Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 24

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 24

Folgende Befundungen wurden im Rahmen der Primäranalysen vor Ort (das heisst direkt an der Ausgrabungsstelle und der Erstverwahrung im Leitzentrum des Grabungsgeländes) und bei der analytischen Exploration im Grabungszentrum in Innsbruck erstellt:

1.    fundprotokollzeichnung, fund wipptal 1094, arteologie, dr. arkadaschDie zeitliche Zuordnung dieses humanoiden Fundes kann in diesem Fall nicht durch eine terrestale Kernbohrung des Umgebungsgeländes erfolgen, da eine derartige Vorgangsweise durch die, durch das Hochwasser bedingten Erosionen und Freilegungen nicht mehr möglich bzw. sinnvoll ist.

2.    Die Zuordnung zu einer arteologischen Ära basiert daher auf einer eingehenden Untersuchung der direkt in und an der Fundstelle vorgefundenen organischen floralen Substanzen sowie der Beurteilung des anorganischen Materials (Sande, Kiesel, Schotter, Schiefer, Gneise…).

3.    Diese florale Terminisierung zeitigte folgendes Ergebnis:

3.1.        Sämtliche faserartigen Strukturen welche im unmittelbaren Vorfindraum registriert und geborgen wurden, sind auf langgrasige, starkhalmige Niederwüchsler zurück zu führen, welche der Familie der Korbblütler (Asteraceae) angehören. Diese krautigen Pflanzenarten gedeihen ein- bis zweijährig und weisen neben verholzenden Arten auch Halbsträucher und Sträucher auf. Dabei wurden im Fundgebiet monokarpische und polykarpische Arten vorgefunden, welche als lokaler Habitattyp in dieser arteologischen Epoche klassifiziert werden können.

3.2.        Aufgrund des zunehmenden Ausschlusses von Sauerstoff durch die oberflächige Einschichtung von Lehmen und Mergelerden (zurückzuführen auf Schwemmguteigenschaften des talsohligen Wasserlaufes) erfolgte eine zunehmende Torf- und in weiterer Folge begrenzte lokale Moorbildung, welche die Ligninstrukturen der Pflanzen, eine Gruppe von phenolischen Makromolekülen, die sich aus verschiedenen Monomerbausteinen zusammensetzen, in ihrer Molekularstruktur konservierten.

3.3.        Diese Ligninstrukturen (welche etwa 20 % bis 30 % der Trockenmasse dieser Korbblütler ausmachen) ergeben in ihrer botanischen Erscheinungsform ein genaues Abbild der seinerzeitigen klimatischen Wachstumsbedingungen, welche wiederum eine genaue Datierung dieser konservierten Pflanzenfasern ermöglichen.

4.    . Die parallele Befundung der anorganischen Materialien (insbesondere von verkieselten Pollen und Kleinschnecken (Gastropoda minimalis) die der Familie der Omalogyrida (Körpergrösse bis 0,5 mm) angehören schliessen eine zeitliche Überlagerung von verschiedenen Schichtungen vollständig aus.

5.    Die Einlagerung des humanoiden Fundstückes in diesen abgeschlossenen, partikulären biosphärischen Bereich impliziert daher – ohne Berücksichtigung der direkten Analysen des humanoiden Fundes – eine zeitliche Übereinstimmung sowohl der Einbringung des Fundstückes in den Bereich der Grabungsstelle, als auch der zugrundeliegenden Lebensvita des/der Trägerin dieser rechten, menschlichen, fünfgliederigen Hand.

Nach der piktoralen Erfassung dieses humanoiden Fundes wurde „Wippi“ – wie er in sofortiger Anlehnung an den Fund im Inntal von den Medien getauft wurde – umgehend nach Innsbruck ins arteologische Zentrum verbracht. Hier sei darauf verwiesen, dass einerseits das pathologische Institut der Universität Innsbruck, in Zusammenarbeit mit der archäologischen Abteilung des Landes Tirol und andererseits die forensische Abteilung der Technischen Hochschule Bern wertvolle Unterstützung sowohl bei der Konservierung des Fundes als auch den grundlegenden Befundungen einbrachten.