Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 21

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 21

Es wurde beim informellen Gespräch in der Aufenthaltsbaracke zwischen dem Bezirkshauptmann des Distriktes Reutte und Dr. Arkadasch vereinbart, dass die Ausgrabungstätigkeit und hier wiederum insbesonders die Bergung und Sicherung des humanoiden Fundes wie geplant durchgeführt werden kann, jedoch hat der Fund im Bergungscontainer vor Ort bis zur Klärung der schriftlich eingebrachten Berufung zu verweilen. Dies brachte zuerst einmal die notwendige Zeitspanne, in der Dr. Arkadasch gedachte über den diplomatischen und universitären Weg diese Angelegenheit im Sinne der arteologischen Wissenschaft zu klären. Der Bezirkshauptmann verordnete, dass einstweilen eine ständige Streife der Polizei am Grabungsort zu verweilen hatte, um, wie er es formulierte die Sicherheit der Grabungsstelle bis auf weiteres zu gewährleisten. Auch wenn die offensichtliche Absicht dieser Massnahme mehr als augenscheinlich war, so vermochte das Grabungsteam mit dieser Art von Beaufsichtigung ohne weiteres umzugehen: wie Herr Herwig Angerer richtig bemerkte, kann insgesamt für den täglichen Ablauf von Grabungsarbeiten durchaus auf die demokratisch legitimierte Arbeitsauffassung der hiesigen Polizeikräfte vertraut werden. Die polizeilichen Übergriffe in der Republik Österreich weisen seit Jahren keine Signifikanten Absonderheiten auf, welche auf ein polizeistaatliches Eingreifen ohne richterliche Verfügung vermehrt hindeuten. Im Gegenteil; es entpuppten sich sämtliche Polizisten, welche in den nächsten Tagen am Grabungsgelände ihren Dienst versahen, als höfliche und den Grabungsablauf in keinster Weise störende Personen, die lediglich ihr Protokoll führten und dieses bei Dienstübergabe jeweils von Dr. Arkadasch abzeichnen liessen und ihm ohne zuvor gefragt werden zu müssen, gleichzeitig eine beglaubigte Durchschrift aushändigten.

Als positiver Nebeneffekt zeigte sich eine gesteigerte Form der Disziplin sämtlicher eingeborener Grabungshilfskräfte, wobei anzumerken ist, dass es auch schon bisher keine nennenswerten Schwierigkeiten auf diesem Gebiet zu verzeichnen galt.

Nachdem der Bezirkshauptmann, der Landesrat mit Sekretärin und auch der Museumsleiter des Heimatkundemuseums von Reutte mitsamt der Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr wieder abgereist waren, telefonierte Dr. Arkadasch sofort mit dem türkischen Konsulat in Wien, sowie mit dem Dekan des archäologischen Instituts der Universität Innsbruck und dem Dekan der Freien Universität Izmir und schilderte diesen Stellen die gegenwärtige Situation am Grabungsort „Lechtal“. Nach einer kurzen Unterredung mit Herrn Herwig Angerer beschloss Dr. Arkadasch vorerst noch nicht die Medien über diesen Vorfall zu informieren.

Während der Besprechung in der Aufenthaltsbaracke wurden die einheimischen Grabungshilfskräfte für diesen Tag nach Hause geschickt, nachdem zuvor noch der Fundort mit einem Zelt überdacht und mit Drainagierungen versehen wurde, da es mittlerweile zu regnen begonnen hatte. Die Bergung des humanoiden Fundes erfolgte nach den Telefonaten und wurde um circa 23:00 Uhr bei künstlichem Licht abgeschlossen.

lechtal 1992, humanoider fund, dr. arkadasch, arteologieEs handelt sich dabei um eine rechte Hand, welche vollständig erhalten, in einem Bett aus kalkigen Kieseln ruhte, wobei die gesamte direkte Fundumgebung von einem feinen tonschieferigen Mergel durchsetzt war, welche den Fund dermassen luftdicht versiegelte, dass selbst die organischen Strukturen der Hautoberfläche nahezu unversehrt die Lagerzeit überdauert haben. Dr. Arkadasch telefonierte sofort nach der oberflächlichen Freilegung mit der Anthropologin Dr. Marga Sudanavesi um derart eine perfekte und möglichst schonende Bergung sicher zu stellen. So musste der Kontakt zur Luft und hier besonders zum Sauerstoff auf kürzeste Zeit reduziert werden, um mögliche Reaktionen des Gewebes zu verunmöglichen, beziehungsweise auf ein derartiges Minimum zu reduzieren, damit die weiterführenden Untersuchungen und Analysen nicht zusätzlich erschwert würden. Bei der Bergung wurde auf geringstmögliche Kontaminierung geachtet und die Fundhand sofort nach der Herauslösung aus dem Umgebungsmaterial ohne zusätzliche Reinigung in einen Vakuumbehälter gelagert, welcher wiederum im Bergungscontainer bei konstanter dem Fundort entsprechenden Temperaturbedingungen archiviert wurde.