Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 26

Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 26

Der unerwartete und spektakuläre Erfolg, welchen der Fund des „Wippi“ nach aussen hin verkörperte, verschaffte dieser Ausgrabung weitum, sogar über die direkten Grenzen Österreichs hinaus, ungeheurere Popularität. Dies zeigte sich ganz besonders im jäh einsetzenden Besucherstrom, welcher beinahe zu allen erdenklichen Tageszeiten (und Nachtzeiten) die Grabungsstelle besuchen wollte. Dies führte zu erheblichen Problemen für den weiteren grabungstechnischen Verlauf. Zum einen waren weder das Team „Wipptal“, noch die bisherige grabungstechnische Infrastruktur darauf ausgelegt, generell mit Besuchern zu rechnen und zum zweiten legten diese interessierten Laien vollständig andere Anforderungen und Erwartungen in ihre Besuchsabsicht.

Eine eilends einberufene Sitzung des gesamten Teams „Wipptal“ kam nach Rücksprache mit dem arteologischen Institut der Freien Universität Izmir zum Schluss, dass umgehend entsprechende infrastrukturelle Massnahmen zu setzen seien um einerseits unter keinen Umständen die laufenden wissenschaftlichen Grabungsarbeiten durch unorganisierte Besucherströme zu gefährden oder gar zu verunmöglichen und andererseits die Gunst der Stunde einer derartigen positiven Resonanz in einer breiten Öffentlichkeit entsprechend den Zielsetzungen der Expedition zu nutzen.

Folgender Dreistufenplan wurde beschlossen und sofort umgesetzt:

1.    Das gesamte Grabungsgelände wurde für jeglichen Besucherverkehr bis 30. September 1984 gesperrt und nur für mediale Berichterstattungen nach vorheriger Anmeldung geöffnet.

2.    In dieser Zeit wurden nach den Plänen von Dr. Arkadasch versicherte Steige über den gesamten Grabungshang angelegt, wobei hier – auch das ein willkommener Zusatznutzen infolge der breitenwirksamen Veröffentlichungen des bisherigen Fundes von „Wippi“ – von Seiten der Republik Österreich Pionierkräfte der Armee in Zugstärke unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Die technische Gesamtleitung dieser Steigbauten oblag dem erfahrenen Dipl. Ing. Gustav Steiger von der Tiroler Lawinen- und Wildbachverbauung, der über einen enormen Erfahrungsschatz im Wegebau im alpinen und hochalpinen Gelände verfügt.

3.    Am Versorgungsbereich der direkt an die doppelspurige Verkehrsstrasse angrenzt, wurde ein zusätzlicher Parkraum für bis zu drei Omnibusse geschaffen und in containerbauweise ein kleines Besucherzentrum errichtet, welches sowohl einer informativen Agenda über die Ausgrabung vor Ort, als auch über die Ausgrabung des Jahres 1982 im Inntal entspricht, und weiters über eine museale Infrastruktur mit Souveniershop (Ansichtskarten, einige populärwissenschaftliche Schriften über Geologie und Geschichte des Wipptals, Miniaturen des „Innti“, udgl. mehr) und Kiosk (Erfrischungen, Snacks) und WC-Anlagen verfügt.

Die Finanzierung dieser Baumassnahmen erforderte ein zusätzliches Budget, welches, nach langwierigen Verhandlungen vom Ministerium für Tourismus in ankara bewilligt wurde. Die Betriebskosten und Kosten der weiteren Instandhaltung allerdings werden zur Gänze von der Republik Österreich, als rechtlichem Träger des gesamten Grabungsgeländes bestritten.

wipptal 1984, arteologie, dr. arkadaschDr. Arkadasch beschulte in einem mit der Universität Innsbruck abgesprochenem Seminar sieben Studenten und Studentinnen des archäologischen Instituts der Universität Innsbruck zu arteologischen Fremdenführern, welche seit 1. Oktober 1984 die Besucher in 12 er Gruppen durch das Grabungsgelände führen. In speziellen Workshops, welche nach Voranmeldung buchbar sind, demonstrierte Dr. Arkadasch zudem interessierten Besuchern die unterschiedlichen Herangehensweisen und arteologischen Techniken, um so anhand einer nachhaltigen Wissensvermittlung das tiefere Verständnis für die arteologischen Zusammenhänge zu vermitteln.

Auch wenn insgesamt diese Situation spontanes Handeln und auch Improvisation erforderte, so muss hier dezidiert festgehalten sein, dass die Qualität von Forschungsarbeit Hand in Hand mit dem Bildungsauftrag gegenüber einer interessierten Allgemeinheit einherzugehen hat, wenn fürderhin sowohl der finanzielle Rahmen derartiger Expeditionen gesichert und die Freiheit der Wissenschaft als positives Allgemeingut in den Köpfen und Herzen der Menschen verankert sein soll. Moderne Arteologie funktioniert nur in diesem Miteinander mit den Menschen vor Ort. Denn nur, wenn diese Menschen sich miteingebunden fühlen, wird auch die Bereitschaft wachsen, die aus diesen Forschungen gewonnen Erkenntnisse in das generelle Bewusstsein im habituriellen Sinn positiv zu übernehmen.