Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 19
Es erscheint manchmal nahezu unmöglich mit welcher Geschwindigkeit sich selbst in den abgelegendsten Berggebieten Neuigkeiten verbreiten: innert eineinhalb Stunden nach der Entdeckung des humanoiden Fundes durch unseren Aquarellisten und Fotografen Herrn Herwig Angerer, erschien ein Wagenkonvoi, bestehend aus zwei Einsatzfahrzeugen der polizeilichen Dienststelle von Reutte, dem Hauptort dieser Talschaft, dazu ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr aus Bichlbach (einem kleinen Dorf, knapp 12 km von Reutte in südöstlicher Richtung entfernt) und zwei Dienstkraftfahrzeugen des Landes Tirol, aus denen beim ersten der zuständige Bezirkshauptmann des politischen Distrikts Reutte entstieg und aus dem zweiten, wie sich im unmittelbaren Gespräch herausstellte, der sich im Ruhestand befindende Gymnasialdirektor (eine Schule für die 10 bis 18 –Jährigen, welche mit der Reife für den Universitätsbesuch abschliesst) des Gymnasiums Reutte, der nunmehr der Direktor des Heimatmuseums der Marktgemeinde Reutte ist. Zudem wurden diese Herren neben den vier Polizisten vom Gemeindeamtsleiter der Marktgemeinde Reutte und dem für diesen Distrikt zuständigen Landesrat, sowie einer Sekretärin begleitet.
Dr. Arkadasch entstieg der Fundstelle, wusch sich die Hände, klopfte sich vorsorglich den Staub vom Arbeitsgewand, begrüsste diese Delegation durchaus respektvoll und fragte sodann, welch Beweggründe eine derartig hochrangige Delegation zu ihrem Besuch veranlasste. Der Landesrat bat Dr. Arkadasch zu einem internen Gespräch in eine der Arbeitsbaracken, während sich die mitreisenden Polizisten anschickten, das Grabungsgelände unter ihre dienstliche Aufsicht zu stellen. Dr. Arkadasch gab noch rasch entsprechende Anweisungen, dass auch die diensthabenden Polizisten nach Möglichkeit sich vom direkten Fundort, aus Gründen der Kontamination entfernt halten sollten und bat dann den Landesrat, den Gemeindeamtsleiter, den Bezirkshauptmann und die Sekretärin in den Aufenthaltsraum des Grabungsteams. Dort öffnete der Bezirkshauptmann seine Aktentasche und entnahm ihr einen Bescheid, welcher besagte, dass sämtliche Funde dieser Grabungsstelle, weder ausser Landes gebracht werden dürfen und stattdessen dem Heimatmuseum von Reutte zur weiteren historischen Aufarbeitung und Verwendung überlassen werden müssen.
Offensichtlich hatte sich mittlerweile in Nordtirol die Bedeutung dieser arteologischen Expeditionen herumgesprochen und die lokale Politik gedachte daraus einen unmittelbaren Nutzen zu ziehen, selbst unter der Gefahr, dass dadurch jedwede weitere wissenschaftlich interdisziplinäre und internationale Forschung verunmöglicht wird. Es ist hier einmal mehr Herrn Herwig Angerer zu danken, der in seiner Weitsicht umgehend wusste, wie mit einem derartigen Ansinnen von behördlicher Seite umzugehen ist. Nach einer kurzen Beratung einigten sich Dr. Arkadasch und Herr Herwig Angerer darauf, dass dieser zum einen bereits vor Ort und unverzüglich einen niederschriftlichen Einspruch gegen diesen Bescheid erhob und zudem erreichte, dass dieser Einspruch von aufschiebender Wirkung begleitet wurde, so dass die weitere Bergung und Sicherung des humanoiden Fundes unmittelbar gewährleistet blieb. Zudem kündigte Dr. Arkadasch die Anrufung des Forschungssenats der Universität Innsbruck an und übergab dem Bezirkshauptmann die Bewilligungsunterlagen für diese Expedition, welche in einem bilateralen Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir ausgehandelt wurden. Aus diesen Bewilligungsunterlagen geht eindeutig hervor, dass sämtliche Grabungen und die dabei resultierenden Fundungen der internationalen wissenschaftlichen Gemeinde unentgeltlich und dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Allerdings, und dieser Punkt blieb vorerst strittig, besagen diese Bewilligungsunterlagen nichts über die dauerhafte Lagerung und eventuelle museale Verwendung fürderhin.
Um diese Auseinandersetzung nicht noch zusätzlich zu erschweren, liess Dr. Arkadasch eine ortsübliche Jause aus Speck, Brot und Rotwein auftragen, um sodann, in inoffiziellem Rahmen dieser lokalen Delegation die überregionale Bedeutung dieser Funde aufzuzeigen, nicht ohne dabei auf die mögliche dauerhafte Wertschätzung, insbesonders für den Fremdenverkehr, hinzuweisen.