Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 13

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 13

Am 29. Mai 1997 wurde dann mit den Sondierungsgrabungen im Parallelverfahren begonnen. Dazu wurde der mittlerweile wieder abgesperrte Grabungsplatz – auf Grund der Schneefälle der vorangegangenen Tage musste die strassenseitige Absperrung entfernt werden, um den Räumungskräften der Strassenmeisterei sowohl Wende- als auch bachseitige Ablagerungsmöglichkeiten für das Räumungsgut Schnee zu geben – vor Ort mit der gesamten Mannschaft begangen, eingenordet, ausgemessen und in die einzelnen Grabungszonen unterteilt. Die erste Grabungsmassnahme stellte jedoch ein rechtsseitig der taleinwärtsführenden Strasse angelegter Entwässerungsgraben dar, welcher am westlichen Ende des Grabungsplatzes, entsprechend dem natürlichen Gefälle dieser Trassierung , mittels eines Grabens in die Fagge entwässert werden konnte. Um die Dauerhaftigkeit dieser Oberflächenentwässerung zu gewährleisten – durch die leichte Schräge des Grabungsplatzes in Richtung Faggenbach wurde das gesamte Strassenbankett, beginnend von der nächsten Ostkurve taleinwärts, und dem die Strasse nordseitig beschliessende Hang erfolgte die reguläre Oberflächenwässerentsorgung bisher über das freie Grabungsgelände (welches bisher als Ausweiche und Parkplatz dienste) und würde bei einer Beibehaltung dieses Zustandes mit Regelmässigkeit bei jeder Regenlage den kompletten Grabungsbereich mehr oder weniger vollständig unter Wasser setzen – wurde deshalb der Drainagierungsgraben mit Rigolsteinen ausgelegt und mit befahrbaren Schachtgittern in seiner gesamten Länge abgedeckt. Die anfallenden Materialkosten dafür wurden vom Amt der Tiroler Landesregierung übernommen, da diese Entwässerungslösung auch nach dem Ende der Grabungsarbeiten bestehen bleiben sollte.

entwaesserung, 1997, kaunertal, arteologie, dr. arkadaschWährend zwei Teams gleichzeitig von beiden Enden des Grabungsgeländes aus mit der Verlegung dieser Rigolsteine begannen, konnte die restliche Mannschaft nunmehr tatsächlich mit den ersten Sondierungsgrabungen beginnen. Dabei zeigte sich sofort, wie immens wichtig diese gesamte Drainagierung dieses Geländes für den weiteren positiven Grabungsverlauf sein sollte: durch die Regenfälle der letzten Tage und dem vorherigen Schneefall, so wie durch die übliche lange Zeit des nachwinterlichen Ausaperns, sind grosse Teile der ebenerdigen Oberflächen derart mit Feuchtigkeit durchtränkt, dass jeder Versuch einer tieferen Grabung von Haus aus mit eindringendem Wasser verbunden ist, obgleich die offizielle Grundwassertiefe in diesem Bereich hydrogeologisch am Pegelstand des Faggenbaches anzusetzen wäre. Ab einer Schürftiefe von 10 cm begann sickerte bereits Wasser aus den umliegenden Erdschichten ein, wobei festzuhalten ist, dass die generelle Aufschotterung dieses Platzes für Parkzwecke zwar flächendeckend erfolgte, selten aber mehr als eine Belagsdicke von/bis zu 10 cm aufwies. Darunter befindet sich gewachsener Boden aus huminösen Schichten, vermengt mit Bachschottern und organischem Rottungsmaterial, welches das natürliche Versickerungverhalten stark einschränkt. Vom Nordhang her erstrecken sich felsige Ausläufer, die im Bereich des Strassenbanketts teilweise bis knapp an die Oberfläche reichen und dann stark abfallend den V-talartigen Flusslauf des Faggenbaches von dieser Seite her bilden.

Die ersten Sondierungsgräben (Nr. I, II und IV; sh. Planzeichnung: Administration: 3/D/XII/97) wurden daher lediglich auf gut 20 cm Tiefe eingefurcht, und zwar auf ihre gesamte Länge hin von zwischen 9 und 14 m. Tiefergreifende Grabungsarbeiten waren vorerst aufgrund des einsickernden Wassers nicht möglich.

An dieser Stelle ist der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Prutz ein grosser Dank auszusprechen, die umgehend drei Schmutzwasserpumpen samt Saugrohren und Schlauchleitungen zur Verfügung stellte, um auf diesen technisch unterstützten Weg die Trockenlegung zu beschleunigen.