Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 2
Mit der nahezu gleichzeitigen Beendigung das Sommersemester an der Freien Universität Izmir konnte das Arteologische Institut unter der Leitung von Dr. Arkadasch umgehend bisher im laufenden Betrieb gebundene Ressourcen aus dem wissenschaftlich-universitären Umfeld zur Verfügung stellen. Zudem erleichterte die Akzeptanz der arteologischen Forschungen in Nordtirol/Österreich und das daraus resultierende, positive internationale Echo die notwendige Bereitstellung von zusätzlichen finanziellen Mitteln aus dem Forschungsetat des Bildungsministeriums in Ankara, um erneut (bereits die dritte Expedition nach Österreich innert drei Jahren) ein arteologisches Team für wissenschaftliche Grundlagenbeforschung nach Nordtirol schicken zu können.
Die Gemeinde Telfes liegt auf circa 1000 m Seehöhe, in südlicher Richtung von Innsbruck, und zwar in einem sich nach Westen hin erstreckendem Seitental des Wipptals, einer schon seit Jahrtausenden benutzten und relativ leicht überwindbaren Nord-Südverbindungen des Bereiches der Ostalpen. Der Besiedelungsbereich der Gemeinde Telfes (mit einer Bevölkerung von circa 1200 Personen) erstreckt sich auf der südlichen Hangseite des Stubaitales auf einer schwemmterassenartigen Anhöhe, welche durch die erosiven Kräfte der Stubaitaler Ache seit der letzten Eiszeit gebildet wurde. Die Hauptverkehrsstrasse ins Stubaital zweigt bei der Gemeinde Schönberg (Wipptal) ab und erschliesst rechtsufrig diese Talschaft. Bei der Abzweigung der Telfeser-Landesstrasse von der Stubaital-Strasse wurden linksseitig im Bereich des langgezogenen Anstiegs bei einer feldwegartigen Abzweigung in Richtung Bachbett im Zuge der Strassenbankettsanierung Fundobjekte ans Tageslicht befördert, welche zu einem Baustopp und der Benachrichtigung der verantwortlichen Stellen vor Ort führten.
Die umgehende Absperrung dieses Bereiches und eine erste wissenschaftliche Befundung durch das archäologische Institut der Universität Innsbruck (unter Beiziehung des arteologischen Personals der arteologischen Zentralstelle in Innsbruck) sicherten tatsächlich relevante Fundvorkommen und ermöglichten so eine weitere arteologische Beforschung dieses besiedelungstechnisch für den gesamten Alpenraum höchst interessanten Gebietes.
Bedingt durch die inneralpine Höhenlage der Fundstelle, beschränkt sich ein tatsächlicher Grabungszeitraum auf die Monate April bis Ende Oktober, da in den restlichen Monaten die oft strengen Bodenfröste und zeitweise grossen Schneemengen jede Grabungstätigkeit nachhaltig verhindern. Eine wesentliche Erschwernis bei derartigen Grabungen in unmittelbarer Nähe von stark frequentierten Verkehrswegen stellt die hierorts weit verbreitete Verwendung von Streusalz in den Wintermonaten dar, welche die Fahrbahn sowohl von Eis als auch Schneebelag freihalten soll. Neben der damit verbundenen Beschädigung des Strassenbelags und des Strassenbanketts bewirken die hochsalzhaltigen und stark mit Gummiabrieb und Ölen verschmutzten Schmelzwässer eine aggressive Korrosionisierung des direkten Strassenumfeldes sowohl aus botanischer als auch archäologischer und arteologischer Sicht. Insbesondere bei der mit der Freilegung der einzelnen Schichten verbundenen und nicht zu vermeidenden Kontaktierung mit zusätzlichem Sauerstoff und Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft zeigen sich innert kürzester Zeit äusserst starke Korrosionserscheinungen, welche sämtliches Fundmaterial zusätzlich schädigen.
Es gilt daher möglichst rasch die Grabungsarbeiten unter grösstmöglichster Rücksichtnahme auf die Umgebungseinflüsse voran zu treiben und so die arteologischen Funde vor weiteren Schädigungen zu bewahren.