Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 21

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 21

Die pictorale Erfassung der Fundstücke in ihrer Originität stellt den ersten Schritt jeder arteologischen Anamnese dar. Die prozedurale Systematik folgt dabei einer strikten und handlungsorientierten Ablaufkette, welche sich, angepasst an die jeweilige Fundsymptomatik aus mehreren Teilschritten zusammensetzt, welche wiederum für sich als partielle Basis für verwissenschaftlichte Forschungen (auch über den rein arteologischen Ansatz hinaus) zur Verfügung stehen. Dies umfasst sowohl die Teilgebiete der Arteologie, der Archäologie, der Historie sowie sämtlicher sozialwissenschaftliche Bereiche, und – nicht zu vergessen – die Forschungen im Bezug auf die humanoide Genesis.

In der Praxis gliedert sich diese Arbeit in fünf verschiedene Bereiche, welche hier anhand der pictoralen Erfassung der beiden metallenen Miniaturen (Cult-object 3 und Cult – object 4) dargestellt werden:

1.    Das fotografische Festhalten der direkten Fundsituation mit Hilfe von fotografischen Techniken. Im Regelfall erfolgt dies durch fotografische Dokumentation ab dem Zeitpunkt einer als relevant betrachteten Fundsituation. Ein speziell ausgebildeter Mitarbeiter wird dabei sowohl vom umgebenden Schütt- und/oder Verdeckungsmaterial Gesamt- und Detailaufnahmen anfertigen, als auch die weiteren Schritte der Freilegung und/oder Entdeckung des/der Fundstücke bildnerisch dokumentieren. Dabei wird – entsprechend den heutigen technischen Möglichkeiten und entsprechend dem finanziellen Rahmen – auch filmisches Material in Einzelfällen mit einbezogen.

2.    Nach der materialgerechten Bergung und Reinigung vor Ort werden die jeweiligen Fundstücke einer ersten optischen Analyse unterzogen, welche zum einen eine Primärdiagnostizierung der Oberflächenmerkmale beinhaltet und zum anderen eine strukturelle Befundung des Gesamtobjektes beinhaltet. Dabei werden neben mikroskopischen Bilderfassungen zusätzlich auch materialbezogene Detailansichten verwertet.

3.    Die zeichnerische Erfassung der Fundstücke in massstabsgetreuer Umsetzung beinhaltet eine genaue Darstellung und Zuordnung in metrischen Einheiten, sowie eine erste Katalogisierung im jeweiligen Fundkataster. Diese ersten drei Schritte der pictoralen Erfassung erfolgen nach Möglichkeit direkt am Fundort, um einerseits eine möglichste Unverfälschtheit durch fremdörtliche Einflüsse auszuschliessen und andererseits um jederzeit auf fundortspezifische Charakteristika ad hoc eingehen zu können.

4.    Die weiteren pictoralen Erfassungsschritte haben in einem speziellen Forschungsumfeld zu erfolgen und bedingen vorab eine materialentsprechende Konservierung sowie eine funderhaltende Klimatisierung (temperatur- und luftfeuchtigkeitsentsprechende Lagerung, keimfreies Umfeld, bei organischen Materialien Gefrierverfahren oder spezielle Mumifizierungstechniken…). Die begleitenden und weiterführenden Forschungen werden dabei sämtlich dokumentiert, fototechnisch begleitet und einer arteologischen Registrierung zugeführt.

5.    In einem ersten Abschluss der primären Funderfassung wird sodann nach Möglichkeit eine dreidimensionale Rekonstruktion erstellt (wobei hier der Übergang vom bildnerischen Erfassen zum artifiziell hergestellten Studienobjekt erfolgt), welches ohne weitere Abnutzung oder Verwendung der originären Fundung dupliziert werden kann, um dergestalt jeder weiteren Erforschung zu dienen.

Die arteologische Entdeckung und/oder Bergung eines Artefakts oder auch eines humanoiden Fundes erscheint zwar in der öffentlichen Wahrnehmung als grundlegendes, spektakuläres Ereignis, muss aber im wissenschaftlichen Sinn lediglich als ein „sine qua non“ verstanden werden, da die eigentliche Beforschung und arteologische Kontextualisierung erst im oftmals langwierigen Prozess der weiterführenden wissenschaftlichen Bearbeitung Ergebnisse zeitigen kann.