Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 14
Die Tage bis einschliesslich 3. Juni konnten lediglich zur weitestgehend oberflächlichen Anlegung der Sondierungsgräben verwendet werden, da bei allen Grabungsversuchen spätestens nach 10 bis 15 cm durch das Auftreten der Sickerungswässer an eine Fortsetzung der Grabungsarbeiten nicht zu denken war. Auch wenn der Zulauf der Sickerungswässer allmählich in seiner Menge nachliess, so war dennoch der gesamte Bodenbereich derart von Wasser durchsetzt, dass ohne zusätzliche Pölzungsarbeiten eine natürliche Aufrechterhaltung der tragenden Grabungskanten verunmöglicht blieb. Zudem war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, wie tief tatsächlich gegraben werden musste. Zwar wurde strassentrassenseitig an mehreren Stellen bereits bei den Drainagierungsarbeiten nach wenigen Zentimetern an zahlreichen Stellen der gewachsene Felsboden erreicht, auf Grund des unterschiedlich steilen Gefälles in Richtung Bachbett konnte jedoch keine seriöse Berechnung auf die endgültig notwendige Tiefe der Sondierungsgrabungen angestellt werden. Selbst die hydrogeologischen Karten der Montanuniversität von Leoben (Steiermark, Österreich), die dem Grabungsteam per Fax von der dortigen Institutsvorständin Frau Dr. Josefa Prochazka dankenswerter Weise umgehend zur Verfügung gestellt wurden vermittelten nicht jene Klarheit, welche die weiteren Grabungsschritte planungstechnisch erleichtert hätten. Vielmehr blieb die Frage offen, inwieweit durch alpine Einmurungen in das Bett des Faggenbaches das eigentliche Gerinne aufgeschottert wurde und dergestalt zu einem sektional – tektoralen Oberflächenanhub geführt haben könnten.
Somit verblieb als einzige Möglichkeit das Abwarten auf die natürliche Versickerung der Bodenwässer, unterstützt durch die Pumpbemühungen in den angelegten Grabungsgängen durch die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Prutz. Nicht zuletzt dank idealer Witterungsbedingungen (Sonnenschein und Tagestemperaturen um die 20 ° Celsius) konnte dennoch bereits am 4.Juni mit einer ersten tieferen Grabung am Sondierungsgrabengang IV begonnen werden. Zwar mussten ab einer Tiefe von 60 cm mit durchlaufenden Pölzungen die Grabungskanten vor Abbruch gesichert werden, die Arbeiter jedoch konnten überwiegend trockenen Fusses im Graben ihrer Tätigkeit nachkommen.
Der Sondierungsgraben IV wurde mit einer Breite von 1,30 m auf die gesamte Länge von 14 m angelegt, um dergestalt zum Einen die Pölzungen zu erleichtern und zum Zweiten einen aussagekräftigen Querschnitt über die Schichtgestaltung des Grabungsgeländes insgesamt zu erhalten. Am nördlichen Ende dieses Grabens (der zugleich als Einstieg ausgebaut wurde) wurde bereits bei einer Tiefe von 65 cm der gewachsene Fels erreicht, der dann relativ steil abfallend in Richtung Bachbett zum südlichen Ende hin nach 14 m auf eine Tiefe von 2 m unterhalb der Einstiegsgrabungskante verorten liess. Dieser Messpunkt stellte zugleich den Durchstich zum Bachbett dar und diente in weiterer Folge als natürlicher Ablauf für Oberflächen- und Sickerungswässer.
Mit der Fertigstellung der Rigole entlang der Strassentrasse konnte auch die endgültige Einfriedung und Umzäunung des Grabungsgeländes in Angriff genommen werden. Im Bereich der steinernen Stele, am östlichen Rand des Grabungsgeländes, wurde eine Zufahrt für Kraftfahrzeuge und Lastkraftwagen angelegt. Direkt südlich davon errichtete das Grabungsteam an einem applanierten Stellplatz die mobile Grabungsleitstelle, um dergestalt die notwendigen Koordinierungsmassnahmen vor Ort zu gewährleisten, sowie eine adäquate Erstbestandsaufnahme und Sicherung von Fundstücken durchführen zu können.
So ideal die Unterbringung der Mannschaft in umliegenden Beherbergungsbetrieben für das Wohl der gesamten Truppe war, so hinderlich stellte sich umgekehrt die Aufsplittung von Hauptlager samt Containerpark (bei der Volksschule von Nufels), die dezentrale Unterbringung der gesamten Crew und die davon noch eigens abgetrennte Grabungsstätte für den Planungsablauf insgesamt dar. Auf Grund der örtlichen Gegebenheiten musste jedoch auf diese Vorgangsweise zurückgegriffen werden.