Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15/1
Selbst wenn die Befundung dieser drei metallenen Cult-objecte in einer ersten Charakteristik augenscheinliche Merkmale mit den an den Fundstellen im Inntal, dem Wipp- und dem Stubaital ausgegrabenen Cult-objecten in übereinstimmender Weise aufzeigen, so muss dennoch und gerade in dieser bisher nicht aufgefundenen Konstellation eine qualifizierte und objektspezifische Analyse und Deutung greifen. Generell werden sämtliche bisher in Nordtirol gefundenen Cult-objecte in einer klaren, terministischen Katalogisierungssystematik angeführt, die form- und materialähnliche Stücke aus verschiedenen Grabungen, nach der selben Alphanumerik beschreiben, jedoch unter der eindeutigen Zuordenbarkeit der fundspezifischen Datierung.
Es wird hier die Beschreibung eines einzelnen, metallenen Cult-objectes – exemplarisch für alle drei in diesem Triptychon vorgefundenen Cult-objecte, die sich sowohl in ihrer Gestaltung, als auch kunsthandwerklichen Ausführung nahezu ident erweisen – dargeboten und in einem weiteren Schritt erst auf die einzigartigen Spezifika dieses Triptychons eingegangen.
Gleichwohl die insgesamte Erscheinung vordergründig auf werkzeugliche, mechanische Verwendbarkeit hinweist, gibt es bei dieser Fundung keinerlei relevante Gebrauchsspuren, die eine derartige Verwendung eindeutig belegen. Das (die) Cult-object(e) besteht aus einem länglichen Griffstück von ca.59 mm. Am halbrunden Ende des Griffstückes beträgt der Halbkreisdurchmesser 14 mm und verjüngt sich dann zum Messpunkt bei 59 mm auf 11 mm. Von dort öffnet sich das Cult-object in eine geteilte Gabelung mit einer maximalen äusseren Ausladung von 47,7 mm um von an sich nach vorn zu verjüngen, ohne dabei jedoch zu einer geschlossenen Form zurück zu kehren, wie wir sie etwa beim Cult-object an der Ausgrabungsstelle „Inntal“ vorgefunden haben. Die Gesamtkonstruktion besteht aus einem metallenen Flachstück, welches an den Kanten eingefalzt und mit gebrochenen Graten versehen ist. Dadurch wird eine generelle Versteifung und Robustheit erreicht und zum anderen der manuelle Gebrauch verletzungstechnisch minimalisiert, da weder metallene Späne oder scharfe Kanten das Handling beeinträchtigen. Die ausspreizung in die beiden gebogenen Schenkelarme wird durch eine flache, metallene und zweimal leicht gezackte Implikation unterstützt, die zur gedachten Endlinie des Cult-objectes eine Distanz von ca. 29,5 mm aufweist. Die Tiefenwertigkeit beträgt durchgehend etwa 4 mm. Am Ende des Griffstücks wurde eine Bohrung mit einem Durchmesser von 5 mm angebracht; jedoch konnten auch hier keinerlei Nachweise (weder im Labor noch in der Materialsichtung) einer besonderen Verwendungsform erbracht werden. Vielmehr ist die Schlussfolgerung stringent, dass hier zum ersten Mal tatsächlich eine rein ritualisierte Form eines Werkzeugs vorliegt, deren innere Sinnhaftigkeit sich einzig aus der kultischen Nutzung erschliesst.
Alle drei Cult-objecte dieses Triptychons weisen gleichartige schriftzeichenartige Symbole auf (vgl. dazu Wipptal, August – September 1984, Ausgrabungsprotokoll 27/2 und Stubaital, Juli – Oktober 1985, Ausgrabungsprotokoll 16), die von der selben artifiziellen Gestaltung gekennzeichnet sind, wie die bisherigen Funde von ähnlichen Cult-objecten im Raum Nordtirol. Auch hier erfolgt die Anbringung der symbole durch Ritzung mithilfe eines spitzen, gehärteten Riffels mit nachfolgender Vertiefung durch ein Säurebad in Essigsäure (sh. „Laboranalysen des kultischen Triptychons der arteologischen Grabung Lechtal“, Arteologische Zentralstelle Innsbruck, 1992/1993). Die 27 bis 28 mm lange Zeichenreihe besteht auch hier aus neun Symbolen, wobei sich Symbol drei von links an der sechsten Stelle wiederholt und beide Schlusssymbole – unter der Annahme einer „Leserichtung“ von links nach rechts – von identischer Gestaltung sind. Wie bereits beim Fund im Stubaital weisen die Symbole eine kantig wirkende, balkenartige Formensprache auf, die lediglich bei Symbol Nummer zwei durch eine nach rechts drehende Rundung unterbrochen wird. Die Maximalhöhe der schriftartigen Symbole beträgt bei Symbol eins, zwei und vier 6,50 mm, während die generelle Höhe der anderen Symbole 5,00 mm misst. Diese artifizielle Gestaltung ist allen drei Cult-objecten des Triptychons gemeinsam, wobei klar festgestellt werden kann, dass es sich jeweils um manuelle Ritzungen handelt und keinesfalls um die Anbringung von Zeichen mithilfe von vorgefertigten Schablonen oder gar Prägebildern.