Zillertal, Juni - Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 9

Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 9

Gleichwohl konnte die Erkundungsexpedition im Jahr 2011 aus arteologischer Sicht planmässig und entsprechend der vorbereiteten Agenda durchgeführt werden. Die Erkundung der drei ausgewählten Talabschnitte gliederte sich jeweils in eine erste generell arteologische Sichtung, die im wesentlichen darin bestand die jeweiligen Talabschnitte und Örtlichkeiten in ihrer geografischen Gesamtheit zu erfassen und arteologisch zu bewerten. Dazu wurden die bereits vorab analysierten Luftaufnahmen, Karten und kartografischen Aufzeichnungen aus vergangenen Jahrhunderten – die dankenswerter Weise vom Peter Anich Institut in Innsbruck zur Verfügung gestellt wurden – im Bezug auf natürliche infrastrukturelle Ausformungen und sowohl fussläufige als auch karrentaugliche Trassierungen von Menschenhand abgeglichen und sytematisch unter den arteologischen Parametern erfasst. Die daraus ableitbaren strukturellen Wahrscheinlichkeiten ergaben im Verein mit historisch nachweisbaren Wegführungen ein in sich detailliertes Abbild untersuchungswürdiger Geländeabschnitte, welche anschliessend fussläufig erkundet, vermessen und kartografiert wurden.

Dabei stellte sich heraus, dass der Raum MayrhofenFinkenberg zwar verkehrstechnisch seit vielen Jahrhunderten von durchaus lokaler und über das Tuxerjoch hinweg sogar von überregionaler Bedeutung war, aus arteologischer Sicht jedoch durch den Mangel an historischen Dauerbesiedlungen entlang der Wege und Pfade nicht jene Relevanz aufweist, die diesen Raumabschnitt zur primären Grabungs- und Untersuchungszone im Rahmen der gegenwärtigen Möglichkeiten prädestiniert.

Der Bereich von Zell am Ziller bis zum gerlospass-foto-robert-mader, arteologie, zillertal 2011, dr. arkadaschGerlospass ist einerseits von einer grossen Höhendifferenz geprägt und andererseits durch die typische Engheit der alpinen Seitentäler gekennzeichnet. Die Erkundung dieses Abschnitts erforderte somit einen grossen zeitlichen Aufwand, da bis auf wenige Teilabschnitte eine Vorerkundung mit Hilfe motorisierter Teams unmöglich war und somit auf kleinstrukturierte fussläufige Abschnittserkundungen direkt vor Ort zurückgegriffen werden musste. Auch hier zeigten die Ergebnisse durchaus lokal interessante Ansatzpunkte für eine arteologische Untersuchung, während jedoch die Gesamtschau dieses Gebirgsübergangs zwar infrastrukturell relevante Zusammenhänge offerierte, im Bereich der artifiziellen arteologischen Vorkommen jedoch nicht jene erforderliche Dichte aufzuweisen vermochte, die den Einsatz der vorhandenen Mittel als solche zur Zeit rechtfertigen konnte.

Aus Sicht der habitatsbezogenen und natürlichen infrastrukturellen Voraussetzungen stellte sich im Laufe der Erkundungsexpedition von 2011 der vordere Talbereich von Strass im Zillertal bis Uderns als der interessanteste und arteologisch in sich geschlossenste Bereich aller drei Erkundungsabschnitte heraus. Zum einen bildet hier der Ziller einen natürlich vorgegebenen Richtungsverlauf für die infrastrukturelle Gesamtstruktur (wie sie etwa auch heute in diesem Talabschnitt anhand des Verlaufes der westseitig des Zillers verlaufenden Zillertalstrasse und der Zillertalbahn, sowie der Verkehrswege ostseitig des Zillers, welche die Siedlungen Bruck, Imming und Hart verbindet, ersichtlich ist) und zum anderen ist dieser vordere Talbereich des Zillertales seit jeher der Schnittpunkt der transistalen und insistalen Wanderbewegungen aus dem Inntal, dem Zillertal und über die Gebirgsübergänge vom Tuxerjoch und dem Gerlospass.

Diese Annahmen bestätigten sich bei den Nachbearbeitungen sämtlicher Ergebnisse der Erkundungsexpedition, die im Wintersemester 2011/2012 am Arteologischen Institut der Freien Universität von Izmir durchgeführt wurden und führten zum konsensualen Beschluss aller beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen für das Jahr 2012 den Bereich von Strass im Zillertal bis Uderns im Rahmen einer artelogischen Expedition im Detail zu erforschen.