Zillertal, Juni - Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 1

Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 1

In den Jahren 2007 bis 2010 lag der Schwerpunkt der arteologischen Forschung des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir in der Aufarbeitung der bisherigen Funde im Raum Nordtirol. Zahlreiche Publikationen in internationalen Fachzeitschriften belegen die Intensität und den Ergebnisreichtum dieser wissenschaftlichen Arbeiten, die unter der inhaltlichen und organisatorischen Federführung von Dr. Arkadasch Dag liefen. Dabei ist insbesondere die spartenübegreifende Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen universitären aber auch ausseruniversitären Instituten und Unternehmungen hervor zu heben, die in einer bis dato nicht üblichen interdisziplinären Verschränkung zu teilweise vollkommen neuen Ansätzen und Theorien führten, die insgesamt eine wissenschaftliche Bandbreite eröffneten, die weit über die reine arteologische Beforschung dieses kleinräumigen Grabungsgebietes des Raumes Nordtirol hinausgeht. Insbesondere sei hier auf die bionischen Analysen von Dr. Esmeralda Syskovic verwiesen, die den stringenten Nachweis einer engen Verflechtung zwischen genauer Naturbeobachtung und den daraus abgeleiteten formalen Gestaltungskriterien in der alpinen Holzverarbeitung im Raum Nordtirol erbrachte und so, in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Fachschule für Holztechnik in Rosenheim (Bayern, Deutschland) zu völlig neuen historischen Zugängen auf diesem Fachgebiet wesentliches beitragen konnte.

The Charles University

Karls-Universität-Prag

Dieser Focus im Bezug auf die Grundlagenforschung der Studiengruppe des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir kulminierte in der Ausrichtung eines einwöchigen Kongresses vom 4. – 11. Dezember 2010, welcher vom im Jahr 2007 neugegründeten Arteologischen Institut der Karls-Universität-Prag (Tschechien) einberufen und abgehalten wurde. In diesem Rahmen stellte Dr. Arkadasch Dag, unterstützt vom Polyglaciologen Mag. Peter Stolz und dem picturalen Begleiter und Archivar, Herrn Herwig Angerer, in einer dreiteiligen Vortragsreihe – die auch im Wissenschaftskanal des staatlichen tschechischen Fernsehens späterhin übertragen wurde – sämtliche bisherige arteologischen Expeditionen und Ausgrabungen im Raum Nordtirol vor, wobei hier besonders auf die artefaktorielle Beforschung der Fundobjekte sowie die soziokulturellen Ableitungen im Gesamthabitatsbereich des nordtiroler Siedlungsraumes thematisch Bezug genommen wurde.

In den nachfolgenden Diskussionen und Workshops erfolgten eine intensive Aufarbeitung sämtlicher Fakten, sowie eine generelle Wertung der interdisziplinären Zusammenarbeit über Länder- und kulturelle Grenzen hinweg. Das grundlegende Postulat einer Unmöglichkeit einer rein endemisch und enklavisch ausentwickelten kulturellen Identität, die in weiterer Folge aus sich heraus eine tatsächliche Entwicklung ermöglicht, führte zur ausser Streit stehenden Schlussfolgerung, dass in der modernen Forschung sowohl die transitalen als auch insistalen Beeinflussungen verstärkt berücksichtigt werden müssen, da sie insgesamt jene Parameter darstellen, welche fundamental die Grundlage einer geistigen als auch soziokulturellen Entwicklung per se bilden.

Als ein – und wohl auch sehr grundlegendes – Ergebnis dieses Kongresses regte das Arteologische Institut der Karls-Universität-Prag an, den letzten grossen „weissen Fleck“ in Nordtirol, nämlich das sich vom Inntal nach Süden erstreckende Zillertal, im Rahmen einer internationalen arteologischen Expedition, unter der organisatorischen Leitung des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir und unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Arkadasch Dag umgehen zu erforschen. Dieser Antrag wurde im Schlusskommuniqué dieses Kongresses einstimmig angenommen.