Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 21
Der humanoide Fund, welcher hier im Gemeindegebiet von Telfes (Stubaital) gefunden wurde, und der mittlerweile in Anlehnung an die beiden bisherigen humanoiden Funde im Inntal und Wipptal den populärwissenschaftlichen Namen „Stubi“ erhalten hat, weist eine augenscheinliche Besonderheit auf, die diesen Fund wesentlich von den bisherigen Funden unterscheidet und zudem in dieser Art und Weise bisher weder im Alpenraum noch in den nördlichen bzw. südlich vorgelagerten gebieten vorgefunden wurde. Gleichwohl muss festgehalten werden, dass diese Besonderheit keinerlei Rückschluss auf das Fehlen derartiger Fundspezifika im Allgemeinen zulässt, sondern vielmehr – und dies belegen zunehmend die einschlägigen Laboranalysen – ist diese Besonderheit einzig den physikalischen Umständen und geologischen Rahmenbedingungen des Fundortes zu verdanken. Bei diesem Fund handelt es sich um eine rechte, humanoide Hand, die geschlechtsspezifisch sowohl von ihren anatomischen Ausformungen, als auch von ihrer surfalen Textur eindeutig als maskulin identifizierbar ist. Die Seperation dieser Hand erfolgte mit hoher Wahrscheinlichkeit post mortem mittels eines glatten, wahrscheinlich mit grossem Schwung und Stärke geführtem Schnitt, welcher die Durchtrennung der Gelenksknochen als auch der Bänder, Sehnen und Hautschichten in einem einzigen Streich vollzog. Dies belegt auch die durchwegs glatte und von keinerlei nennenswerten Unterbrechungen gezeichnete Schnittfläche an der Handwurzel. Es ist aufgrund der Nachweisbarkeit von floralen Hartholzpechen und deren Vermischung mit Pottasche und ungelöschtem Kalk an der Schnittstelle davon auszugehen, dass diese Hand bewusst einem – wen auch relativ primitiven – Vermumisierungsprozess unterworfen wurde, um so jeglicher Verwesung möglichsten Einhalt zu gebieten und dergestalt diese humanoide, rechte, maskuline Hand bewusst zu erhalten.
Die Besonderheit des Fundes – nämlich die Verbindung dieser Hand mit einem metallenem Cult-object (sh. Abbildung: humanoider Fund/1985 -09-19; Team „Stubaital“) ergibt sich daraus zusätzlich schlüssig und untermauert die arteologische Bedeutung dieses Fundes. Es ist davon auszugehen, dass diese Verbindung eines Cult-objects mit einer post mortem abgetrennten, maskulinen, rechten Hand eindeutig kultischen Zwecken diente und somit weder den damaligen lokalen und traditionellen Riten einer Bestattung oder Beisetzung entspricht, sondern rein zeremonialrituellen Strukturen diente.
Dies belegt auch die genaue Untersuchung des Fundortes: die Fundstelle zeigt sich als trockengemauerte Nische, welche zum überwiegenden Teil aus etwa handtellergrossen Flachkieseln besteht und in einem Geviert von etwa 60 cm auf 70 cm eine fundamentierte Basis einschliesst, die aus unbehauenen Gneisen besteht und eine Dicke von durchschnittlich 50 cm aufweist. Die Höhe der Nische lässt sich nicht mehr eindeutig nachweisen, doch Spuren von Eichenholz legen den Schluss nahe, dass diese Nische bildstockartig (eine architektonische Besonderheit im gesamten alpinen Besiedlungbereich, welche noch heute in den christlich-katholischen Landstrichen – wenn auch in adaptierter religiöser Form – vorfindbar ist) aufgebaut war und mit einer dachartigen Konstruktion aus Eichenholz überdeckt wurde. Die zwei noch vorhandenen Innenkanten der Nische weisen nahezu einen rechten Winkel auf. Die Ausrichtung der rechtwinkeligen Nische läuft in ihrer längeren Achse genau in Nord-Süd-Richtung.
Nach kurzen Verhandlungen mit den verantwortlichen administrativen Kräften wurde die Grabungsstelle in einem weiteren Umkreis von 2 Metern freigegeben, jedoch konnten keinerlei weitere Bezugnahmen auf die Fundstelle freigelegt werden. Es ist davon auszugehen – wie leider oftmals in dergelagerten Fällen – dass die in jüngerer Zeit vorgenommenen Weg- und Strassenbauten unwiederbringlich arteologisches Material zerstört haben.