Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 6

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 6

Der Direktor (Leiter) der Volksschule (Gesamtschule für die sechs bis zehnjährigen Kinder im koedukativen Bildungsrahmen) in Nufels unterstützte die Expedition nach anfänglicher Skepsis (schliesslich wurden auf Geheiss der Tiroler Landesregierung und der Gemeinde die Sanitäranlagen der Volksschule dem Expeditionsteam untertags zur Verfügung gestellt) mit grossem persönlichen Engagement. Nicht nur dass er die Arbeiten der Expedition – über die Grabungsarbeiten vor Ort, die dazu notwendigen Vorarbeiten und die wissenschaftlichen Erstanalysen, Dokumentationen und Illustraierungen, bis hin zu den Erhaltungsmassnahmen betreffend die interne Struktur der Expedition – unterstützte, sondern er versteht es auch, seinen Schülern und Schülerinnen die Sinnhaftigkeit der arteologischen Forschung insgesamt anschaulich näher zu bringen und in diesen Kindern Freude und Neugier für Geschichte und Wissenschaft zu wecken. Immer wieder besuchte er mit der einen oder anderen Schulklasse die Grabungsstelle an der Kaunertal Landesstrasse und führte sogar eine Exkursion zum arteologischen Museum in Matrei am Brenner durch, um so den Kindern möglichst direkt einen nachhaltigen Bezug zur arteologischen Forschung zu vermitteln.

Gerade in dieser lokalen Kleinstrukturiertheit der umgebenden Sozietät fungierten somit die Schulkinder als positive Multiplikatoren, wodurch so manche ansonsten dem Eigenverständnis der nordtiroler und speziell auch der kaunertaler Bevölkerung innewohnenden Ideosynchrasien abgeschwächt bzw. in ein gedeihliches Miteinander überführt werden konnten. Dazu trug natürlich auch die Unterbringung in diversen Privatzimmern und Beherbergungsbetrieben in der näheren Umgebung bei, da auf diese Weise auch ein direkter wirtschaftlicher Nutzen durch die Anwesenheit des Expeditionsteams unmittelbar zu verzeichnen war. Gleichwohl blieb eine allgemeine Reserviertheit bestehen, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit in der generellen Skepsis der eingeborenen Bevölkerung Nordtirols gegenüber allen Personen und Einrichtungen welche aus dem sogenannten Ausland kommen, entgegengebracht wird, ihren Ursprung hat.

Nachtrag aus 2008: Die Grabungsstelle an der Kaunertal Landesstrasse kann mittels nachfolgender GPs-Daten lokalisiert werden.

kaunertal, grabungsgelaende, dr. arkadasch, arteologiekaunertal 1997, grabungsgelaende, dr. arkadasch, arteologieUm das Grabungsgelände an der Kaunertal Landesstrasse abzusichern war es in einem ersten Schritt notwendig zum Einen mit der örtlichen Gemeindeadministration Kontakt aufzunehmen und in einem zweiten Schritt über das Amt der Tiroler Landesregierung zu erwirken, dass dieses als Park- und Rastplatz für den Fliessverkehr ausgewiesene Gelände per Bescheid zu einem „Sonstig genutztem Grundstück“ umgewidmet wurde, um so juristisch abgesichert die vorbereitenden Massnahmen und späteren Grabungsarbeiten durchführen zu können.

Die Strassenmeisterei des Landes Tirol, als verantwortliche Stelle für die Sicherung und Erhaltung dieses Geländes entfernte zuerst die verkehrszeichenmässige Kennzeichnung dieses Platzes als „Park- und Rastplatz“ und sperrte sodann das Gelände mit einem rotweissen Absperrband für jegliche Nutzung ausserhalb des arteologischen Expeditionszwecks.

Das Grabungsgelände selbst ist kleinflächig mit einer ost-west Ausdehnung von 148 m und einer Tiefe (gemessen vom rechtsseitigen, taleinwärts verlaufenden Strassenrand bis zum Uferbereich des Faggenbachs) von 18 m im Osten bis 16,50 m im Westen. Der Uferstreifen des Faggenbaches ist hier auf der gesamten Länge von 148 m unbefestigt und mit Buschwerk und Baumbestand verwachsen. Der Höhenunterschied zur Strassentrassierung beträgt im Mittel ca. 2,30 m. Der als Parkplatz ausgewiesene Geländeteil ist zur Gänze unasphaltiert, weist jedoch eine durchgehende Aplanierung mit Bodenschotter auf, wobei an den Rändern teilweise starke bodenflächige Verwachsungen feststellbar sind. Am Ostende wurde eine Art steinerener Garten angelegt, mit einer leichten Plateaubildung und einer Art Naturstele aus einem Felsbruchstück. Zudem wurde ein zweidimensionales Schild mit Giebeldachüberdeckung aufgestellt, welches taleinwärtsfahrende Besucher hinweisend begrüsst.