Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/4

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/4

Vor der Aufbrechung des Quaders wurde die gesamte Oberfläche, als auch die vier freigelegten Seitenteile nach eventuell vorhandenen Sollbruchstellen, bzw. nach Verschlussspuren untersucht, an denen dann die eigentliche Öffnung und Aufbrechung möglichst schonungsvoll durchgeführt werden sollte. Wider Erwarten konnte selbst bei genauesten Untersuchungen mittels Lupen und künstlichem Licht – wobei hier durch die Ausnützung einer äusserst flachen Schrägeinstrahlung jeder noch so kleine Niveauunterschied deutlich zu Tage tritt und so oftmals auf Dehnungs- und Trocknungskanten entlang von mauerartigen Zusammenschlüssen hinweist – keine einzige Mauerversatzlinie festgestellt werden. Nach einer kurzen Beratung wurde der Gedanke einer Gesamtbergung des Ton-Lehm-Quaders, um so eventuelle derartige Spuren an der Unterseite zu entdecken, im Hinblick auf eine notwendige Untersuchung des darunterliegenden Mutterbodens verworfen und der Entschluss gefasst, die Aufbrechung hier vor Ort zu vollziehen. Mit ausschlaggebend für diesen Entschluss war die Tatsache, dass sich keinerlei Brandspuren in der direkten Umgebung entdecken liessen, die auf ein entsprechend heisses Feuer, wie es etwa infolge eines Waldbrandes entstehen kann, hinwiesen, die somit diesen Ton-Lehm-Quader erst im Nachhinein zu einem ziegelartigen Block brannten, der auf diese Weise konservierend und morphologisch stabil wurde. Somit war bergungstechnisch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass im darunterliegenden Mutterboden, sofern es sich hier um eine bewusste Verbringung an diese Örtlichkeit handelte, entsprechende Fundamentierungen vorhanden sein mussten, die nicht durch eine Gesamtentfernung des Objekts zerstört werden durften.

Die Öffnung und Aufbrechung des Ton-Lehm-Quaders selbst erfolgte auf die übliche Weise: mittels leichter Hammerschläge wurde zuerst der Quader auf eventuell vorhandene Hohlräume akustisch untersucht, um so die geeigneten Ansatzstellen für die Bearbeitung mit Meisseln heraus zu finden. Dabei wurden vier relativ klar erkennbare Stellen markiert und entsprechend ihrer Tonalität – vom höchsten zum tiefsten Ton – nummeriert. Am Punkt mit dem hellsten Klang wurde sodann mit der Schremmarbeit begonnen und dabei ein Linienstrang zu den jeweils anderen drei Punkten angelegt. Sukzessive wurden die entsprechenden Linien vertieft und mit vorsichtigen Schlägen voran getrieben. Sämtliche Schritte wurden dabei vom Expeditionsfotografen Herwig Angerer dokumentiert, um auch im Nachhinein die Rekonstruktion der Bruchstücke zu einem Ganzen zu gewährleisten.

Die Schremmarbeiten selbst wurden von Dr. Arkadasch Dag und Mag. Peter Stolz durchgeführt.

Der Lehm-Ton-Quader zerbrach nach kurzer Zeit in mehrere Teile und gab in seinem Inneren in Linnen gehülltes Objekt frei, welches sich in weiterer Folge rasch und ohne weitere gröbere mechanische Manipulationen vollkommen freilegen liess. Dieses Objekt wurde sodann umgehend in eine vorbereitete Transportbox gelegt und zum Bergungscontainer verbracht, wo es steril zur weiteren Untersuchung verwahrt wurde. Die Bergung sämtlicher Bruchstücke des Ton-Lehm-Quaders erfolgte sodann unter der Ägide von Frau Dr. Hilal Fatih und ihrem Team.

hunanoider fund, brixental, 2007, dr. arkafasch, arteologieNoch am Nachmittag dieses 2. September wurde im Bergungscontainer die Enthüllung des Fundobjekts vorgenommen. Unter der linnen Hülle, die aus mehreren Schichten bestand, und mit einem härtenden aber auch elastischen Material getränkt worden waren, kam eine mumifizierte, menschliche linke Hand in sehr gut erhaltenem Zustand zum Vorschein.