Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 25

Lechtal, Juli – September 1992, Ausgrabungsprotokoll 25

humanoider fund, zeichnung 1, lechtal, 1992, dr. arkadasch, arteologieKontinuität ist eine der Grundvoraussetzungen für die wissenschaftliche Erarbeitung von basalen Wissensparametern. Erst auf dieser Basis sind weitere Forschungen qualitativ durchführbar und können mithilfe einer ständigen Falsifizierung und Verifizierung auf ein solides wissenschaftliches Fundament gestellt werden. Auch wenn generell im universitären Rahmen die Freiheit der Forschung grösstenteils ausser Streit steht, so erleichtert es dennoch die monetäre Argumentation, wenn die ergebnisseitige Bilanz zum einen zu brauchbaren spezifischen als auch allgemeinbildnerischen Inhalten beiträgt und zum anderen dadurch in der Öffentlichkeit ein allgemeines Bild der generellen Wertigkeit generiert werden kann. Die Zeiten der Wissenschaft im „Elfenbeinernen Turm“ sind dem positiven Ansatz einer Mitbeantwortung sämtlicher Daseinsfragen im naturwissenschaftlichen als auch philosophischem Ansatz gewichen. Damit einher geht das Selbstverständnis aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag für die zukünftige Lebensgestaltung insgesamt beizutragen.

Dies bedingt neben dem rein scientiven Arbeiten eine Öffnung nach aussen und verlangt gleichzeitig eine kommunikative Kompetenz um die Ergebnisse der Forschungsarbeiten, auch und gerade im Hinblick auf die montäre Ausstattung von Forschung und Wissenschaft ganz allgemein, auf jenes Niveau zu transferieren, welches sinnhaft von den poltischen und administrativen Entscheidungsträgern erfasst werden kann.

Es gilt somit die eigenen Ergebnisse und vorangehenden Arbeiten medial zu transportieren, um dergestalt die Fragestellungen nach Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit bereits im Vorfeld nachhaltig zu beantworten. Die Zusammenarbeit mit lokalen, regionalen und überregionalen Medien ist daher ein Gebot der Stunde. So ist es beispielsweise mit den bisherigen drei arteologischen Expeditionen in Nordtirol gelungen, die breite Öffentlichkeit über diverse Berichterstattungen in Presse, Rundfunk und TV derart in die Zielsetzungen der Expeditionen mit einzubeziehen, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung diese Arbeiten insoweit verselbstständigt haben, dass der sogenannte „Volksmund“ die humanoiden Funde mit prägnanten, nichts desto trotz charakteristischen Namensgebungen belegt hat. So wird der humanoide Fund im Inntal schlicht als „der Innti“ bezeichnet, der humanoide Fund im Wipptal als „der Wippi“, und der Name „der Stubi“ beschreibt den humanoiden Fund im Stubaital. Es war somit vollkommen klar, dass der humanoide Fund hier im Lechtal sofort den Namen „Lechi“ erhielt, auch wenn es sich bei sämtlichen humanoiden Funden bisher lediglich um torsolose Teilextremitäten handelt. Umgekehrt – und dies belegt auch die umgekehrte Beeinflussung der Wissenschaft durch die nichtwissenschaftliche Öffentlichkeit – haben diese Namensgebungen mittlerweile auch in die arteologische Katalogisierung unwidersprochen Einzug gehalten.

Die rechte obere Extremität, welche ab der Handwurzel mit sämtlichen fünf Fingern an der Ausgrabungsstelle im Lechtal gefunden wurde, erhielt somit noch am Tag der Entdeckung durch Herrn Herwig Angerer den „klingenden „ Namen „Lechi“. Die genaue Fundstelle dieses humanoiden Fundes kann unter folgendem Link verortet werden (nachträgliche Einfügung in das Ausgrabungsprotokoll 25 am 17. April 2011):

Frau Dr. Olga Suskova vom Pathologisch-forensischen Institut der Universität Moskau verdanken wir die bereits erwähnten ausführlichen pathologischen Expertisen, welche im Scientific Journal oft he Pathologic Institut from the University of Москва́, 1992 сентя́брь publiziert und besprochen wurden.

