Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 22

Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 22

Die gewebsforensische Untersuchung der Handinnenfläche brachte umgehend die Bestätigung, dass diese rechte, maskuline Hand tatsächlich möglichst dauerhaft mit dem Cult-object verbunden wurde. Inwieweit dies post mortem erfolgte lässt sich nicht verifizieren, jedoch ist davon auszugehen, dass zuerst die Abtrennung und Konservierung dieser Hand als erster Schritt vollzogen wurden, wobei bereits die Fingerstellung während des Mumifizierungsvorgangs geplant und mit Sorgfalt eingestellt wurde (somit ist von einer endgültigen Mumifizierung erst nach der Lösung der Leichenstarre auszugehen). Expertisen des Forensischen Instituts der Universitätspathologie in Bremen (unter Leitung von Prof. habil. Dr. Esther Goldblüh) beschreiben diesen Mumifizierungsvorgang wie folgt:

a)    Nach dem Ausbluten der Extremität wurde die gesamte Hand einem mehrtägigen solaren Dehydrierungsprozess unterzogen, der aufgrund der pigmentiven Färbung der Oberhaut wohl gut und gern bis zu zehn Tagen dauerte.

b)    Anschliessend wurde die gesamte Hand in eine Art Teig aus Salz und Lehm eingebettet (Mischungsverhältnis: 2 Teile Lehm, 1 Teil Salz) um derart verbliebene Restfeuchtigkeit zu entziehen und somit organischen Verfallprozessen die chemischen Grundlagen zu entziehen. Reste dieser Lehm-Salzmischung wurden in Spuren unter dem rechten Daumennagel vorgefunden.

c)    Abschliessend wurde diese Hand mehrfach mit einer Paste aus floralen Hartholzpechen (Harze der hier im Grunde nicht heimischen Walnuss [Juglandacea] und der Sumpf-Eiche [Quercus palustris]), welche mit Potasche und ungelöschtem Kalk vermengt wurde eingestrichen und nach einer Trocknungsphase gereinigt und abermals mit dieser Mischung gebeizt. Die desinfizierende und konservierende Wirkung dieser Mischung ist nachgewiesen.

Die Anbringung des metallenen Cult-objects erfolgte gleichfalls mittels Harz, wobei hier das Baumpech der Zirbelkiefer (Pinus cembra) zur Verwendung gelangte. Im Gegensatz zur vorgefundenen Handhaltung und der damit einhergehenden Lagerhaltung des Cult-objects konnte auf Grund der Zirbelkieferharzspuren an der Handinnenfläche und in den Fingerzwischenräumen desKleinen Fingers und des Ringfingers die ursprüngliche Anbringung nachgestellt werden. In der weiteren Beschreibung des Fundstückes wird von dieser rekonstruierten Fassung ausgegangen, um auf diese Weise der originären Darstellung zu entsprechen.

humanoider fund, zeichnung 2, stubaital 1985, arteologie, dr. arkadaschDiese humanoide, rechte, maskuline Hand weist, gemessen von der Abtrennungsstelle bis zur Spitze des Mittelfingers eine Gesamtlänge von 15,63 cm auf. Die Handstellung erscheint leicht geöffnet, angespreizt und vermittelt den Eindruck einer sich darbietenden Hand (die Geste des „Gebens“). Am Handgelenk, direkt an der Abtrennungsstelle gemessen, beträgt der Querdurchmesser 5,15 cm. Die Spreizung von der Daumenwurzel bis zum mittleren Gelenk des Kleinen Fingers misst 7,02 cm. Der Daumen, welcher zur Nullebene der Darstellung 1,70 cm überhöht ist, hat eine Länge von 10,25 cm, wobei hier der Messendpunkt an der Abtrennungslinie vorgenommen wurde. Der Zeigefinger, der sich 3,51 cm über die Nullebene erhöht weist eine Innenlänge zum Daumen von 10,40 cm aus, während die Länge des Mittelfingers (der gleichzeitig der längste Finger dieser Hand ist) zur gleichen Messstelle am inneren des Daumens 11,38 cm beträgt. Dieser Mittelfinger überhöht sich von der Nullebene lediglich an der Fingerspitze um 0,9 cm und liegt mit seinem mittleren Gelenk direkt auf der Nullebene auf. Der Abstand zwischen Mittelfinger- und Zeigefingerspitze misst 3,60 cm, der zwischen Kleinem Finger und Ringfinger 2,20 cm und die Spannweite zwischen Mittelfinger und Kleinem Finger beträgt 3,15 cm.

Beim Cult-object handelt es sich um einen gleichartigen metallischen Gegenstand, wie er bereits am 5. August 1985 in unmittelbarer Nähe gefunden wurde, jedoch weist dieses Cult-object KEINE offene Spreizung an seiner dem Griffstück gegenüberliegenden Seite auf. Ident jedoch sind die schriftzeichenartigen Verzierungen am Griffstück, sowie die 5 mm im Durchmesser betragende Bohrung am Ende des Griffstücks. Generell gilt, dass es sich hierbei sowohl von den verarbeiteten Materialien, bis hin zur Formgebung um ein Objekt handelt, welches zeitnah und handwerksgetreu für einen identischen Verwendungszweck hergestellt wurde (sh.: Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 16).

Die mechanisch-fixe Verbindung zwischen Hand und Opfergabe(?) wurde mittels Zirbelkieferharz hergestellt, wobei das halbhohle Innere des Werkzeuggriffs im hinteren, zur Handfläche zeigenden Teil zur Gänze mit Harz ausgefüllt wurde, um so eine Art von Verklebung zu gewährleisten, welche mit zunehmender Aushärtung sich verfestigte und gleichzeitig bis zu einem Temperaturbereich zwischen 5 ° Celsius und 23 ° Celsius bruchfest und elastisch verblieb.