Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 12

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 12

Den Abschluss dieser Katastrophenkatasterübung bildete eine offizielle Nachbesprechung mit Evaluierung und progressorientiertem Feedback, welche mit allen verantwortlichen Leitungskräften und sämtlich involvierten administrativen Kräften, unter Patronanz des türkischen Handelsdelegierten in den Räumlichkeiten der türkisch-konsularen Vertretung in Innsbruck abgehalten wurde. Die Ergebnisse hierzu wurden nicht nur im „Tiroler Raumplanungs-Jahrbuch 1983“, sondern in auch in mehreren einschlägigen Fachzeitschriften zum Thema Sicherheit und Katastrophenschutz veröffentlicht.

Dennoch war es Dr. Arkadasch und seinem Team „Wipptal“ wichtig, neben den hierarchischen Instanzen auch jene Kräfte vor Ort mit einzubinden, welche im Anlassfall einer tatsächlichen Alarmierung mit den Sicherungs- und Bergungsarbeiten direkt betraut sind. Frei nach dem Motto des osmanischen Generals Mustafa Dül dem Älteren: „Für die Moral der Truppe ist die Gulaschkanone die strategisch wichtigste Waffe!“ Am, dem Übungstag folgenden, Samstag wurde daher im Bereich des auf Strassenniveau gelegenen flachen Grabungsgeländes, neben dem Leitungs- und dem Werkstättengebäude, mittels Tischen und Bänken ein volksfestartiges Szenario vorbereitet und sämtliche Hilfskräfte die an der Katastrophenkatasterübung teilgenommen hatten zu einem abendlichen Dankesfest eingeladen. Dr. Marga Sudanavesi kochte mit ihren Studierenden einen somalischen Eintopf aus Linsen und Yamswurzeln, Dr. Dag Arkadasch grillte mit zwei Helfern drei Hammel und der Rest des Teams „Wipptal“ bereitete Salate, Kartoffeln und andere Beilagengerichte. Am Abend marschierte zuerst die Musikkapelle „Matrei am Brenner“ (deren Kapellmeister zugleich der Stellvertretende Postenkommandant des Gendarmeriepostens „Matrei am Brenner“ ist [eine Art Polizei]) unter den Klängen der Landeshymne ein, dicht gefolgt von der in Uniform auftretenden Abordnung der Gendarmerie (eine Art Polizei) und den offiziellen Vertretern des „Landesverbandes der Tiroler Freiwilligen Feuerwehren“. Abordnungen der „Tiroler Bergrettung“, des „Roten Kreuzes“, des „Bundesheeres“ und der Talschaft der Schützenkompanien (eine Art Freiwilligenarmee in Lokaltrachten, verteidigungspolitisch als „eiserne Reserve“ zu titulieren). Als Ehrengäste erschienen die Bürgermeister der dem Grabungsgebiet angrenzenden Gemeinden und die Abgesandten der Landesregierung in Innsbruck, sowie Vertreter der Bezirkshauptmannschaft „Innsbruck-Land“ welche die Liste der offiziellen Repräsentanten vervollständigten.

Mit einem derartigen Aufmarsch hatten weder Dr. Arkadasch noch sein Team „Wipptal“ gerechnet, doch mit einer rasch aufgebauten Rednertribüne, welche mit den Fahnen der Türkei und von Tirol geschmückt wurden, konnte umgehend ein adäquater und feierlicher Rahmen erzeugt werden. Nachdem auch die an der Übung tatsächlich beteiligten Hilfsmannschaften, viele mit familiärem Anhang, eingetroffen waren, begrüsste Dr. Arkadasch in einer kurzen Rede sämtliche Anwesenden (vorsorglich hatte er auch Vertreter verschiedener Medien und des lokalen TV-Senders eingeladen), erteilte dann das Wort dem Landeshauptmann und den jeweiligen Kommandanten und eröffnete nach einem weiteren Musikstück der Blasmusikkapelle das Fest mit einem Glas Raki. Der nachfolgende Anstich eines Bierfasses und die Ausgabe der Speisen bildeten dann den eigentlichen Auftakt zu einem gemütlichen Beisammensein.

Hierbei muss einmal mehr vermerkt werden, wie wichtig eine empathische Resonanz der heimischen Traditionen für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der eingeborenen Bevölkerung ist. Es steht niemandem zu die Gebräuche und Sitten der jeweils vor Ort tradierten gesellschaftlichen Verhaltensweisen zu be- oder verurteilen. Es gilt hier diese Erscheinungsformen beobachtend zu begleiten und als Muster des indigenen Zusammenlebens möglichst wohlwollend zu akzeptieren. Insbesondere der teilweise nahezu ausufernde Genuss von alkoholischen Getränken, verbunden mit gutturalen Gesängen und lautstarken verbalen Äusserungen mag zwar für einen aussenstehenden Beobachter anfänglich befremdlich erscheinen, doch vermittelt durch die funktionale Gastgeberfunktion können auf diese Weise fraternale Verbindungen geknüpft und intensiviert werden, welche eine weitere positive Zusammenarbeit im Geiste gegenseitigen Verständnisses nachhaltig erleichtern.