Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 7

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 7

Gleichwohl jedes wissenschaftliche Engagement von der intrinsischen Motivation der aller Beteiligten abhängt, bedarf es dennoch einer gewissen Infrastruktur an Materialien, Personal und auch monetären Ressourcen, um über den dilettantischen Zustand einer reinen Freizeitbeschäftigung für wenige Interessierte hinaus zu gelangen um tatsächlich nachhaltige und verifizierbare wissenschaftliche Ergebnisse zu erhalten. Ein gezieltes Erkunden und Vorbereiten einer jeden Expedition ist das Um und Auf einer ergebnisorientierten und aufwandsentsprechenden Arbeit vor Ort. Dass hierbei Schwerpunkte in Hinsicht auf Fundrelevanz, politische Sicherheiten, zeitliche Vorgaben und/oder gesellschaftspolitische Besonderheiten genommen werden müssen, erschwert generell jede Form von wissenschaftlicher und damit möglichst wertneutraler Vorbereitung. Dennoch ist es überwiegend dem eigenverantwortlichen Erkunden von Dr. Arkadasch gut zu schreiben, dass er es in seiner Freizeit schaffte mit einer Truppe von begeisterten Studierenden und der einen oder dem anderen Kollegen aus dem wissenschaftlichen Umfeld die westlichen Talschaften Nordtirols fussläufig im Hinblick auf arteologische Relevanz zu erkunden, zu kartographieren und die dabei verorteten möglichen Grabungsstellen in einer nach Dringlichkeit geordneten Liste zu erfassen.

Wie bereits im Ausgrabungsprotokoll 6, Lechtal, beschrieben, wurde dabei die arteologische Beforschung der lechtaler Flussauenlandschaft an erste Stelle gereiht, um so eventuellen räumlichen Grosseingriffen in Form von Flussbegradigungen und Flurbereinigungen zuvor zu kommen. Es ist von höchster Wichtigkeit bei derartigen wissenschaftlichen Vorarbeiten relevante Informationen für die betreffenden Gebiete zu erhalten. Neben den öffentlichen, administrativen Stellen ist es unabdingbar notwendig, einheimische Fachkräfte und Partner vor Ort zu finden, welche aus Überzeugung und wissenschaftlichem Impetus bereit sind, sich nachhaltig in den Dienst der arteologischen Zielsetzungen zu stellen.

herwig angerer, lechtal 1992, dr. arkadasch, arteologieEin grosses Danke gilt an dieser Stelle dem Fotografenmeister Herrn Herwig Angerer, welcher nicht nur über bemerkenswerte historische und auch lokal verwertbare Informationen und unskribierte Bestände oraler Überlieferung verfügt, sondern sich auch im pictoralen Katalogisieren der Fundstücke und Artefakte äusserst verdient gemacht hat. Zudem ist Herr Angerer ein begnadeter Aquarellieur, der in guter alter Manier zahlreiche Fundstücke auf diesem Weg zusätzlich in Form von beschrifteten Anschauungstafeln fertigte, welche leider bei einer Katastrophenübung der Tunnelfeuerwehr im Roppener-Tunnel einem veritablen Wasserschaden unwiederbringlich zum Opfer fielen.

Ende 1991 gelang es schliesslich auf Grund der bisherigen Vorarbeiten sowohl das Forschungsministerium in Ankara als auch die Leitung des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir von der Sinnhaftigekti einer weiteren arteologischen Expedition nach Nordtirol, respektive ins dortige „Lechtal“ zu überzeugen. Durch diplomatische Fürsprache an höchsten Stellen konnte nach monatelangem Zuwarten auch die Erlaubnis für eine derartige Expedition von den zuständigen Behörden in Wien (Bundeshauptstadt Österreichs) und den administrativ verantwortlichen Stellen in Innsbruck (föderale Verwaltungsstellen der Provinz/des Bundeslandes Tirol) eingeholt werden.

Das Arteologische Institut der Freien Universität Izmir übertrug die Leitung dieser Expedition wiederum den erfahrenen Händen von Dr. Arkadasch Dag, der innert weniger Wochen eine Mannschaft aus grossteil bewährten wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden zusammenstellte und auch die Etatisierung mit monetären Mitteln und Sachgütern unter Dach und Fach brachte. Die Expedition selbst wurde vor Ort von Herrn Herwig Angerer logistisch geplant und betreut, sodass mit Ende Juni 1992 die Expeditionsmannschaft sich im Fährhafen von Istanbul zur „Vierten arteologischen Expedition nach Nordtirol/Österreich“ einschiffen konnte.