Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15/4

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 15/4

Das Triptychon firmiert in der Fundkatasterliste unter dem wissenschaftlich-arteologischen Namen „metallenes Kulttriptychon Lechtal, bestehend aus drei nach Osten ausgerichteten Flachmetallgabelspreizungen“ und wird zeichnerisch in der Fundprotokollzeichnung Blatt 32 im Grabungskatalog des „Team Lechtal“ geführt. Die Besonderheit dieses Fundes kann erst aus einer Gesamtschau dieser Fundung einer Beurteilung zugeführt werden:

1.    Der Gesamtbereich der Kultnische muss im Kontext des Furtüberganges des Flusses Lechs an dieser Stelle des Gewässerlaufes konotatiert werden.

2.    Die Wertigkeit der rituellen Darstellung hat stringent im Bezug auf die ökonomischen und sozialen Parameter des Fundraumes insgesamt zu erfolgen.

3.    Dies impliziert in logischer Reihe die Miteinbeziehung der regionalen und überregionalen transalen als auch insistalen Beeinflussungen im sozialen als auch kulturellen Kontext dieser Zeitepoche.

triptychon, planzeichnung, lechtal, 1992, dr. arkadasch, arteologiead 1.: Im Übergangsbereich der Arteologischen Zeitepoche zur Hocharteologischen Zeitepoche bestanden zwar regelmässige Handels- und auch rudimentäre wirtschaftliche Beziehungen zwischen den (vergleichsweise kleinen) Ansiedlungen im gesamten Raum des nordtiroler Flusslaufes des Flusses Lech und auch darüber hinaus über das hahntennjoch ins Inntal und somit weiterführend in den südlichen als auch östlichen alpinen Raum, jedoch ist klar feststellbar, dass, einerseits bedingt durch die geografische Abgeschiedenheit des Lechtals zum Inntal, andererseits auch durch die besiedelungstechnische Ausbreitung der Sesshaften Bevölkerung von einer vom Norden her sukzessive ausgehenden Inbesitznahme dieses Landstriches ausgegangen werden muss. Dabei weisen bis dato keinerlei Spuren auf eine gewaltsame oder militärisch geprägte invasive Verdrängungsmotivation hin, vielmehr ist davon auszugehen, dass dieser Siedlungsraum primär von Norden (dem heutigen Bayern, bzw. von den damaligen alemannischen Stämmen) her besiedelt und rural in einer halbnomadischen Bewirtschaftung urbar gemacht wurde. Selbst heute lässt sich noch einwandfrei nachweisen, dass aus genetischer Sicht die originäre Bevölkerung des „Ausserferns“ keinerlei direkte Verwandtschaft zu den sonstigen Bevölkerungsgruppen Nordtirols aufweist. Gerade deshalb ist es interessant diese Schnittstelle von Handelswegen auf ihre Gemeinsamkeiten zu sonstigen bisherigen Fundungen im Nordtiroler Raum zu untersuchen. So ist allen diesen Fundstellen gemein, dass zwar in der rituellen und wohl auch in den Spirituellen Ausrichtungen eine originäre Adaption vorhandener externer Beeinflussungen immanent ist, sich diese Parameter jedoch wiederum in Bezug auf den Nordtiroler Raum als eine klar zuordenbare Eigenständigkeit in Ritus und gesellschaftlicher Normierung entwickelten. Die Gemeinsamkeiten beruhen daher auf der ursprünglichen Unterschiedlichkeit, welche sich durch Austausch und Übernahme von Normen und Ritualen zu einer spezifischen gesamtkulturellen Termination für den nordtiroler Bereich entwickelt haben. Dass dies besonders an derartigen brisanten Wegkreuzungen manifestiert unterstreicht die Bedeutung derartig wichtiger, verkehrstechnischer Knotenpunkte einmal mehr.

ad 2.: Ausgehend von den topografischen Gegebenheiten des Alpenraums insgesamt und den spezifischen Anforderungen im Lechtal stellt jede spirituelle und rituelle Besicherungsmassnahme eines derart wichtigen Verkehrsknotenpunktes ein vollkommen übliches und bis in unsere heutige Zeit praktiziertes Vorgehen dar. Zahlreiche Brücken, Übergänge und auch Wegkreuzugen werden im nordtiroler Raum durch religiöse Applikationen einem besonderen Schutz mit quasi spirituellem Beistand überantwortet. Dass hierbei in Arteologischer- und Hocharteologischer Zeit keinerlei Trennung von Kultus und täglicher Lebensanforderung bestand, steht ausser Zweifel. Somit muss das Gesamtbild dieses Triptychons sowohl als kultische Manifestation per se verstanden werden, als auch als ökonomische Demonstration des Besitzanspruches mit alle seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

ad 3.: In seiner Bedeutung der regionalen Identitätsfindung des nordtiroler Raums ist somit von keiner eigenständigen Entwicklung auszugehen, sondern es ist eindeutig davon auszugehen, dass erst jene transalen und insistalen Beeinflussungen deren eigentliche Wurzeln als ausserhalb des Alpenraums zu definieren sind, zu einem späteren Zeitpunkt als identitätsstiftende und damit mythologisch verarbeitbare eigene Geschichtlichkeit typisierend entwickelt wurden.