Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 7/2

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 7/2

Kurzmeldung: durch ein äusserst starkes Unwetter am Abend des 23. August 1982, wurden sämtliche Vorbereitungsarbeiten zur arteologischen Grabung ein gutes Stück zurück geworfen und in Teilgebieten sogar zunichte gemacht.

Die Oberflächenwässer der zweispurigen „Brennerbundestrasse“ konnten vom trassierten Entwässerungssystem im geplanten Strassenverlauf schon nach wenigen Minuten nicht mehr bewältigt werden, so dass es zu bachartigen Sturzrinnungen in die Talseite des Flüsschens Sill in zunehmend verstärktem Ausmasse kam, welche innert kürzester Zeit weder durch Regenrinnen oder gar hangseitigen Gerinnungsgräben in geordneten Bahnen abführbar waren. Die im Gewittersturm über 42 Minuten anhaltenden – die eingeborene Bevölkerung spricht dabei von „sintflutartigen“ – Regenfälle stoppten zu aller erst jede Form des motorisierten Verkehrs und verunmöglichten in weiterer Folge auch jegliche Art von manuellen Schadensvorkehrungen durch Drainagierungsarbeiten oder die Anlage von improvisatorischen Wasserläufen durch Sandsäckle oder dergleichen Hilfsmittel.

Die telefonische Anforderung von einheimischen Feuerwehrkräften wurde negativ beschieden, da sämtlich verfügbare Einsatzkräfte für den Schutz und Erhalt von Wohnhäusern, tierischen Stallungen und gewerblich genutzten Stätten aufgeboten wurden.

Das Team „Wipptal“ zog sich mitsamt dem anwesenden eingeborenen Grabungspersonal schon nach wenigen Minuten in die Werksattbaracke zurück um dort das Ende dieses Unwetter nach Möglichkeit unbeschadet zu überstehen. An gezieltes Arbeiten im freien war dabei unter keinen Umständen zu denken und Dr. Arkadasch verbot dies auch allen in klaren und unmissverständlichen Worten. Der Schutz von Mensch und Tier hat in derartigen Situationen absolute Priorität, denn es obliegt der Letztverantwortlichkeit eines jeden Expeditionsleiters nach Möglichkeit die Gesundheit und Unversehrtheit des ihm anvertrauten Personals zu gewährleisten.

Aufgrund des totalen Stromausfalls in Folge des Gewittersturms, der bis 22:45 Uhr Ortszeit nicht behoben werden konnte, war es nicht möglich sich im Lichte von Scheinwerferanlagen einen ersten Eindruck über eventuelle Schäden am Grabungsgelände zu verschaffen. So musste bis in die späteren Vormittagsstunden des nächsten Tages gewartet werden, da es im durchweichten Boden, den durch die Rodungsarbeiten stark aufgelockertem Untergrund und dem durch die Nässe äusserst rutschigen Mutterfelsgestein nicht möglich war ohne professionelle Seilsicherung die einzelnen tiefer gelegenen Terrassen des Grabungsgebietes zu besichtigen. Somit konnte erst gegen 13:00 Uhr ein vorläufiges Begehungsergebnis bekannt gegeben werden, bei dem folgende Schäden zu verzeichnen waren:

1. Die nordseitigen Einzäunungen und Einfriedungen wurden grösstenteils unterspült, bzw. aus ihren Verankerungen gerissen.

2. Die Gerinne der Drainagierungen über das gesamte Grabungsgebiet vermochten zwar das allergröbste zu vermeiden, dennoch waren, vor allem in den wenigen Flachbereichen muränenartige Anschwemmungen von losem Oberflächenmaterial in relativ grosser Kubatur zu verzeichnen, welche zuerst händisch verbracht werden müssen, ehe mit einer Nachbesserung an den Gerinnen begonnen werden kann.

3. Im Bereich der Talsohle, also dem Bachbett des Flüsschens Sill hat das Unwetter am meisten Veränderungen und Schäden mit sich gebracht. Zum einen zeigt sich der Verlauf des Bachbettes in vollkommen neuer Form und zum anderen wurden bereits kartierte und vorsondierte Geländeabschnitte teilweise weggespült bzw. derart unterspült, dass an eine sinnvolle weitere arteologische Arbeit vorerst nicht zu denken ist.

4. Die Kanalisation (welche bisher als Provisorium zu bezeichnen war) der Werkstätten und teambebäude vor Ort reicht nicht aus, um derartigen Vorkommnissen gewachsen zu sein.

5. Der finanzielle Gesamtschaden, respektive Mehraufwand lässt sich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht genau beziffern.

Fazit: erst nach Behebung der gröbsten Schäden und der Instandsetzung der nötigen, grabungstechnischen Infrastruktur ist an eine sinnvolle weitere arteologische Arbeit zu denken.