Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/2
Die Fundstelle selbst liegt im Nahbereich der Steilwand, genauer in jenem Bereich, der eine geländebezogene Einkehlung durch Aufschüttungen und Baggerarbeiten im Zuge der Errichtung dieses Ausweichplatzes an der Brixental Strasse, aufweist. Diese Aufschüttung musste für den Aufbau der Gerüstanlage an jenen Stellen eingeebnet werden, an denen die Steher an der Basis verankert wurden. Dabei war klar festzustellen, dass sich dieses Schüttmaterial aus Schotter und eingemischter Erde zusammensetzt, wie es typischerweise als Aushubmaterial und Restmaterial bei Strassenaplanierungsarbeiten vorkommt. Erst im Zuge der ständigen Materialaufnahmen und Materialabtransporte welches bei den segmentarischen Wandbearbeitungen am gesamten Gerüst anfiel, wurden am nordöstlichen Abschnitt, wo sich bereits die Zu- und Abfahrt zur Brixental Strasse aus dem Ausweichplatz ausgestaltet und somit der Anteil des Mutterbodens gegenüber den künstlichen Schüttungen – wenn auch sehr kleinräumig – zunimmt, originäre Bodenschichten freigelegt, die aber immer wieder kontaminierte Störungen durch spätere Aufschüttungen und Bauarbeiten vorwiesen. Durch die wiederholte Bearbeitung mittels Rechen und Schaufeln, diese erfolgte mehrmals täglich, meist zu den Pausenzeiten der Teams am Gerüst, bzw. bei entsprechender Notwendigkeit durch anfallende Fülle, wurde auch dieser Abschnitt mit seinen originären Bodenschichten zunehmend abgetragen, bis am Vormittag des 2. Septembers einer der einheimischen Hilfsarbeiterinnen, die für diesen Wandbereich zur Basisreinigung entlang des Gerüsts eingeteilt war, ein auffallender, beinahe rechteckiger Erdabschnitt ins Auge fiel, der nicht nur aufgrund seiner Materialreinheit, sondern auch seiner vollkommen zum anderen Umgebungsmaterial herausstechenden Farbunterschiedlichkeit umgehend ihre Aufmerksamkeit erregte. Wie in den Vorabschulungen dem einheimischen Personal in aller Deutlichkeit angeordnet, meldete diese Hilfskraft diese Auffälligkeit sofort der nächststehenden Teamleiterin Frau Dr. Hilal Fatih. Diese kontaktierte per mobiles Telefon Dr. Arkadasch Dag welcher sofort eine nähere Untersuchung freigab, ohne dabei sofort das vollständige Prozedere einer arteologischen Bergung abzuberufen. Vorsorglich jedoch ordnete er die Aktivierung des Bergungscontainers im Lager an, damit dieser bei Bedarf innerhalb weniger Minuten am Grabungsgelände voll einsatzfähig zur Verfügung stehen konnte und begab sich selbst, gemeinsam mit Mag. Peter Stolz, dem Polyglaciologen der Expedition an die besagte Örtlichkeit.
Die Arbeiten rund um das Gerüst, sowie der Abtransport des Untersuchungsmaterials am Fusse der Steilwand wurden eingestellt und der Abschnitt rund um die fundinteressante Stelle provisorisch abgesperrt. Entsprechend den arteologischen und auch archäologischen Gepflogenheiten erfolgte die weitere schichtweise Abarbeitung des entsprechenden Erdbereiches ab nun mittels sterilem Werkzeug, welches an jedem aktiv bearbeitetem Grabungsbereich in einer hermetisch abgeriegelten Kiste prophylaktisch gelagert wird, und somit ohne weitere zeitliche Verzögerungen eingesetzt werden kann. Zudem wurden eigene Planen ausgelegt, auf denen das jeweilige Abhubmaterial gelagert, beschriftet und für eine eigenständige Untersuchung gelagert und vorbereitet werden konnte. Das Funktionieren derartiger Routinen erleichtert prinzipiell eine unaufgeregte Herangehensweise, vor allem im Hinblick darauf, unnötige Aufregungen zu vermeiden, die schlussendlich in einer Frustration des eingeborenen Grabungspersonals enden, wenn sich die jeweilige Grabungsstelle einmal mehr als ein Blindort erweisen sollte.