Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 14
Der eigentliche Grabungsbeginn mit Parallelsondierungen kann somit de facto auf den 6. September 1984 datiert werden, denn mit diesem Datum waren – abgesehen von einigen kleinen Unwesentlichkeiten, wie z. B. den Einlaufblechen beim Werkstättengebäude oder den Rigolen am ausgewiesenen Parkplatz – sämtliche Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten nach dem Unwetter abgeschlossen und auch die administrative Nachbearbeitung der Katstrophenkatasterübung (Berichte von und an alle beteiligten Hilfsorganisationen, Evaluierungsreporte, Fragebögen, Pressearbeit…) weitestgehend erledigt, bzw. an verlässliche Stabsstellen und Personen delegiert.
Nach den ersten Grabungsversuchen auf der strassenseitig gelegenen Terrasse und den unvorhergesehenen zeitlichen Verzögerungen durch die Unwetterschäden entschloss sich das Team „Wipptal“ per Oberflächenkatalogisierung die Grabungsebenen schon vorab und nach eingehender Begehung und internen Diskussionen in drei AHDPs (Area of high degree of probability) einzuteilen. Als Parameter dafür wurden die nord–südlichen, natürlich vorhandenen, den Gesteinsschichten nach verlaufenden Oberflächenstrukturen als erste Definitionsmarke gesetzt. Weiters wurden die jeweiligen Querschnittsflächen dieser Schichtungen dergestalt mit in die Oberflächenkatalogisierung miteinbezogen, als dass alle nord-südlichen Schichtungen welche breitenmässig nicht wegtrassierungstauglich nutzbar waren, als primäre Grabungsstelle ausgeschieden wurden. Als dritte Bewertungsgrösse fungierte die natürliche Steigung, respektive das Gefälle jener Gesteinsschichten, da eine infrastrukturelle Nutzung als dauerhaft angelegte Wegverbindung, selbst für Transporte unter Tragtierverwendung, eine Gangwegbarkeit von bis unter 12 ° Steigung/Gefälle impliziert. Die Auswertung des Grabungsgeländes unter diesen Prämissen ergab im wesentlichen vier längliche, in Nord-Südrichtung aufsteigend verlaufende Grabungsstellen, welche wiederum nach Wahrscheinlichkeit aufgelistet und zur Diskussion gestellt wurden.
Im Diskussionsprozess einigte sich dann das Team auf die oben genannten drei AHDPs (Area of high degree of probability) an welchen zeitgleich mit bis zu vier Grabungsteams (wobei hier die Anzahl der Helfer stark variierte und sich nach den arbeitstechnischen Schwierigkeiten – Steigung, Untergrund, Abtransport der Grabungsmaterialien – richtete) im Parallelsondierungsverfahren vorgegangen wurde.
Es mag nach schierem Zufall aussehen, belegt aber dennoch die akribische und äusserst präzise Vorarbeit des Teams „Wipptal“, dass bereits am 8. September an der Grabungsstelle 2 auf erste Funde gestossen wurde.
Unter der Leitung von Dr. Marga Sudanavesi stiess ein Grabungsteam, bestehend vier eingeborenen Hilfskräften, gegen 14:30 Uhr am nördlichen Parallelsondierungsgraben dieser Grabungsstelle in einer Tiefe von 85 cm auf erste, partiell metallene Fundstücke. Diese Fundstelle liegt in einem grobsteinigen, von bis zu wachteleigrossen, grobkantigen Kieseln durchzogenen Schichtbereich (bestehend aus Dolomiten und Schieferartigen, plattenstrukturierten, stark brüchigen Einschüben), welche von Sanden und marginalen Humuseinlagerungen, die quer zum Längsverlauf aufscheinen, unterbrochen werden. In ihrer Gesamtstruktur sind derartige Bodenbeschaffenheiten stark wasserleitend, gelichzeitig dadurch auch erosionsanfällig, aber auch chemisch relativ neutral im Bezug auf eine funderhaltende Säure- und/oder Basenbildung. Dies zeigte sich eindrucksvoll sowohl im substantiellen als auch farblich gestalteten Erscheinungsbild der ersten Fundstücke.
Es handelt sich dabei um nahezu künstlerisch gestaltete Miniaturen, die einem direkten Bezug zum Leben und Alltag der in dieser Talschaft lebenden oder dieses Tal als Transitroute benützenden humanoiden Gruppierungen stehen.