Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 4

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 4

Leider konnte das Expeditionsteam nicht auf Kontakte im Kaunertal zurückgreifen, welche bei den beiden sommerlichen Erkundungswanderungen in den Jahren 1987 und 1988 vor Ort geknüpft wurden. Zum einen bedingte der Zeitabstand von neun bzw. zehn Jahren eine entwicklungsbedingte Entfremdung und ausserdem konnten diese Kontakte nicht derart verfestigt oder gar intensiviert werden, dass sich daraus eine tragfähige Kommunikationsbasis hätte entwickeln können; zum anderen waren einige Kontaktpersonen zwischenzeitlich aus wirtschaftlichen Gründen ins Inntal oder gar noch weiter ausgewandert, oder hatten durch berufliche Unabkömmlichkeit (insbesondere im Beherbergungs- und Seilbahnwesen) schlichtweg keine Zeit mehr um dem arteologischen Projekt mittelfristig zur Verfügung zu stehen.

Das Expeditionsteam um Dr. Arkadasch war somit ausschliesslich auf die seinerzeitigen Untersuchungen und die daraus resultierenden Analysen in Bezug auf die Bewertung der fundrelevanten Stellen im Kaunertal angewiesen. Hierbei ist besonders auf die Forschungsarbeit von Frau Dr. Janine Default hinzuweisen, welche in ihrer Dissertation „Die westlichen Seitentäler Nordtirols und ihre Relevanz im Bezug auf arteologische und archäologische Vorkommen“ sich eingehend mit der Fundproblematik in diesen Regionen auseinandersetzte. Als seinerzeitige Doktorandin nahm sie an allen fussläufigen Erkundungen im Nordtiroler Raum in den Sommermonaten der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts teil und stellte die dabei gewonnen Erkenntnisse in ihrer Doktorarbeit vergleichend und analysierend dar. Im Wesentlichen ergaben sich daraus zwei vorrangige Grabungsgebiete in der Talschaft Kaunertal, nämlich einmal im Gebiet des Weilers Feichten, jenem topografischen Ort wo sich heutzutage die Kaunertaler Gletscherstrasse und das sich nach Osten hin erstreckende Kaunertal entlang des Verpeilbaches treffen und zum anderen eine im ersten Blick eher unscheinbare Stelle am Faggenbach, bevor sich das Tal zum Weiler Nufels hin verbreitert.

Noch vor Beginn der Grabungsexpedition einigte sich das Team darauf zuerst die Grabungsstelle vor Nufels eingehender zu untersuchen, da dies sowohl vom logistischen als auch organisatorischen Aufwand rationeller zu handhaben war und die generelle Fundwahrscheinlichkeit als adäquat eingestuft wurde.

geodynamischer querriss, kaunertal 1997, arteologie, dr. arkadaschMittels Unterstützung der türkischen Botschaft in Wien (Bundeshauptstadt Österreichs) wurde bereits vorab nach einer geeigneten Unterkunft und einem entsprechenden Lagerplatz für die Expedition gesucht. Dankenswerter Weise wurde von der Gemeinde Prutz (administrativ Zuständig auch für den Weiler Nufels) das an die Volksschule Nufels angrenzende Grundstück für die Expedition zur Verfügung gestellt. Per Schiff und LKW wurde bereits im April 1997 die komplette Ausrüstung nach Nufels transportiert und unter der Aufsicht von Herrn Herwig Angerer, dem langjährigen Aquarellieur und Expeditionsfotografen aufgebaut und abgesichert. Zum ertsenmal erfolgte die Unterbringung der Expeditionsteilnehmer nicht in Baracken und Zelten, sondern in den umliegenden Privatzimmern und Beherbergungsbetrieben von Nufels. Diese Vorgangsweise stellte sich als grundlegend positiv im Zusammenleben mit der eingeborenen Bevölkerung dar.

Der Weiler Nufels liegt auf einer Seehöhe von ca. 1.260 m/M und ist über die Kaunertal Landesstrasse erreichbar und liegt ungefähr neun Kilometer von Prutz entfernt. Die Strasse führt durch ein bewaldetes, gebirgiges und enges Tal, welches sich wenige hundert Meter vor Nufels an einer Stelle verbreitert und somit einen direkten Zugang zum Faggenbach freigibt. Wenige Dutzend Meter nach dieser Stelle mündet von links eine alte Wegtrassierung ein, die in weiterer Folge (neben einer neuen Trassierung) in Richtung Kaltenbrunn und Feltlinbach führt. Dieses Wegkreuz und besonders der davor liegende längliche Platz (der nunmehr als Parkmöglichkeit für Kraftfahrzeuge dient) weist zahlreiche Kriterien arteologischer Relevanz aus, welche insgesamt das Team bestärkten, an dieser Stelle mit den Grabungsarbeiten zu beginnen.