Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 18

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 18

„Cult-object 4“, welches in unmittelbarer Nähe – man könnte auch formulieren: dicht bei – „Cult-object 3“ gefunden wurde, und zwar in einer Lagerposition aus der eindeutig die Absichtlichkeit dieser paarweisen Auffindung hervorgeht, weist eine derart enorme gestalterische Ähnlichkeit (sowohl vom Material als auch der handwerklichen Fertigung) auf, dass hier dezidiert von einer gemeinschaftlichen Kontextualisierung ausgegangen werden muss, welche in weiterer Folge in einer direkten Zusammenschau arteologisch gewertet wird.

Zuerst jedoch die primäre Fundbeschreibung für „Cult-object 4“, folgend dem für „Cult-object 3“ angewandten Kriterienkatalog:

Ad 1: Die Führungsbrücke ist in ihren metrischen Ausmassen eine exakte Wiederholung der Führungsbrücke von „Cult-object 3“, und dies nicht nur im Bezug auf die verwendeten Materialien und die formgebende Gestaltung sondern auch im Hinblick auf die Farbgebung (Grundfarbe: Gelb). Lediglich die ornamentalen Verzierungen unterhalb der paarweise angeordneten Fenster weichen farblich durch das Weglassen der Farbe Rot von „Cult-object 3“ ab, wobei hier – so wie bei „Cult-object 3“ davon auszugehen ist, dass die ornamentale Verzierung an der Führungsbrücke direkt mit den piktoralen Schematisierungen, welche sich bei beiden Cult-objecten auf der Transporteinheit zeigt, korrespondiert. Dieser „innere Zusammenhang“ – seien es nun reine Verzierungen oder aber spezifische informelle Hinweise im Bezug auf Verwendung und/oder kultischer Nutzung – verdeutlicht sich um so eindrucksvoller, wenn die gestalterische Formhaftigkeit der jeweiligen Transporteinheit mit diesen piktoralen Schematisierungen verglichen wird. Es erscheint gewollt, dass sich die an der Führungsbrücke (wahrscheinlich unter Verwendung einer Schablonentechnik) angebrachten Zeichen und Symbole auf der Transporteinheit in gleicher oder auch leicht abgewandelter Form wiederholen (vgl. die zeichnerischen Rekonstruktionen) und für die originär vorgesehene Verwendung von substantieller Bedeutung waren.

Ad 2: Die Transporteinheit von „Cult-object 4“ besteht aus einem in der Grundfarbe Weiss gehaltenen Quader mit einer Länge von 7,82 cm und einer (am Giebel) gemessenen Höhe von 2,70 cm, wobei dieser Quader eine Längsgiebelung (über die gesamten 7,82 cm) aufweist, welche links- und rechtsseitig eine Abschrägung von 0,25 cm besitzt. Am vorderen, oberen Bereich der seitlichen Quaderfläche wiederholt sich die Symbolik der Führungsbrücke, welche aber durch eine blau unterlegte Zusatzfläche (in gleicher Höhe) ergänzt wird und mit schriftartigen Zeichen (?) versehen ist, welche wiederum ihre Wiederholung in kursiven, zweizeilig gehaltenen, 0,50 cm hohen, weitestgehend ähnlich aufgemalten und in Schwarz dargestellten Zeichen am hinteren Drittel der Transporteinheit erfahren. Über die Bedeutung der über und unter diesen kursiven, zweizeilig gehaltenen, 0,50 cm hohen, aufgemalten, in Schwarz dargestellten Zeichen, beinahe abstrakt anmutenden Verzierungen (gleichfalls in schwarzer Farbe) kann zur Zeit nur theoretisch spekuliert werden.

Ad 3: Die unstatische Bewegungseinheit von „Cult-object 4“ ist in ihrer Gestaltung ident mit der unstatischen Bewegungseinheit von „Cult-object 3“, lediglich der formale Aufbau, welcher die Verbindung zur Transporteinheit darstellt, bildet sich bei „Cult-object 4“ aus drei, die gesamte Länge der Transporteinheit unterspannenden Querfeldern, welche, von der Führungsbrücke her beginnend, durch drei senkrechte Streben (wobei am Abschluss der Transporteinheit eine derartige Strebe nicht vorhanden ist) überlappend (stützend?) unterbrochen werden. Die Gesamthöhe dieser drei Querfelder (= zugleich Höhe der senkrechten Streben) beträgt 0,70 cm.