Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/6
Bereits mit der ersten Verlautbarung des betreffend Grabungscommuniques an die anwesenden Medienvertreter wurde in Anlehnung an die bisherigen Namensgebungen der im nordtiroler Raum gefundenen humanoiden Funde diese Fundung als „Brixi“ benannt und auch umgehend in den diversen Berichterstattungen in vergleichbarer Weise dargestellt. Mittlerweile wird selbst in den einschlägigen wissenschaftlich-arteologischen Kreisen diese im Grund rein populärwissenschaftliche Namensgebung für die Funde in Nordtirol durchgehend verwendet, da sie sprachlich eine geschlossene Kategorisierung darstellt, die es alleine aufgrund der jeweiligen Namensnennung ermöglicht, den jeweiligen Fund thematisch zweifelsfrei zuordnen zu können.
Die umfassenden Analysen dieser linken Hand wurden am historisch pathologischen Institut der Technischen Hochschule in Bern im Zeitraum November 2007 bis April 2008, unter der Leitung von Prof. Dr. Paola Catania durchgeführt, und zeigten folgende Ergebnisse:
- Es handelt sich bei dieser Hand um eine linke, maskuline Hand einer erwachsenen Menschen, mit einem Lebensalter von +/- 38 Jahren.
- Die mikroskopische Analyse der Abtrennungsstelle an der Handwurzel zeigt typische post mortale Gewebsveränderungen der Hautschichten, die eindeutig beweisen, dass der Tod der Person zumindest drei Stunden vor der Abtrennung dieser Gliedmasse erfolgt sein muss. Aufgrund der Mumifizierung und der damit einhergehenden Konservierungstechniken sind weder aus muskulärem noch aus knochenartigem Material weitere Schlussfolgerungen über eine eventuelle Todesursache ableitbar. Lediglich die Unversehrtheit der Hand als solcher, die keinerlei sonstige Verletzungen oder mechanische Beeinträchtigungen vorweist, die auf ein Abwehrverhalten oder gar einen dem Ableben vorangegangenem Kampf hinweisen, bestärkt die Annahme, dass es sich beim Hinscheiden der betreffenden männlichen Person um einen natürlichen Tod infolge Krankheit und / oder Verunfallung gehandelt haben könnte, der ohne eine aktive körperliche Gegenmassnahme des verstorbenen eingetreten ist.
- Die Mumifizierung erfolgte nach den bereits bekannten Vorgangsweisen bei den bisherigen Fundungen in Nordtirol, wobei hier aber zum ersten Mal eine zusätzliche Umhüllung durch vorpräpariertes Leinen erfolgt ist, und in weiterer Folge ein keramoider Einschluss in einem gebrannten, irdenen Kubus.
- Die Untersuchungen an der Technischen Hochschule in Bern umfassten sowohl die Materialanalyse dieses Kubus als auch das mögliche technische Prozedere beim Brennvorgang, welcher in verschiedenen Experimenten nachvollzogen wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der keramische Brand des Kubus maximal eine Temperatur von 1200 Grad Celsius erreichen, und auch hier wiederum lediglich für einen Zeitraum von 45 Minuten dabei den Kernbereich bis zu 900 Grad Celsius erhitzen durfte, da ansonsten weder das organische Grundmaterial der Hand, als auch deren anorganischen Konservierungsmaterialien diese Hitze schadlos überstehen konnten. Es handelt sich somit bei diesem Fund um eine Art künstlicher „Versteinerung“, die zwar die Abbildgenauigkeit des Objektes insgesamt wahrt, aber bis auf die unter dem Mikroskop noch feststellbaren zellulären Strukturen am Abtrennungsbereich keinerlei organisch auswertbare und somit realhumane Überreste konserviert hat. Dass es sich gleichwohl tatsächlich um eine linke menschliche Hand bei diesem Fund handelt ergaben eindeutig die vergleichenden Analysen mit krematoriologischen Ascheüberresten aus Feuerbestattungen.
Der keramoide Kubus besteht aus einem Ton-Lehm-Gemisch, dem zwei Prozent Eisenoxid und 1,5 Prozent Braunstein in Pulverform beigemengt wurden. Dieser Braunstein enthält Mangan, welches als essentielles Element aller organischen Lebensformen vorzufinden ist, sowie einen wesentlichen Bestandteil verschiedener Enzyme darstellt. In der Natur vorkommende Manganoxide, wie der hier verwendete Braunstein, sind bereits lange bekannt und in Verwendung, und konnten unter anderem in den etwa 17000 Jahre alten Höhlenmalereien von Ekain und Lascaux nachgewiesen werden. Inwieweit sie beim Versteinerungsbrand des „Brixi“ sowohl chemisch als auch physikalisch ihre Wirkung entfalten ist zurzeit Gegenstand weiterer Untersuchungen und Experimente.