Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 22

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 22

Dennoch ist wohl nichts mit jenem Augenblick zu vergleichen, wenn sich nach vielen Stunden, Tagen oder oftmals auch Wochen tatsächlich ein spektakulärer Fund zeigt. Auch wenn – wie zuvor belegt und beschrieben – der wirkliche Gehalt eines Fundes erst nach eingehender Beforschung (und es wäre nicht das erste Mal, dass neuartige Untersuchungsmethoden zu gänzlich neuen Bewertungen und Rückschlüssen führen, die manchmal sogar konträr zur Erstbefundung, ja selbst zur Kontextualisierung stehen) erkannt und eingestuft werden kann, so ist es doch jener Moment des Findens, des Auffindens, des ersten Freilegens von partiellen Teilen, der erste Anblick, noch von Staub und Umgebungsmaterial bedeckt, welcher das Herz eines jeden Arteologen und Forschers höher schlagen lässt. Man kann sich dem nicht entziehen und soll sich diesen Gefühlen auch nicht entziehen. Erst durch diese Emotionalität vermag man dauerhaft einer Öffentlichkeit jene Wertigkeit und Wichtigkeit zu vermitteln, welche für den weiteren Ablauf und auch die finanzielle Sicherung derartiger Forschungsvorhaben und Expeditionen von existentieller Bedeutung ist. Seit den sensationellen Funden im Tal der Könige in Ägypten ist es allen wissenschaftlich massgebenden Kreisen wohl vollkommen klar, dass in der heutigen Zeit eine Forschungsarbeit hinter verschlossenen Türen und deren Präsentation in rein akademische-wissenschaftlichen Kreisen nicht mehr genügt. Die Publizitätsbewirtschaftung wissenschaftlicher Erkenntnisse erfordert insgesamt die gleiche Professionalität wie die wissenschaftliche Arbeit als solche. Zudem kann durch eine weltweite Öffentlichkeit (vgl. Carter, „The Finding Of Tut Ench Amun“, Kairo 1964) der Tendenz entgegengearbeitet werden, dass sehr häufig jene Staaten, in welchen Funde von hohem Aufmerksamkeitsgrad geborgen werden, derartige Funde nur allzugerne für nationalistische Tendenzen vereinnahmen und zurechttradieren. Dies widerspricht nicht nur insgesamt jedem wissenschaftlichen Auftrag, sondern ganz besonders auch dem seiner Wesenheit zugrunde liegenden Selbstverständnis der Arteologie. Vom arteologischen Standpunkt aus muss jeder Fund in seiner Kontextualisierung über die rein historische Kausalität hinaus in einem grösseren Ganzen betrachtet und bewertet werden, damit letztendlich einzig belegbare Fakten als wissenschaftliche Basis bestehen bleiben, welche in sich und aus sich heraus einem gemeinsamen grösseren Verständnis entsprechen. Mag auch der Stolz der im Fundbereich verorteten Bevölkerung verständlich sein, so ist dennoch von Anbeginn jedes Fundes an jeder Form von geistiger und/oder populärhistorischer Inbesitznahme durch regionale oder überregionale Verantwortliche ein strikter Riegel vorzuschieben. Die Freude und die Neugier mögen geteilt werden – die Frage des „Besitzes“ muss der Wissenschaft vorbehalten bleiben!

wipptal, 1984, arteologie, dr. arkadaschGerade im Hinblick auf die humanoiden Funde, welche am 12. September 1984 im Wipptal ausgegraben wurden, war und ist eine derart klare Positionierung des Primates der Arteologie vor allen anderen nichtwissenschaftlichen Interessen von entscheidender Bedeutung: die Arteologie gehört weder einer universitären Einrichtung, keinem Staat und erst recht keinen sonstigen, wirtschaftlichen Interessensgruppen. „Die Wissenschaft ist frei!“, wie Dr. Arkadasch bei der ersten Pressekonferenz am Abend des 12. September 1984 im arteologischen Zentrum in Innsbruck nachdrücklich betonte, ehe er im Detail auf die Entdeckung der humanoiden Funde im Wipptal einging.