Brixental, Mai - Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 27

Brixental, Mai – Oktober 2007, Ausgrabungsprotokoll 27

Die weiteren Grabungen vor Ort brachten bis zum Ende dieser Expedition einige keramoide und teilmetallene Artefakte zu Tage, welche in ihrer Gesamtheit eindeutig dem handwerklich, technischen oder aber dem landwirtschaftlich, häuslichen Bereich zuordenbar sind und die sowohl in ihrer gestalterischen Charakteristik, als auch in ihrer jeweiligen Funktionalität dem Entwicklungszustand der nordtirolerischen, zivilisatorischen Populationsbereiche zu jener Zeitepoche entsprechen. So wurden weder eigenentwickelte formale Veränderung in der jeweiligen Konzeption, noch über das übliche Mass einer ruralen Ornamentistik hinausgehende ästhetisierende Elemente in der Bearbeitung der Oberflächen, bzw. im Rahmen der ausserfunktionalen Formteile (wie etwa Gefässränder, Griffstücke etc.) vorgefunden. Andererseits ist, speziell durch die Petromumifizierung des humanoiden Fundes („Brixi“) durchaus eine Weiterentwicklung im manufakturellen Bereich der Fertigung feststellbar, die einmal mehr in sich den opportunen Anspruch der nordtiroler eingeborenen Bevölkerung aufzeigt, zwar transitale Beeinflussungen im Hinblick auf technischen Fortschritt rasch und absorptiv zu übernehmen, jedoch umgekehrt in der nach aussen hin sich zeigenden Wirkbarkeit streng auf den als originär verstandenen, formalen Ausdrucksformen zu beharren.

brixental 2007, dr. arkadasch, arteologieDiese Handlungsweise ist nachgerade typisch für sämtliche bisherigen, arteologischen Fundungen im Raum Nordtirol und zeigt besonders im Vergleich mit anderen kleinräumigen und enklavistisch, soziokulturellen Besiedelungsformen (vgl.: Tolteken [Mittelamerika], La Venta Kultur [Mittelamerika], Altai-Skythen [Zentralasien]), die charakteristischen Parameter einer versuchten Selbstfindung zwischen erforderlicher Anpassung und angestrebter Eigenständigkeit.

Bis Mitte Oktober 2007 wurden sämtliche Grabungsarbeiten abgeschlossen, gemeinsam mit dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck abschliessend kartiert und katalogisiert. Zeitgleich erfolgte die systematische mineralogische und botanische Erfassung des Grabungsgebietes, wobei speziell den Verprobungen der durch die Grabungen freigelegten Schichten in arteologischer Hinsicht das entsprechende Augenmerk zugeteilt wurde.

Die Räumung des Grabungshauptlagers am Gehöft Rauchleiten erfolgte sukzessive in mehreren Schritten, sodass in der letzten Oktoberwoche lediglich der Bergungscontainer, sowie diverses Restmaterial für den Rücktransport nach Izmir vorbereitet werden musste.

Die vertraglich vereinbarte Renaturierung sämtlicher Grabungsbereiche konnte gleichfalls bis Mitte Oktober 2007 abgeschlossen und vom Bürgermeister (als oberste Baubehörde) der Gemeinde Hopfgarten positiv abgenommen werden. Mit der finalen Lohnabrechnung der eingeborenen Hilfskräfte und einer Urkundenüberreichung, welche den beteiligten Hilfskräften in türkischer und deutscher Sprache den Dank und die Anerkennung des Arteologischen Institutes der Freien Universität Izmir aussprach, wurde im Rahmen einer Feierstunde in den Verwaltungsräumen der Gemeinde Hopfgarten diese Expedition vor Ort würdig und in positivem Einvernehmen mit der ansässigen Bevölkerung offiziell abgeschlossen.