Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 7
Die genaue Vermessung dieses Grabungsgeländes erfolgte Anfang Mai 1997 durch das Grabungsteam. Die dabei erhobenen Daten wurden umgehend mit den Messergebnissen der Strassenmeisterei, sowie dem Vermessungsamt (Katasterführende, administrative Behörde; zuständig für grundbuchstaugliche Verfahrensgrundlagen) des Landes Tirols (eigentlich eine Bundesbehörde, aber intern föderalistisch gegliedert) abgeglichen. Am ostseitigen, zur Kaunertal Landesstrasse hin gelegenen Ende, direkt vor dem „steinernen Garten“, wurde die mobile Grabungsleitstelle eingerichtet, eine Neuerung insofern, als die eigentliche infrastrukturelle Expeditionsausrüstung erstmalig nicht mehr fussläufig in unmittelbarer Nähe des Grabungsgeländes errichtet werden konnte. Durch die topografische Struktur, die ansatzweise einem Taleinschnitt gleicht, der sich hierorts aus Nordhang, Strassentrassierung, dem schmalen, in etwa 18 m breiten und 148 m langen Grabungsstreifen mit einer steilen, 2,30 m hohen Abböschung zum Faggenbach und einem südseitig relativ steil ansteigendem Hang definiert, ist ohne gravierende bautechnische Massnahmen die Errichtung eines Expeditionslagers vor Ort nicht möglich. Zudem weist dieses Gelände eine starke alpine Verwaldung mit stufenartigem, felsigem Untergrund auf, und kann somit ohne tiefreichende Fundamentierungen mittels Stahlbeton nicht dauerhaft aplaniert werden. Das einzige von Natur aus flache Bodenstück ist ident mit der Grabungsstelle und scheidet somit von vornherein als logistische Expeditionszentrale aus.
Das Gestein besteht überwiegend aus Graniten und Gneisen und weist im Verlauf des Faggenbaches die üblichen Verschotterungen durch fliesswasserbedingte Erosion auf. Das dabei transportierte Geröll zeigt rundgeschliffene, kieselartige Steinformen, von bis zu kopfgrossen Volumina, untermischt mit feinsandigem Schwebematerialien und einem geringem Humusanteil.
Die felsige Gesamtstruktur dieses Talabschnittes bedingt eine relative Geländestabilität gegenüber Hochwässern die sich im Gerinne des Faggenbaches als eingeschliffene Einkerbung in die Oberflächenmorphologie geodynamisch manifestiert hat. Somit ist festzustellen, dass das Grabungsgelände, bis auf den neuzeitlichen, oberflächlichen Eingriff keiner grundlegenden Veränderung unterzogen wurde und daher in sich eine fundrelevante Kontinuität aufweist.
Der Böschungsbereich am Nordufer des Faggenbaches ist nach oben zum Rand mit einer sich bis zu 40 cm verdickenden Humusschicht bedeckt, die mit niederflurigen Laubgewächsen und nach Westen hin mit zunehmendem Baumbestand bestückt ist. Vor Beginn der Grabungsarbeiten war es daher notwendig für die Sondierungsgrabungen vereinzelte, kleinflächige Rodungsmassnahmen durchzuführen, welche unter Aufsicht der Wildwasser- und Lawinenverbauung des Landes Tirol vorgenommen wurden. Diese Vorgangsweise erwies sich umgehend als äusserst sinnvoll, da einsetzende Starkregenfälle in der zweiten Maiwoche zu einem Anschwellen des Wasserstandes des Faggenbaches führten. Das Rodungsteam der Wildwasser- und Lawinenverbauung nützte die notwendigen Schlägerungsarbeiten daher um zeitgleich eine zusätzliche Absicherung der Böschung mittels der gefällten Baumstämme in Flussrichtung des Faggenbaches zu gewährleisten und somit den Randbereich des Grabungsgeländes zusätzlich zu schützen.
Zeitgleich wurde die Expeditionszentrale am Gelände der Volksschule von Nufels in Vollbetrieb genommen. Eingeborene Hilfskräfte wurden akquiriert, die Umzäunung der Expeditionszentrale mit Maschendraht fertiggestellt, die Laboreinrichtungen und die Materialcontainer aktiviert sowie eine erste Pressekonferenz abgehalten.
Die Wettersituation verschlechterte sich zusehends und am Abend des 12 Mai setzte sogar starker Schneefall ein – ein für diese Jahreszeit nicht ungewöhnliches Ereignis, befindet sich doch die Grabungsstelle auf über 1200 m/M im inneralpinen Raum.