Stolz nützte sodann den jeweils darauffolgenden Tag, um einerseits das anfallende Material arteologisch zu visitieren, entsprechend zu entsorgen und den Ist-Zustand des zu untersuchenden Wandabschnitts pictural zu dokumentieren um für eventuelle Fundungen zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar die entsprechenden Zusammenhänge rekonstruieren zu können.

Als Dankeschön für den selbstlosen und kostenfreien Einsatz der Bergrettung Hopfgarten organisierte das Expeditionsteam einen Grillabend für alle Beteiligten und überreichte dem Obmann der Bergrettung Hopfgarten eine Dankesurkunde der Freien Universität Izmir.