Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 25

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 25

Die relativ beschränkte Verleihzeit dieser Gerüstanlage beruhte einerseits auf der äusserst kurzfristigen Inanspruchnahme, – es war eine spontane Idee in Zuge einer Teambesprechung dieses Problem durch den Aufbau eines Baugerüsts organisatorisch und infrastrukturell zu lösen, gleichwohl erst noch die Frage abzuklären war, inwieweit die finanziellen Ressourcen dieser Expedition eine derart ungeplante Investition ermöglichten – sodass Anfragen, Angebote und Preis­vergleiche kaum sinnvoll koordiniert werden konnten, noch dazu, wo gerade die Sommerzeit den Höhepunkt der Hochbautätigkeit in Nordtirol, aufgrund der herrschenden klimatischen Bedingungen, darstellt. Andererseits fand sich neben zahlreichen Absagen von Gerüstverleihern dieser einheimische Kleinbetrieb, welcher der Expedition anbot, ein entsprechendes Gerüst bis zum 10. September zu vermieten, da bedingt durch die Sommersaison, die überwiegende Bautätigkeit der Firma im Rohbaubereich liegt (Kellergeschosse, betonierte und gemauerte Stockwerke) und erst ab besagtem Termin wiederum mit Arbeiten an Fassaden gerechnet wird. Zudem konnte in Folge der kurzen Transportwege vereinbart werden, dass zumindest Teile des Gerüsts bei akutem Bedarf kurzfristig abmontiert und der Firma rücküberstellt werden sollten. Auch die Miete entsprach weitestgehend den ortsüblichen Preisen, wobei die Expeditionsleitung um Dr. Arkadasch Dag es durchaus in Kauf nahm, dass in diesem Falle die Bezahlung eher in den oberen Kategorien angesiedelt war. Aber es entspricht den Grundsätzen des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir, dass nach Möglichkeit die lokale Wirtschaft in den Ausgrabungsgebieten in einem Ausmass mitpartizipiert, das neben dem ideellen Wert jeder wissenschaftlichen Forschung auch die soziale und ökonomische Umwegrentabilität für die betroffenen Regionen sicherstellt.

Der gesamte Wandbereich dieses AHDPs wurde in vier waagrechte Segmente eingeteilt und, beginnend beim obersten Segment, systematisch abgearbeitet. Dabei ergaben die Untersuchungen an den beiden obersten Segmenten keinerlei relevante Fundungen. Es konnten weder mechanische Bearbeitungspuren am Felsen selbst noch irgendwelche bautechnische Applikationen in Form von Nischen oder dergleichen nachgewiesen werden. Lediglich einzelne Hinweise von sporadischen Reinigungsarbeiten sind punktuell wahrscheinlich, wobei diese Tätigkeiten in keinem direkten arteologischen Zusammenhang zu sehen sind, sondern vielmehr einzig der Sicherheit und Vorbeugung gegen Steinschlag zuzurechnen sind.

Die beiden untersten Segmente hingegen sind von einer Vielzahl von mechanischen Eingriffen gekennzeichnet, wobei allerdings der überwiegende Teil auf die Strassenbaumassnahmen der Brixental Strasse zurückzuführen ist. bagger, strassenbau, brixental 2007, dr. arkadasch, arteologieLeider sind diese Eingriffe mit Hilfe von Baggern und Baumaschinen erfolgt und weisen grossflächige Materialverbringungen als auch im Fussbereich An- und Aufschüttungen vor, die etwaige artefaktorielle Überreste wohl zur Gänze unwiederbringlich zerstört haben. Dennoch konzentrierte sich die arteologische Untersuchung auf diese Segmente, da hier zum einen die Kultnische mit dem Triptychon gefunden wurde und es daher wahrscheinlich war, dass sich in deren weiterem Umfeld noch die eine oder andere interessante Fundung ergeben konnte. Gleichwohl wurde bis zum 5. September nichts gefunden. Weder keramoide Überreste noch sonstige Hinweise auf kultische oder alltagsrelevante Gegenstände.