Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 1

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 1

Die Arteologische Ausgrabung „Lechtal“, Juni bis September 1992

 

In den Jahren 1985 bis 1992 wurden im Gebiet von Nordtirol/Österreich keine weiteren arteologischen Ausgrabungen vorgenommen, auch wenn von wissenschaftlicher Seite durchaus Interesse an weiteren Grabungstätigkeiten in den bereits verorteten arteologischen Fundstätten bestand. Die Fülle des bisher bereits vorgefundenen Materials jedoch bedingte, dass das primäre Bestreben in der Erhaltung, Konservierung, Bewertung, Analyse und Kontextualisierung der Fundstücke angesetzt werden musste. Unter der Leitung von Dr. Arkadasch wurden sämtliche dieser Arbeiten am Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir systematisch koordiniert und dokumentiert. Die hierbei vertieften und/oder parallel dazu entwickelten Partnerschaften mit dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Hedwig van Sundhaven, sowie dem Technikum Zürich, unter Leitung von Prof. Dr. Urs Kabelter, zeitigten zahlreiche arteologische Erkenntnisse im Bezug auf die Besiedelung und humanoide Inbesitznahme des nordtiroler Siedlungsraumes (sh. „Arteologie and Science“, Heft 4 1985 ff bis Heft 12 aus 1992, Freie Universität Izmir), welche in weiterer Folge zu Neuinterpretierungen der genealogischen Abstammung der heutigen Bevölkerung des Raumes „Nordtirol/Österreich“ führten.

lechtal, 1992, dr. arkadasch, arteologieDie aus diesen Erkenntnissen gewonnen Fakten betreffen sowohl die archäologischen Wissenschaften als auch die Historie insgesamt im besagten Forschungsraum und bilden bis dato die Grundlage noch nicht restlos abgeschlossener Diskussionen und Forschungen. Die Wertigkeit der kontextualen Ergebnisse führte und führt zu einer Neuinterpretation bisheriger Thesen und die sich daraus stringent ergebenden Folgen sind in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung noch eingehend in einer spartenübergreifenden Gesamtsicht zu beurteilen. Dass es sich hierbei um teilweise vollkommen neue Ansätze und Fakten handelt, belegt eindrucksvoll die Wertigkeit einer unter dem Aspekt der arteologischen Prämisse geführten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser Thematik.

Auf mehreren Kongressen und Tagungen in verschiedenen Ländern berichtete Dr. Arkadasch laufend über die Ergebnisse seiner Forschungen und verstärkte dabei sein Bemühen den interdisziplinären Ansatz der arteologischen Arbeit zu stärken und zu koordinieren. Gleichzeitig wurde versucht an den bisherigen Fundorten in Nordtirol (Raum Schwaz/Fiecht/Inntal, Raum Schönberg/Wipptal, Raum Telfes/Stubaital) die Grabungsstellen nachhaltig abzusichern und in bestimmten, arteologisch freigegebenen Bereichen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei wurde zum einen bewusst mit lokalen Behörden und Institutionen zusammengearbeitet, um so das Verständnis der eingeborenen Bevölkerung vor Ort zu vertiefen, und zum zweiten gelang es Dr. Arkadasch mittels universitärer Partnerschaften die begleitende wissenschaftliche Arbeit zu intensivieren.

Trotz dieser Erfolge – und auch bedingt durch die ausgelasteten Ressourcen in finanzieller und personeller Hinsicht – musste bis zum Jahr 1992 von einer weiteren Feldbeforschung des nordtiroler raumes Abstand genommen werden, da auch von Seiten der politisch und administrativ verantwortlichen Personen und Behörden in Nordtirol keine weitere Grabungserlaubnis erteilt wurde. Selbst das positive, weltweite Echo in wissenschaftlichen Kreisen vermochte hier vorerst kein Umdenken zu bewirken.

Es ist hier einmal mehr der Eigeninitiative des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir zu verdanken, dass dennoch systematische Vorarbeiten für weitere Grabungen in Nordtirol durchgeführt wurden und in weiterer Folge zu einem positiven Ergebnis führten.