Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/3
Um zudem vor den Unbillen des Wetters geschützt zu sein wurde ein mobiler Grabungsbaldachin über der vakanten Grabungsstelle errichtet, damit während der Freilegungs- und Ausgrabungsarbeiten garantiert werden kann, dass eventuelle Regenschauer keine weiteren nachteiligen Folgen für eine Sicherung und Bergung von etwaigen Fundungen nach sich ziehen.
In einem ersten Schritt wurde die ausgewiesene Stelle vom Expeditionsfotografen Herwig Angerer fotografiert, anschliessend systematisch kartographiert und in die entsprechenden Grabungsquadranten unterteilt, welche mit einem Schnurgerüst optisch und haptisch nachvollziehbar dargestellt blieben. Eine derartig kleinräumige Einteilung kann lediglich bei einzelnen, spezifischen Fundabschnitten vorgenommen werden, hier jedoch war dies, aufgrund der gegebenen Ausmasse von weniger als 70 cm im Quadrat schon von vornherein möglich. Gleichzeitig installierte der Expeditionsfotograf Herwig Angerer erstmalig eine fix montierte digitale Filmkamera um den gesamten Grabungsablauf filmdokumentarisch festzuhalten und so für spätere Analysen aber auch arteologische Schulungen verwenden zu können.
Vor der eigentlichen Bearbeitung der relevanten Erdschicht, die sich bereits nach einer optischen Erstanalyse als ein Gemenge aus Ton und Lehm herausstellte, wurden die umgebenden Bereiche bis in eine Tiefe von ca. 10 cm abgegraben, wobei streng darauf geachtet wurde, dass die eigentliche Ton-Lehm-Schicht keinen Verletzungen unterlag. Diese Detailarbeiten erfolgten unter dem Einsatz von Spateln und sterilen Pinseln und förderten die durchaus unerwartete Tatsache zu Tage, dass es sich bei dieser Schicht nicht um einen lose angehäuften Bereich von sandigen und / oder huminösen Materialien handelt, sondern dass dieses Ton-Lehm-Gemenge in seiner Ausformung einem nassgestampften Mörtelgefüge entspricht, wie es etwa noch heute in einigen abgelegenen afrikanischen und asiatischen Gebieten verwendet wird, um daraus luftgetrocknete Ziegel herzustellen. Wie spätere Analysen ergaben wurden auch hier im Brixental diesem Gemisch eine bestimmte Menge von kleingehäckseltem Stroh (getrocknete Gersten- und Roggenhalme aus der näheren Umgebung) und Rinderdung beigefügt, welches infolge eines mechanischen Vermischungsvorganges unter Beifügung von Wasser einen breiartigen Mörtel ergab, der bis zu einem gewissen Grad einerseits formgebend modelliert, aber auch hohlraumfüllend im Gussverfahren eingesetzt werden konnte.
An der Fundstelle bildete dieses Mörtelgemisch einen nahezu quadratischen Quader, der selbst bei seiner Freilegung keinerlei stützende Schalung benötigte, da er in sich eine Festigkeit vorwies, die per definitionem weit über eine reine Lufttrocknung hinausgehen musste und somit eine nachträgliche Bearbeitung mit künstlich erzeugter Hitze verlangte.
Somit konnte der gesamte Quader bis auf seine Basislinie ohne jegliche zusätzliche Sicherungsmassnahmen freigelegt werden und wies am Ende eine Höhe von 22,70 cm bis 23,15 cm auf, wobei hier bereits die insgesamt leichte Schieflage des gesamten Quaders mitberücksichtigt ist, die einerseits auf naturgegebene Setzungen des Untergrunds, bzw. auf mechanische Einwirkungen durch den Bau der Brixental Strasse bedingt ist.
Trotz der in seiner Kubatur gering erscheinenden Gesamtgrösse dieses eventuellen Fundstücks, entschied die Expeditionsleitung, dass die Aufbrechung dieses Ton-Lehm-Quaders vor Ort zu erfolgen hat, um durch eine Bergung keine möglichen Spuren des direkten Untergrunds zu zerstören.