Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 12

Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 12

Abschliessende grabungsprotokollare Fundbeschreibung unter wissenschaftlich – arteologischer Prämisse:

Beschreibung des Fundortes:

  • alle vier Objekte des ersten Fundes an der Grabungsstelle „Inntal“ wurden im AHDP1 am 12. August 1982 freigelegt. Dabei wurde auf sämtliche der arteologischen Wissenschaft entsprechenden Massnahmen einer Findung und Fundbergung Rücksicht genommen. Alle diesbezüglichen Verfahrensschritte sind dem Zusatzprotokoll eins zum Grabungsprotokoll „Inntal“ zu entnehmen und wurden beim Osloer-Symposion im Dezember 1982 einstimmig ratifiziert.
  • Die Fundstücke wurden in einer Tiefe von 29 bis 32 cm unter dem Sodenabhub entdeckt. Es handelte sich dabei grabungstechnisch um eine Horizontalsondierung im Parallelverschiebungsverfahren.
  • Es handelt sich insgesamt um vier Fundstücke, welche im Ausgrabungsprotokoll 11 und 12 näher beschrieben werden.
  • Die Lagerungsstätte besteht aus eingeschwemmten Kieselungen mit eingeäderten Lehmen und Mergeln, welche dem gesamten Bodengefüge unterhalb des Sodenabhubs bis zu einer Tiefe von 40 bis teilweise 57 cm typisch sind (vereinzelt treten auch Schichtabtäufungen bis zu einer bisher gemessenen Tiefe von 86 cm auf).
  • Diese Bodenstruktur weist hydrogeologisch einen mittelwertigen Sickerungskoeffizienten auf und bedingt dadurch eine relativ ph-neutrale Bodenstruktur, welche umgekehrt im organischen Bereich zu einer vermehrten enzymischen Gesamtreaktion führen kann (vgl. Beschreibung des Griffstückes von Objekt 1). Der Oxidierungseffekt kann daher weitestgehend außer Acht gelassen werden.

 

Arteologischer Ansatz:

Zweifelsfrei stehen alle vier Objekte in einem mittelbaren und unmittelbaren inneren und äußeren Zusammenhang. Sowohl die Gebrauchs- und Verwendungsspuren an den Objekten eins und drei sind ident, sowie auch die Knickungen (auch in der transversalen Wölbung!) an den Objekten zwei und vier. Im „Osloer-Verfahren“ gelang es Dr. Arkadasch eindeutig den Nachweis zu erbringen, dass die Knickungen an den Objekten zwei und vier durch einen hebelartigen Gebrauch von Objekt eins entstanden sind. Die Riefen- und Kratzstruktur an den Aufzackungen, als auch die kleinstelligen Einbeulungen an der Außenseite der Objekte zwei und vier sind sowohl von der Oberflächenstruktur als auch der Materialmaserung zweifelsfrei der Kontaktierung durch Objekt eins zuordenbar.

Die anorganische Beschichtung der Innenseite von Objekt zwei und vier ist ein starkes Indiz für eine verschliessende Funktion von schmalhalsigen Gefäßkörpern, welche für eine längere Lagerung und/oder moussierende Flüssigkeiten in Verwendung standen.

Auf Grund der Einfachheit des innewohnenden Verschlusskonzepts und der damit einhergehenden Simplizität des Öffnungswerkzeuges (Objekt 1 und 4), muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei diesen Gefässen, Verschlüssen und Öffnungswerkzeugen um Artefakte handelt welche in Tirol eine sehr breite Verwendung in allen Bevölkerungsschichten fand.

Die Gemeinsamkeit und Lage der Fundstücke – das steht mittlerweile außer Streit – deutet auf einen ritualen Charakter eines häufigen Trankopfers hin, welches zu verschiedenen Anlässen und Situationen gemeinsam gepflegt wurde.