Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 22
Bereits mit der Erstfindung des humanoiden Fundstückes durch Herrn Herwig Angerer wurde sofort unser heimischer Expeditionsarzt Dr. Armin Lengauer telefonisch kontaktiert um noch in der Nacht der Bergung aus der Fundhand eine Gewebeprobe zu entnehmen und, verpackt unter den üblichen Laborbedingungen an das Pathologisch-forensische Institut der Universität Moskau zu schicken. Während auch die bisherigen drei humanoiden Funde in Nordtirol äusserst interessante und vom Arteologischen her betrachtet aufschlussreiche Erkenntnisse im Bezug auf die arteologische Entwicklung des nordtiroler Siedlungsraumes zeitigten, versprach dieser Fund im Lechtal auf Grund seiner geradezu sensationell erhaltenen organischen Strukturen und den neuen Möglichkeiten der gentechnologischen Auswertungen vollkommen neue Hinweise auf die Genealogie der einheimischen Bevölkerung und ihres Werdegangs in arteologischer Hinsicht.
Dr. Lengauer entnahm am sauber abgetrennten Handstumpf dieser rechten Hand drei Gewebsproben, wobei er bewusst darauf achtete immer auch partiell einen Hautanteil mit heraus zu schneiden, da die Wahrscheinlichkeit auf auswertbare DNS in den unteren Hautschichten am grössten ist. Die etwa fingernagel grossen Gewebestücke wurden in flüssigem Stickstoff eingefroren und mittels thermogesicherter Transportbehältnisse an Frau Dr. Olga Suskova vom Pathologisch-forensischen Institut der Universität Moskau per botschaftseigenem Kurierdienst gesandt. Den Kontakt hiezu verdankt das Forschungsteam Dr. Armin Lengauer, der neben seiner Tätigkeit als Expeditionsarzt und Allgemeinmediziner auch noch ein begnadeter Jazzsaxophonist ist und im Zuge dessen bereits mehrmals in der Eremitage auftrat. Bei einem dieser Konzerte lernte er die Pathologin Dr. Suskova kennen, die seit 1989 die Leitung des Pathologisch-forensischen Instituts der Universität Moskau inne hat. Auf Anfrage erklärte sie sich umgehend bereit, den humanoiden Fund der Grabungsstelle „Lechtal“ einer ersten forensischen Analyse zu unterziehen und dem Expeditionsteam per Telefax die ersten Befunde ergebnisnah zu übermitteln.
Bereits am 11. August 1992 übersandte Frau Dr. Suskova einen ersten Analysebericht, bestehend aus acht maschingeschriebenen Seiten. Ihre Analyse bezieht sich dabei auf die Hautgewebe der drei Proben, welche alle drei unabhängig voneinander getestet zu den gleichen Ergebnissen führten. Gleichwohl in der obersten Hautschicht, der Epidermis, logischerweise keinerlei verwertbare DNS-Spuren mehr vorhanden waren, konnte sie feststellen, dass es ich bei dem Inhaber dieser rechten Hand um eine männliche Person gehandelt haben muss, von weisser Hautfarbe, mit einem Alter von 34 Jahren, plus/minus fünf Jahre. Im Stratum granulosum oder der Körnerzellschicht der Epidermis stiess Frau Dr. Suskova auf strukturelle Besonderheiten, die eindeutig auf starke manuelle Tätigkeiten in/an der frischen Luft über einen längeren Zeitraum hinweisen. Die Frage ob es sich bei der Person um einen agrarisch tätigen Menschen, oder aber um einen vornehmlich im Freien arbeitenden Handwerker gehandelt hat, kann noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die wahrlich interessanten Erkenntnisse brachte die Untersuchung der Subcutis, der Unterhaut. Sie besteht aus lockerem Bindegewebe, in das wie kleine Kissen Fettpolster eingelagert sind. Durchzogen wird das Bindegewebe von Ausläufern der festen Fasern der Lederhaut. Diese Fasern sind fest mit der unter der Subcutis liegenden Körperfaszie verbunden. So haben sie die Funktion von Haltebändern, die die Haut mit dem darunterliegenden Gewebe verbinden. Je nachdem, wie stark diese Haltebänder entwickelt sind, lässt sich die Haut auf ihrer “Unterlage” verschieben, z. B. auf dem Handrücken. Daran schliesst sich die Körperfaszie an, welche aus festen Kollagenfasern besteht. In diesem Bereich konnte Frau Dr. Suskova Teile der DNS extrahieren und spektrographital analysieren. Das Ergebnis zeitigt eindeutig, dass die ursprünglich genealogische Herkunft dieser Person dem mitteldeutschen Raum zuordenbar ist, wobei festgestellt werden muss, dass mindestens acht Generationen dieser transitalen Migration zugrunde liegen. Im gegengleichen Verfahren mit dem Genpool der derzeitigen lokalen eingeborenen Bevölkerung ergibt sich eine 98 % ige Übereinstimmung, sodass einwandfrei feststeht, dass die Bevölkerung des Ausserferns („Lechtal“) ihre Wurzeln weder im bajuwarischen, noch im illyrischen, geschweige denn gar südeuropäischen Stammesbereich hat. Der „Lechtaler“ steht somit in keiner genetischen Verwandtschaft mit der restlichen Bevölkerung Nordtirols, sondern ist ob seines Ursprungs mit den Aduatukern genetisch verbunden.