Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 24

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 24

Diese fünf arbeitsfreien Tagen wurden auch von jenen Studierenden der Expeditionsmannschaft genützt, deren Heimreise für diese kurze Zeitspanne sinnvoll erschien, sodass lediglich eine Rumpftruppe im Grabungsabschnitt Brixental verblieb, deren primäre Aufgabe darin bestand, die technische Infrastruktur zu warten und aufrecht zu erhalten. Um einerseits den Kontakt zur eingeborenen Bevölkerung und auch zu deren administrativen und politischen Eliten zu festigen, ersuchte Dr. Arkadasch Dag im Namen der gesamten Expeditionsteilnehmerinnen und –teilnehmer um die Erlaubnis an, als Gäste an der Prozession teilhaben zu dürfen, mit dem Zusatz, dass lediglich die eine katholische Studierende direkt an den kultischen Abläufen der Prozession aus religiösen Gründen mit partizipieren möchte, während die sonstigen Teilnehmer als respektvolle Anteilnehmer in Zuschauerposition diese religiöse Zeremonie mitzuerleben wünschen. Andererseits diente diese religiöse Veranstaltung den Studierenden der Arteologie, die als solche an dieser Expedition teilnahmen als praktische Übung zum Seminarthema „Artefakte als Metaphern im Zusammenhang mit traditionell ausgeformten kultischen Zeremonien“, und vereinigte somit die praktische Arbeit in der Feldforschung vor Ort mit einem Teil des entsprechenden theoretischen Überbaus.

Die verbleibende restlich verbleibende Zeit in diesen fünf Tagen stand allen beteiligten zur freien Verfügung und wurde überwiegend zur notwendigen Regeneration und Entspannung verwendet.

baugeruest, brixental, 2007, dr. arkadasch, arteologieMit Dienstag, 21. August, erfolgte bei vollzähliger Mannschaft, nach einem kurzen Briefing die Wiederaufnahme der Grabungs- und Beforschungstätigkeiten. Von einer örtlich ansässigen Baufirma konnte kurzfristig eine vollständige Gerüstanlage mit einer Bearbeitungsfläche von beinahe 300 m² bis 10 September angemietet werden. Neben den Strahlträgern, Querverbindungen und Geländerstangen, die im Steckverfahren montiert wurden, beinhaltete dieses Gerüst auch entsprechende Laufbretter mit einer Breite von 70 cm, die selbst in einer Höhe von 8 Metern ein sicheres und uneingeengtes Arbeiten ermöglichten. Dieses Gerüst errichtete der Grabungstrupp um Mag. Peter Stolz unter fachkundiger Anleitung eines Baumeisters der Vermieterfirma bis zum Abend des 22. August entlang des westlichen Steilhanges im Bereich der Fundung der Kultnische, wobei die entsprechenden Verankerungen im sogenannten Mutterfelsen dankenswerter Weise wiederum von Mitgliedern der Bergrettung Hopfgarten gesetzt wurden.

Ab Donnerstag, 23. August, erfolgte die systematische Untersuchung und arteologische Bearbeitung des Steilhanges, wobei zuvor der gesamte Wandbereich mithilfe von Absperrbändern in streifenförmige Segmente eingeteilt wurde, um so neben dem erforderlichen Kartographieren die notwendige strukturelle Umsetzung gewährleisten zu können.

Für beinahe die gesamte Expeditionsmannschaft stellte diese Vorgangsweise Neuland dar, da bisher bei allen arteologischen Expeditionen in Nordtirol auf derartige technische Hilfsmittel zur Gänze verzichtet werden konnte.

Der Grabungstrupp wurde dafür von Mag. Peter Stolz in drei Teams unterteilt, die jeweils aus einer Person die direkt an der Wand arbeitete, einer Person die eine sofortige Trennung des entnommenen Materials in die entsprechenden Kategorien vornahm und einer Person bestand, die den Abtransport zur Trockensiebanlage durchzuführen hatte. Auf diese Weise konnte bei hoher Sorgfalt dennoch eine rasche und gründliche Untersuchung der jeweiligen Wandabschnitte garantiert werden.