Zillertal, Juni – Oktober 2012, Ausgrabungsprotokoll 12
Beim Arteologischen Symposion des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir im Dezember 2011 wurden die zwischenzeitlich von den verschiedensten universitären Instituten ausgewerteten Ergebnisse der Erkundungsexpedition des Jahres 2011 vorgestellt und interdisziplinär bewertet und mit den bisherigen Daten der im Raum Nordtirol durchgeführten arteologischen Expeditionen verglichen, um der Beschlussfassung einer neuerlichen Grabungsexpedition im Raum Imming/Zillertal ein möglichst breites Spektrum an gesichertem Ausgangsmaterial zur Verfügung zu stellen. Dabei wurde einstimmig Dr. Arkadasch Dag als neuerlicher Expeditionsleiter bestellt und das Arteologische Institut der Freien Universität Izmir mit der organisatorischen und administrativen Planung und Durchführung dieser Expedition betraut, da aufgrund der bisherigen acht Grabungsexpeditionen im Raum Nordtirol und der nachfolgenden wissenschaftlichen Aufarbeitung ein hohes Mass an Kompetenzerfahrungen in der praktischen Umsetzung der angestrebten Zielvorgaben eingebracht werden konnte und so die Gesamtorganisation und Leitung dieser Expedition auf entwicklungsspezifischen Strukturen und entsprechendem Knowhow aufzubauen vermochte.
Diese 9. arteologische Expedition im Raum Nordtirol wurde erstmalig als Internationale universitäre arteologische Expedition ausgeschrieben und stellte die logische Fortführung der Erkundungsexpedition des Jahres 2011 dar.
Die bilateralen Verhandlungen zwischen der Freien Universität Izmir und der Republik Österreich führte Dr. Arkadasch Dag unter der Ägide des Aussenministeriums der Republik Türkei. Dabei gelang es Dr. Arkadasch Dag nicht nur die grabungsrelevanten Vertragsklauseln im Sinne einer internationalen Forschung zu implizieren, sondern auch die Bestrebungen der politischen und administrativen Eliten vor Ort, in Gestalt der Tourismusverbände des Zillertales, durch das Primat der wissenschaftlichen Zielsetzung als letztverantwortliche Parameter gegenüber allfälligen populärwissenschaftlichen Nutzungsabsichten in schriftlicher und einklagbarer Form entsprechend einzugrenzen. Dr. Arkadasch verwies dabei erfolgreich auf die mittlerweile etwa in Matrei am Brenner bestehende museale Einrichtung, die wissenschaftlich von der Historischen Fakultät der Universität Innsbruck betreut wird.
Die Expedition wurde für den Zeitraum Juni bis Oktober 2012 angesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Nationalarchiv der Europäischen Gemeinschaft in Riihimäki/Finnland konnten bereits im Mai 2012 mit den Grundstückseigentümern im geplanten Grabungsgelände west- und ostseitig des Zillers bei Imming die entsprechenden Nutzungsverträge unterzeichnet, sowie die zwei Hauptlager an den jeweiligen Uferbereichen besichtigt und für den Expeditionsbetrieb vorbereitet werden. Die Ausrüstung sowie der Bergungscontainer erreichten am 2. Juni mittels LKW die jeweiligen Bestimmungsorte, sodass mit Eintreffen der neun ExpeditionsteilnehmerInnen mit der Errichtung der Lager- und Expeditionsinfrastruktur begonnen werden konnte.
Bereits mit Ende April erfolgte durch die langjährigen, wissenschaftlichen Mitarbeiter vor Ort, dem Polyglaciologen Mag. Peter Stolz und den Expeditionsfotografen und Aquarellieur Herwig Angerer die Anwerbung und Auswahl der eingeborenen Hilfskräfte. Dies gestaltete sich insoweit aufwändiger als geplant, da durch die einsetzende Sommersaison im Tourismus und die häufig im Nebenerwerb betriebene landwirtschaftliche Tätigkeit im Rahmen eines Familienbetriebs ein Mangel an Vollzeithilfsarbeitern in diesem lokal begrenzten Umfeld feststellbar war. Mittels monetären Zusatzanreizen gelang es dennoch bis Juni 2012 zwölf männliche und acht weibliche Grabungshilfskräfte in ein geordnetes Lohnverhältnis zu übernehmen.
Das Hauptlager mit dem Bergungscontainer wurde bei der Gehöftgruppe Imming errichtet, wobei eine angemietete Scheune als administrative Zentrale diente und im angrenzenden Wohnhaus die bestehenden Ferienwohnungen und Fremdenzimmer als Unterkünfte für das Expeditionsteam bis Ende Oktober 2012 angemietet wurden. Direkt gegenüber, abgegrenzt durch die Imming-Strasse, befand sich das Materiallager I mit dem entsprechenden Expeditionsequipment, sowie dem Bergungscontainer. Dafür wurden zusätzlich vier Baucontainer von einer im Inntal sesshaften Baufirma für den gesamten Expeditionszeitraum angemietet. Die Einzäunung dieses Areals erfolgte mittels transportablen Bauzaunelementen. Die Versorgung mit elektrischer Energie und Wasser übernahm die TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG), wobei gleichzeitig überirdisch mittels Masten an die Grabungsstelle am Zillerufer ein zusätzliches Stromkabel verlegt wurde.
Am westseitigen Ufer erfolgte die Errichtung des Materiallagers I A, bei einem landwirtschaftlichen Nutzungsgebäude, welches am Endpunkt eines Feldweges, direkt am Leitnerbach liegt. Sowohl Einzäunung als auch die Energieversorgung entsprachen den Vorgaben des Hauptlagers. Im Juli 2012 wurde das Materiallager I A mit der Aufstellung von zwei Containern und einem Mannschaftszelt komplettiert.