Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/8

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 26/8

Dieser humanoide Fund im Brixental unterscheidet sich vor allem durch seine künstlich herbeigeführte Petromumifizierung, die in dieser Form bisher im gesamten Alpenbereich absolut einmalig ist. Die digitalen und röntgenologischen Untersuchungen dieser linken, maskulinen Hand belegen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass die technischen Abläufe der posthumen Präparierung des organischen Materials weitestgehend ident mit dem jeweilig entsprechenden Prozedere der bisherigen im Raum Nordtirol vorgefundenen humanoiden Mumifizierungen sind. So ist einerseits von einer mehrtägigen Dehydrierung auszugehen, wie auch von einer Infiltration mit Harzen und mineralischen Gemengen, die in weiterer Folge durch den pyrotechnischen Einsatz sich zu einem in homogenen Kunststein verschmolzen, ohne dabei jedoch die gestalterische Form, selbst in den strukturell organisch vorgegebenen Einzelheiten zu verlieren.

Frau Prof. Dr. Paola Catania verweist hier auf die humanoiden Funde von Heculaneum und Pompeii, welche allerdings durch pyroklastische Verhitzungen und dem unmittelbar nachfolgenden Ascheregen ihre Mumifizierung erfahren haben, während beim „Brixi“ die Versteinerung entweder durch den bewussten Einsatz von Feuer, oder aber per Zufall, infolge eines lokalen Brandgeschehens erfolgt sein muss. Die Untersuchung des unmittelbaren Fundgeländes im direkten Umfeld des Ton-Lehm-Quaders ergab jedoch keinerlei Hinweise auf einen entsprechenden Einsatz von Feuer, wobei festzuhalten ist, dass es sich hierbei um eine technisch durchaus ausgereifte Konstruktion gehandelt haben müsste, um eine entsprechende und auch dauerhafte, sowie laufend zu regulierende Hitzeeinwirkung zu gewährleisten. Weder mineralische noch florale Spuren waren diesbezüglich vor Ort feststellbar. Es gilt somit die Annahme, dass der Brand dieses Ton-Lehm-Quaders in einem speziellen Brandofen erfolgte, wie er etwa bei Töpfern zu dieser Zeitepoche in Verwendung stand. Die Datierung sämtlicher Funde im Brixental umfasst einen Zeitraum der späten Arteologischen Zeit bis hin zum Höhepunkt der Hocharteologischen Zeit. Die Mumifizierung in ihrer Ausarbeitung als Kunststeingemenge stellt dabei den bisherigen Höhepunkt der dauerhaften Präparierung von humanoiden Funden dar.

Mit dieser Technik wurde die Oberfläche der linken, maskulinen Hand nahezu perfekt erhalten: so sind nicht nur sämtliche Fingernägel deutlich erkennbar, sondern auch Reste und Ansätze einer Behaarung an den unteren Fingergliedern, sowie entlang der linken Handseite von der Wurzel des kleinen Fingers an bis zur Abtrennungsstelle an der Handwurzel. Durch die Petromumifizierung verblieb jedoch keinerlei organisches Material, welches für eine gentechnische Untersuchung hätte verwendet werden können. Somit beschränkt sich derzeit die Analyse dieser Hand fast ausnahmslos auf eine rein anatomische Diagnostik und auf chemische Untersuchungen der einzelnen Materialen und der entsprechenden Verschmelzungsprodukte im besagten Fundobjekt.

humanoider fund, fundprotokollzeichnung, brixental 2007, dr. arkadasch, arteologieDie Hand zeigt eine leichte Spreizung der Finger, eine offene Geste, wie sie etwa beim Empfang von Gegenständen typisch ist. An der Handwurzel beträgt der Durchmesser 4,62 cm und die Länge von der oberen Handwurzel bis zur Fingerspitze des Kleinen Fingers beträgt 11, 24 cm. Der Zeigefinger misst 8,28 cm und der leicht abgespreizte Daumen 6,64 cm. Die Dicke der vier anderen Finger beträgt im Schnitt ungefähr 1,50 cm im Durchmesser, jeweils gemessen am mittleren Fingergliedgelenk. Vom rechten Rand des Fingernagels des Zeigefingers bis zum linken Rand des Fingernagels des Kleinen Fingers ergibt sich eine leichte Spreizung von 8,07 cm, allerdings nicht entlang der Fingerkuppen gemessen, sondern entlang einer waagrechten Messlinie.