Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/7

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/7

Die anthropologisch-pathologischen Untersuchungen und Analysen der Hand und des Handgewebes wurden unter der Leitung der Anthropologin Dr Marga Sudanavesi gleichfalls an der Technischen Hochschule in Bern durchgeführt, Dr. Sudanavesi begleitete die überwiegende Zahl der arteologischen Expeditionen in den Raum Nordtirol und gilt als eine der fundiertesten Expertinnen im Bezug auf humanoide Fundungen im Kontext der arteologischen Forschungen. Gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Paola Catania, dem Polyglaciologen Mag. Peter Stolz und Dr. Arkadasch Dag wurde dabei diagnostisch experimentelles Neuland betreten: poliglacialisierung nach p. stolz 1, brixental 2007, dr. arkadasch dag, arteologieErstmalig nämlich wurde bereits am Fundort unmittelbar nach der Enthüllung, Vermessung und fotodokumentarischen Erfassung des humanoiden Fundes „Brixi“ diese linke Hand einer ad hoc Polyglacialisierung unterzogen, um dergestalt einerseits die Verweildauer ausserhalb der mumifizierenden Schutzhüllen möglichst kurz zu halten und andererseits die Lager-, Transport- und Untersuchungs­beständigkeit dauerhaft und kostengünstig zu gewährleisten.

Diese Polyglacialisierung wurde unmittelbar nach den Erstbefundungen im Bergungscontainer unter sterilen Bedingungen unter der Leitung von Mag. Peter Stolz durchgeführt und vom Expeditionsfotografen Herwig Angerer bildnerisch und textlich dokumentiert und der wissenschaftlich-arteologischen Gemeinde zur Verfügung gestellt (sh. „Science and Experimental Research“, S. 34 – 42, IV, 2008). Bei den anstehenden Untersuchungen und Analysen am Pathologischen Institut der Technischen Hochschule in Bern konnte Mag: Peter Stolz die fehlerfrei Funktionalität seiner Poliglacialisierung nach P. Stolz © eindrucksvoll unter Beweis stellen. Sowohl die Herstellung von Feinschnitten für mikroskopische Untersuchungen als auch die nachfolgenden Zusammenfügungen der entsprechenden Teile zu einem ganzheitlichen dreidimensionalen Fund ohne optisch nachweisbare Verbundstellen gelang ausnahmslos und ohne Abweichungen. Somit steht tatsächlich erstmalig ein Konservierungsverfahren für organische Funde zur Verfügung, welches es ermöglicht ohne Beschädigungen am Fundmaterial direkt zu arbeiten und gleichzeitig kann die nachfolgende Unversehrtheit, bei Einhaltung der erforderlichen labortechnischen Auflagen, wiederhergestellt und garantiert werden. Dies ermöglicht neben dem dreidimensionalen Bildgebungsverfahren der Computertomographie eine fächerübergreifende und fallspezifische Bearbeitung des jeweiligen Fundstücks unter Berücksichtigung weiterführender Untersuchungen und Analysen zu jedem späteren Zeitpunkt und wissenschaftlichem Anlass.

poliglacialisierung nach p. stolz 2, brixental 2007, dr. arkadasch dag, arteologieDurch die Poliglacialisierung nach P. Stolz © ergeben sich zudem weitere bedeutende Vorteile: so ist etwa die Lagerung der eingegossenen Fundstücke absolut unproblematisch, da sie lediglich vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden müssen und der optimale Raumtemperaturbereich zwischen 5° und 45° Celsius liegt, wobei selbst niederere (bis – 12° Celsius) oder auch höhere (bis nachgewiesene 100° Celsius) Temperaturen kurzzeitig keinerlei Schädigungen der eingeschlossenen Fundstücke nach sich tragen. Somit können derartig präparierte Fundstücke dem normalen Studien- als auch Museumsbetrieb ohne weitere Bedenken überantwortet werden und auch der Transport dieser Fundstücke bedarf lediglich des normalen Prozedere, wie es etwa für Kunsttransporte allgemein üblich ist.