Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/5
Sämtliche Sicherheitsvorkehrungen für eine Enthüllung des Fundes wurden vorsorglich und im entsprechend den arteologischen Parametern getroffen: angefangen von der Sterilität der Verwendeten Werkzeuge bis hin zu Schutzanzügen, Atemschutz und einer laufenden Kontrolle der Umgebungsluft. Im Container selbst wurde für die Lösung der linnen Hülle der Expeditionsarzt Dr. Armin Lengauer, der dafür extra aus Schwaz anreiste, hinzugezogen, um so zum einen eine anatomisch korrekte Vorgangsweise zu gewährleisten und andererseits einen eventuellen humanoiden Fund nicht durch seine Freilegung zu beschädigen oder gar unwiederbringlich zu zerstören.
Im angrenzenden Lagerbereich errichtete das Expeditionsteam in einem geräumigen Zelt eine provisorische Kommunikationszentrale, da – wie auch bei den meisten bisherigen Funden im Raum Nordtirol – die lokale Presse und auch der Distriktrundfunk des ORF (Österreichischer Rundfunk), umgehend mit telefonischen Anfragen ihr Interesse an einer öffentlichen Berichterstattung kundgetan hatten. Der Expeditionsfotograf und Aquarellieur, Herr Herwig Angerer, stellte umgehend ein digitales Portfolio zusammen, welches neben einschlägigen Grabungsinformationen auch drucktaugliches Bildmaterial auf CD den interessierten Vertretern von Rundfunk und Presse zur Verfügung gestellt werden konnte. Eine abschliessende Pressekonferenz wurde für 20:00 Uhr anberaumt, zu der auch Vertreter der Bezirkshauptmannschaften von Kufstein und Kitzbühel, sowie die politischen Würdeträger der Gemeinde Hopfgarten und das einheimische Grabungspersonal insgesamt eingeladen wurden.
Die dokumentarische Begleitung der Fundenthüllung erfolgte mittels einer fix installierten digitalen Kamera, sodass auch im Nachhinein sämtliche Schritte der Fundöffnung detailliert nachvollziehbar festgehalten und überprüfbar blieben.
Die linnen Hüllen bestanden aus vier übereinander gewickelten Schichten, die in sich eine künstliche Verhärtung vorwiesen, die den Fund hermetisch gegen Feuchtigkeit, aber – wie die späteren Analysen ergaben – auch gegen oxidierende Einflüsse abschlossen. Dabei wies die oberste Schicht eine lackartige Versiegelung auf, deren Hauptbestandteil aus mit Kalkstaub angereichertem Kiefernharz bestand.
Der Fund selbst besteht aus einer linken Hand, deren Gestik sich mit einer sich öffnenden Fingerspreizung zeigt, wobei die Hand insgesamt aufgrund ihrer Grösse zweifelsohne die linke Hand eines erwachsenen Menschen ist. Die nahezu perfekt erhaltene Gestalt und Oberfläche der Hand weist keinerlei dermatologische Beschädigungen auf, lediglich einige wenige Eindellungen, wie sie generell für mumifizierte humanoide Funde typisch sind. Die Hautstruktur der Lederhautschicht ist unverletzt und zeigt im Bereich der Abtrennungsstelle an der Handwurzel plastisch-chirurgische Behandlungsspuren, die pathologisch betrachtet entweder unmittelbar post mortem, in jedem Fall aber unmittelbar nach der Abtrennung dieser Gliedmasse vorgenommen worden sein müssen. Dies belegt die rissfreie Bearbeitung der Abtrennungsstelle, welche voraussetzt, dass diese Versorgungsschritte des Fundstücks noch vor Einsetzen der Leichenstarre durchgeführt wurden.