Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 2

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 2

Im Winter 1983/84 konnte die Arbeit des Sondierens und die endgültige Festlegung der Grabungsgebiete auf Grund der Schneelage (die Oberflächenphrasierungen werden durch den Schnee derart rundhaft umgestaltet, dass sich weder klare Strukturen noch unverwechselbare lineare Elemente aus dem terrestrischen Gefüge ablesen lassen) nicht beendet werden. Erst mit Abschluss der Schneeschmelze, mit welcher insbesondere in der Passlage des Brenners nicht vor Ende April gerechnet werden kann, waren weitere arteologische Erkundungen im Wipptal möglich. Dr. Arkadasch verband diese Tätigkeit mit einer fachspezifischen Exkursion seiner Studierenden von der Freien Universität Izmir und konnte mit Hilfe dieser personellen Ausstattung neben den Zielbildungseinheiten seiner Lehrübung gleichzeitig die parametalen Vorgaben einer jeden arteologischen Grabungsplanung systematisch und ortseingebunden abarbeiten. Ein unbeabsichtigter, aber nichts desto trotz willkommener Zusatznutzen war die dabei sich heraus bildende Ergänzung und Vervollständigung des zukünftigen Grabungsteams für im Wipptal zu findende arteologische Such- und Schürfgebiete, denn zwei Studentinnen (Frau Aysha Murat und Frau Mag. Fatima Güller) die an dieser Exkursion teilnahmen, ersuchten Dr. Arkadasch nach einem eingehenden fachlichen Erfahrungsaustausch um Aufnahme in das zukünftige Grabungsteam. Gerade für einen längeren und derart intensiven Zusammenarbeitsbereich, wie dies nun einmal eine Expedition in ein art- und kulturfremdes Habitat darstellt, ist es unumgänglich notwendig ein möglichst homogenes, in sich geschlossenes und charakterlich gefestigtes Team zur Verfügung zu haben, um möglichst ohne grössere Reibungsverluste und zwischenmenschliche Anfälligkeiten ein Maximum an Leistung innert kürzester Zeit zu gewährleisten. Auch wenn weiterhin die Anthropologin Dr. Sudanavesi und Dr. Arkadasch den Kern des Grabungsteams bildeten, so war es doch seit 1982 zu personellen Veränderungen gekommen (zwei Studenten schlossen ihr Studium ab, eine Studentin wechselte für ihre Diplomarbeit an eine israelische Universität), welche nunmehr durch diese beiden Frauen, die zudem beide der deutschen Sprache mächtig waren und mit ihren fachlichen und menschlichen Qualitäten das Team hervorragend ergänzten, weitestgehend ausgeglichen wurden.

Anfang Juni 1984 konnten die Sondierungsarbeiten abgeschlossen und endgültig kartographiert werden. Die letzte Schwierigkeit lag nun darin aus den vier ausgewählten arteologischen Arealen das vielversprechendste auszuwählen, da bei derartig aufwändigen Expeditionen neben dem wissenschaftlichen Impetus auch die finanziellen und materiellen Ressourcen zu berücksichtigen sind. Nach Abwägen aller Für und Wider entschloss sich Dr. Arkadasch jenes Grabungsgebiet im Wipptal auszuwählen, welches vom territorialen und topographischen Aspekt her die höchste Wahrscheinlichkeit auf transitale und insitale Bevölkerungsbewegungen zeitigte. Diese Vorgaben – zum einen eine beinahe klausenhafte Talverengung und zum anderen seit Jahrhunderten nachweisbare Wegtrassierungen – zeigten sich am deutlichsten im Sondierungsgebiet der heutigen Europabrücke, genauer gesagt in derem westufrigen Böschungsbereich des Flüsschens Sill, an dem auch die althergebrachten Pfade und Wege angelegt wurden.

Im Laufe des Monats Juli 1984 – hier machten sich besonders die erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit des Teams „Inntal“ und der sensationelle humanoide Fund des „Innti“ bezahlt – konnten sämtliche behördliche Bewilligung der einheimischen Behörden eingeholt, sowie eine erste Rekrutierung von einheimischen Grabungspersonal durchgeführt werden.