Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 12

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 12

Es war dabei einmal mehr die Idee von unserem Fotografenmeister und Aquarellisten, Herrn Herwig Angerer, die Personalsuche vor Ort auf professionelle Art und Weise zu betreiben. Während bei den vorangegangenen Expeditionen das meiste eingeborene Grabungspersonal per Mundpropaganda rekrutiert und dabei auch den Wünschen der politischen Eliten vor Ort weitestgehend entsprochen wurde, erfolgte nunmehr eine Zeitungsannonce in den zwei lokalen Wochenblättchen, sowie ein entsprechender Aushang auf den „Schwarzen Tafeln“ der umliegenden Gemeindeämter sowie an sämtlichen kirchlichen Schaukästen des gesamten Kaunertals. Da die Wettersituation ohnehin umfassende Sondierungsgrabungen zur Zeit nicht wirklich sinnvoll erscheinen liess, konnten bereits drei Tage nach dem Erscheinen der Lokalpostillen die ersten Bewerbungsgespräche durchgeführt werden.

Herr Herwig Angerer, fotografenmeister, expeditionsaquarellist, arteologie, dr. arkadaschBei diesen Gesprächen übernahm Herr Herwig Angerer den Vorsitz. Zum Einen war er der einzige des Expeditionsteams (ausser unserem Expeditionsarzt Dr. Armin Lengauer, der  aber auf Grund seiner ärztlichen Tätigkeit erst mit Ende Juni zum Expeditionsteam stossen konnte, für Notfälle aber jederzeit auf Abruf unserem Team dankenswerter Weise zur Verfügung stand) der den gutturalen Dialekt der eingeborenen Bevölkerung verstand – Mag. Peter Stolz unser wissenschaftlicher Berater vor Ort beschäftigte sich zu dieser Zeit mit eingehenden Versuchsreihen über die Polyvenylisierung von organischen Funden am Pathologischen Institut der Universität Innsbruck – und zum Zweiten brachte er jenes administrative und unternehmerische Fachwissen mit, welches er selbst sich Laufe seiner Selbstständigkeit als Fotograf im Umgang und in der Auswahl von entsprechendem fachpersonal angeeignet hatte. Als Beisitzer fungierten je nach Möglichkeit eine der teilnehmenden Studierenden oder Dr. Arkadasch.

Schon am ersten Tag dieser Bewerbungsgespräche stellte sich heraus, dass dieses Auswahlverfahren für die Expedition insgesamt von grossem Vorteil war: denn neben den reinen körperlichen Voraussetzungen, welche die manchmal doch sehr schwere Tätigkeit des Grabens mit sich brachte, konnte so auch auf ein gewisses Mass an intellektuellem Niveau geachtete werden, welches fürderhin die Leitung und auch Ausbildung der Grabungskräfte wesentlich beschleunigen und erleichtern konnte. Zudem achtete Herr Herwig Angerer auch auf eine möglichst homogene Zusammensetzung dieser Gruppe von Handlangern, um dergestalt von vornherein eventuelle Streitigkeiten im Bezug auf die Arbeitsleistung und den Fleiss hintan zu stellen. So wurden lediglich Männer zwischen 25 und 40 Jahren ausgewählt und verheiratete Frauen jenseits der Vierzig. Dadurch wurde jeder Form von zwischengeschlechtlichen Eifersüchteleien oder gar Problemen von Haus aus jede Basis entzogen (ein Punkt den selbst der örtliche Pfarrer als vorausschauend und lobenswert empfand) und ein inneres Gleichgewicht in der Gruppe erleichtert. Herr Herwig Angerer achtete auch darauf, dass maximal drei Personen aus einer einzigen Ansiedlung angestellt wurden, um so interne Gruppenbildungen möglichst zu vermeiden.

Insgesamt erschienen 32 Männer und 17 Frauen zu den Vorstellungsgesprächen aus denen schlussendlich das eingeborene Hilfspersonal – 18 Männer und neun Frauen – rekrutiert wurde.

Vom 25. – 28 Mai – ein neuerlicher Schlechtwettereinbruch mit Dauerregen verunmöglichte sinnvolle Grabungstätigkeiten – erfolgte im Expeditionslager neben der Volksschule Nufels die theoretische und praktische Einschulung des Hilfspersonals. Dabei wurde besonders auf die Wertigkeit einer arteologisch richtigen Grabungstechnik hingewiesen und auf die daraus resultierende Verantwortung jeder einzelnen, an der Grabung beteiligten Person. Das Verständnis um die Arbeit als solcher vermittelt auch jenen Sinn, der letztendlich dazu führt, dass sich gerade die eingeborene Bevölkerung  – über ihre Mittelsmänner, welche aktiv an der Grabung beteiligt sind – zu einer positiven Grundhaltung verfügt, welche dauerhaft notwendig ist, um die arteologischen Erkenntnisse auch als Teil der eigenen Historie schlussendlich anzuerkennen.