Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 16
Die am 5. August 1985 in direkter Nähe der basalen Strassenbefestigung entdeckten metallenen Objekte sind eindeutig den gleichgearteten Cult-objekten aus den beiden bisherigen Grabungen im Inntal und im Wipptal sowohl zeitlich als auch verwendungstechnisch zuordenbar. Die Verbreitung dieser Gegenstände über ein unmittelbar häusliches oder kleindörfliches Umfeld hinaus belegt eine allgemeine Wertigkeit dieser Artefakte, die schon auf Grund ihrer Gestaltung keinerlei Eignung für die Bedürfnisse einer täglichen Lebensführung aufweisen (vgl. hiezu den Werkzeugfund „Urkarabiner“ mit seinen vielgestaltigen Verwendungsmöglichkeiten der Arbeitserleichterung bis hin zu Sicherungen von Tieren und Personen im alpinen Lebensraum; Ausgrabungsprotokoll 14 und 14/2, Stubaital). Zwar wurde weder an der Fundstelle „Wipptal“ noch hier an der Fundstelle „Stubaital“ das artefaktionelle Gegenstück „Cult-object 2 – Objekt 4“ (sh. Inntal, Ausgrabungsprotokoll 11, Fund vom 12. August 1982) vorgefunden, jedoch erscheint die gemeinsame Kategorisierung dennoch zwingend, wie die an den gleichen Stellen der Cult-objekte auftretenden Gebrauchsspuren zwingend nahelegen.
Insgesamt wurden an dieser Fundstelle drei gleichartige Artefakte vorgefunden, von denen zwei gestalterische Identiät mit den sowohl an der Grabungsstelle „Inntal“, als auch an der Grabungsstelle „Wipptal“ freigelegten Objekten vorweisen. Das dritte Objekt jedoch zeigt eine bewusst mechanisch veränderte Formencharakteristik, die eine gewollte Weiterführung der innewohnenden kultischen Symbolik impliziert.
Dieses dritte Objekt besteht (wie der überwiegende Teil der bisher gefundenen diesbezüglichen Artefakte) zur Gänze aus Metall und wurde aus einem einzigen, flachen Metallstück heraus gearbeitet. Die insgesamte Länge beträgt 84,5 mm, wobei der als Griffstück (?) gedachte Teil eine Länge von ca. 50 mm aufweist. Die Breite an der abgerundeten Endung des Griffteils beträgt 14 mm und wird am Ende mittig durch eine kreisrunde, im Durchmesser 5mm betragende Aussparung (Haltevorrichtung zur hängenden Lagerung [?]) perforiert. Die Gesamthöhe dieses flach ausgeführten Gegenstands misst durchwegs 5 mm und kann generell als ungebogen bezeichnet werden. Sämtliche Kanten wurden entspant und abgegrätet. Zudem wurde dieses Griffstück gleichfalls mit schriftzeichenartigen Symbolen verziert (vgl. dazu Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 27/2), weisen jedoch in ihrer Formensprache auf eine gewollte artfizielle Gestaltung hin. Die Verzierung erfolgte mittels Ritzung und nachfolgender Vertiefung durch die Verwendung eines Säurebades (Laboranalyse vom 16. August 1985, Artelogische Zentralstelle Innsbruck) mit Essigsäure. Insgesamt handelt es sich um eine 27,9 mm lange Zeichenreihe, bestehend aus 9 Symbolen, wobei sich Symbol Nummer drei von links an der sechsten Stelle wiederholt und die beiden Schlusssymbole gleichfalls identischer Gestaltung sind. Die „Leserichtung“ von links nach rechts erscheint auf Grund der kapitälchenhaften Form des äusserst linken Symbols als schlüssig, wobei symbol zwei als auch vier in ihrer Höhe das gleiche Mass (6,5 mm) wie Symbol eins aufweisen. Die schriftartigen Symbole zeigen eine kantig wirkende, balkenartige
Formensprache, welche nur andeutungsweise bei Symbol Nummer zwei durch eine nach rechts biegende Rundung unterbrochen wird. Der Griffteil erfährt vor dem Beginn der schriftartigen Zeichen seine kontinuierlich vom rechten Rand her geführte Verjüngung auf 12 mm und spreizt sich dann zweigeteilt schräg nach aussen und bildet zwei zueinander gewinkelte Griffarme, die im Gegensatz zu den bisherigen, gleichartigen Artefakten nicht mehr eine geschlossene, dreieckförmige Aussparung umfassen. Gleichwohl wird auch hier der Bereich in den sich zu den schriftartigen Symbolen hin schliessenden Dreiecksschenkeln das Innere von einem flachen, dreifach gewellten Innenteil gebildet, wobei auch hier der mittlere Wellenteil der längste ist. Der Abstand vom „tiefsten“ Teil des mittleren Wellenteils zum linken, nach ca. 30 mm fast rechtwinkelig zur Längsachse des gesamten Objekts nach innen gebogene Dreiecksschenkel beträgt 12, 8 mm. Der rechte Dreiecksschenkel spreizt sich, vergleichbar mit einer sich öffnenden Hand, um weitere 6 mm nach vorn, sodass sich unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Spreizung nunmehr eine Gesamtlänge von 90,5 mm für das Gesamtobjekt ergibt. Die innere Dehnung der beiden Schenkel beträgt (gemessen an den Biegewinkeln) 27 mm und die komplette Seitendehnung 41,5 mm. Zudem weist der rechte, sich streckende Dreiecksschenkel an seinem vorderen Ende zahlreiche Gebrauchspuren auf, welche die häufige und regelmässige Verwendung dieses Cult-objectes belegen. Die Formgebung erfolgte durch eine durchgehende, über 5 mm nach unten verlaufende Kantenbrechung, sodass wir auf der Rückseite des Objekts die scheinbare Negativform dieses Artefakts erfassen können.