Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 3
Die Republik Österreich und hier wieder insbesondere das Bundesland Tirol leben überwiegend seit dem nachkrieglichen Wiederaufbau vom Tourismus, wobei hier speziell Tirol von seinen topografischen und klimatischen Bedingungen her den Vorteil aufweist sowohl eine gute Sommersaison (beginnend mit Mitte Juni bis Mitte September), als auch eine im internationalen Vergleich, hervorragende Wintersaison (beginnend mit Ende November bis hin zum dem christlichen Kalendarium entsprechenden Osterfest [meist gegen Ende März bis Mitte April datiert; als Grundlage dient hier der erste Vollmond eines Jahres nach julianischem Kalender]) auf zu weisen. Im Allgemeinen beruht der – oftmals ungleich verteilte – Wohlstand der Bevölkerung auf den aus dem Tourismusgeschäft lukrierbaren Einnahmen und aus einem, überwiegend der öffentlichen Hand unterstellten Dienstleistungssektor. Eine vergleichende Studie von Maureen Theskov (University of Tuxedo, 1975, „The comparison of the behaviours of native Indians and the local indigenous tribes from Tyrol“, Sciencepress – Tuxedo) hat aufgezeigt, dass sowohl vom Ausverkauf des eigenen Brauchtums als auch der Traditionen, bis hin zum Missbrauch von Alkohol und Drogen, der schleichende Verlust von wahrer Identität umgekehrt zu einem Aufkeimen von nationalistischen, meist primitivst artikulierten Nationalismen, in einer eindeutigen Relation zum usurpatorischen Charakter einer Okkupation steht – und sei diese auch primär von friedlichen und/oder touristischen Merkmalen geprägt.
Dies zeigte sich auch in der schwierigen Akquirierung von geeigneten Räumlichkeiten für die ab August 1984 angeplanten Ausgrabungen im Wipptal. Durch die extensive touristische Nutzung war es im Grossraum Innsbruck kaum möglich adäquate Baulichkeiten anzumieten, welche sowohl dem arbeitstechnischen, als auch accommodativen Bedürfnissen des Grabungsteams entsprachen. Erst durch Intervention von höchster Stelle gelang es leerstehende Gebäudeeinheiten einer aufgelassenen Polizeikaserne in Innsbruck in Pacht zu nehmen und zumindest dergestalt improvisorisch zu adaptieren, dass termingerecht mit den Vorarbeiten zur Grabung vor Ort begonnen werden konnte. Die guten infrastrukturellen Gegebenheiten glichen dabei den Nachteil einer nicht fussläufigen Erreichbarkeit der Grabungstelle aus. Allerdings – und dies bei knappen finanziellen Ressourcen – musste darob generell auf motorisierte Mobilität zurück gegriffen werden.
Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten konnte mit 5. August 1984 ein erstes Grabungsfeld erschlossen werden. Dieses liegt am westufrigen Bereich des Flüsschens Sill, wenige hundert Meter unterhalb der westlichen Pfeilerfundamente der Europabrücke und wird am westlichen Rand unmittelbar von einer zweispurigen Fahrstrasse, welche die ursprüngliche automobiltaugliche Verbindung zum Brennerpass darstellt, begrenzt. Zwei separate Holzbaracken mussten extra am steil abfallenden Böschungsrand errichtet werden, um sowohl das Grabungswerkzeug als auch Büro- und Laborraum vor Ort wind- und wettergeschützt unterbringen zu können. Gleichzeitig diente die Werkzeugscheune in den ersten Wochen der Ausspeisung der Grabungsmannschaften und deren sanitären Bedürfnissen. Auf Grund der Erfahrungen mit der Ausgrabung „Inntal“ wurde parallel zu den ersten Horizontalsondierungen umgehend mit der Einzäunung des Areals begonnen. Nicht zuletzt dank des medialen Echos durch die lokalen Berichterstattungen (die noch immer im Banne des „Innti“ standen) und der günstigen metrologischen Bedingungen verlief diese Anfangsphase ausgesprochen produktiv und problemlos.