Beim Fund selbst handelt es sich um eine maskuline rechte Hand, welche äusserst gut insgesamt erhalten ist. Die Hand wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit posthum vom Arm direkt an der Handwurzel abgetrennt. Die röntgenologische Diagnostik verweist auf eine professionelle Amputation per sauber geführten Schnitten unter Zuhilfenahme von relativ feinem Metzgers- oder Arztwerkzeugen. Da die Extremität vollkommen ausgeblutet ist und sowohl der Arterien- als auch der Venenbereich bis hin zu den Kapillargefässen mit einer Mischung aus Bienenwachs, Propolis und Kiefernharz intravenös und das Gesamtgewebe auch subkutan mumifiziert wurde, konnte nicht nur die Morphologie dieser Gliedmasse erhalten bleiben, sondern es überdauerte – nicht zuletzt dank der Einbettung im sauerstoffarmen, kalkigen Mergelschlick – auch die Oberhaut samt Fingernägeln in nahezu makellosem Zustand.

Die Abtrennungsstelle an der Handwurzel misst im Querdurchmesser 5,25 cm und in der Höhe 3,51 cm. Die Amputation wurde derart vorgenommen, dass entlang des Unterarms Hautlappen vorsorglich stehen gelassen wurden, um anschliessend, nach erfolgter mumifizialer Präparation die Schnittstelle mit Eigengewebe überlappend luftdicht abzuschliessen. Dazu wurde als Kleber gleichfalls die zuvor erwähnte Mischung aus Bienenwachs, Propolis und Kiefernharz verwendet, wobei aber in diesem Fall der Anteil des Kiefernharzes in der Gesamtmischung deutlich überwiegt. Optisch stellt sich dieser Verschluss (von dem Dr. Armin Lengauer die ersten Gewebeproben entnahm) lederartig dar, mit einer doch deutlichen Verhärtung dieses Gewebebereichs insgesamt. Sowohl Feuchtigkeitsausschluss als auch Verhinderung von Sauerstoffeintritt mussten gewährleistet geblieben sein, wie die Analyse des Gesamtgewebes ergeben hat. Dieser hermetische Abschluss ist auch eine Grundvoraussetzung für jede Form einer dauerhaften Mumifizierung und impliziert gleichzeitig die äussere Unversehrtheit des zu mumifizierenden Objekts, da jede Verletzung eine Verwesungsvorgang der organischen Substanzen nach sich ziehen würde.

Die Hand selbst spreizt sich in Form eines „Klavierspielers“, das heisst, die Finger sind, bis auf den Daumen entweder nach vorn gestreckt oder, wie der Mittelfinger und noch stärker der Ringfinger, abgebogen. Der kleine Finger spreizt sich dabei nach links aussen, während der Daumen auf einer Basis zu ruhen scheint. Insgesamt erweckt die 16,42 cm lange Hand (gemessen von der Handwurzel zur Spitze des Zeigefingers) den Eindruck einer bewahrenden, gebenden Geste. Von der Fingerkuppe des Zeigefingers zur gedachten Basis (auf welcher der Daumen aufzuliegen scheint) misst der Abstand 3,41 cm. Die Fingernägel aller fünf Finger sind geschnitten, wahrscheinlich zugeschliffen und bis auf Reste des kalkigen Mergelschlicks oberflächlich vollkommen gereinigt. Selbst unter den Nägelrändern konnten keinerlei verwertbare Substanzen und/oder Materialien gefunden werden. Die Hand insgesamt weist keinerlei sonstige Verletzungen auf. Die Haut selbst verweist auf ein Lebensalter um Mitte dreissig und geht somit mit den forensisch-pathologischen Ergebnissen von Frau Dr. Sukova d’accord. Die schwachen, schwieligen Ansätze an den Fingerkuppen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger weisen eher auf eine gehobene, vielleicht gar rituelle Tätigkeit, denn auf eine handwerkliche oder agrarische Berufsausübung hin. Ein Zusammenhang mit dem Triptychon und der Opfernische, welche wenige Meter nordöstlich vorgefunden wurde, erscheint legitim, auch wenn sich dieser Zusammenhang fundspezifisch fürs Erste nicht verifizieren lässt. Die Sorgfalt der Mumifizierung und die Auswahl der Mittel lassen auf eine bewusste Auswahl dieser Extremität schliessen, umso mehr, als dass derartige rituelle Erhaltungsmassnahmen jenseits jeder gebräuchlichen Bestattungstechnik für Angehörige der normalen Bevölkerungsschicht liegen.