Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 15
Mit den täglichen Arbeiten am Grabungsgelände konnte generell erst nach 09:00 Uhr begonnen werden, da zuvor der talauswärts strömende Morgenverkehr der pendelnden Arbeitsbevölkerung sowie des öffentlichen Verkehrs (insbesondere der Schulbusse zu den nach der vierjährigen Grundschule weiterführenden Bildungsstätten) am direkt neben der Hauptverkehrsstrasse liegendem Gelände nur erschwert möglich war. Die Parkmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge waren auf einen einzigen PKW-Parkplatz am Grabungsgelände (direkt bei/an der mobilen Grabungsleitstelle) beschränkt und dieser wurde dem offiziellen Grabungsfahrzeug (einem Skoda –Kombi) vorbehalten, um anfallende Fahrten für Materialbesorgungen, Behördengänge oder die notwendigen Transportfahrten zum Containerlager/Expeditionscamp bei der Volksschule Nufels jederzeit durchführen zu können. Somit waren sämtliche eingeborenen Grabungskräfte angehalten links und rechts der Kaunertal Landesstrasse zu parken, vorwiegend im Bereich der Strassenquerung des Gallrutbaches, da hier beidseitig der Landesstrasse nichtausgewiesene Parkmöglichkeiten bestanden. Die Expeditionscrew selbst wurde mit einem täglichen Shuttledienst mittels des offiziellen Grabungsfahrzeugs vor Ort gebracht und zu den Mittagspausen und am Abend wieder zum Expeditionscamp, bzw. zu den Unterkünften chauffiert.
Bis 14. Juni konnten alle sechs Sondierungsgräben im Parallelverfahren bis zur Tiefe des festen Felsbodens (zur Strasse hin) und am südlichen Ende bis zur Grundwasserpegelgrenze des Faggenbaches geführt werden. Diese Gräben trugen wesentlich zu einer weitestgehenden Trockenlegung des gesamten Grabungsgeländes bei und sorgten bei den vereinzelt auftretenden Regenfällen für eine rasche Entwässerung.
Am 16. Juni stiess ein eingeborenes Grabungsteam im Sondierungsgraben V (siehe Planskizze) auf querverlaufende Reste einer Trockenmauerung aus gebrochenen Bachsteinen. Nach erweiternden Grabungen in den Bereich der Sondierungsgräben IV und VI ergaben sich jedoch keine weiteren Grabungsergebnisse, welche zum einen begründeterweise auf die Funktionalität dieser Trochenmauer relevante Hinweise zuliessen und weiter auch keinerlei arteologische Schlussfolgerungen zu diesem Zeitpunkt ermöglichten.
Dies änderte sich schlagartig am 21 Juni um 16:17 Uhr, als zwei Doktorandinnen, Frau Mag. Clara van Stockerlen und Frau Mag. Madleine Faucier den direkt südlich an die mobile Grabungsleitstelle angrenzenden Bereich als Stellplatz für den Bergungscontainer anebnen wollten. Hiezu befreiten sie zuerst das entsprechende Geländestück vom randseitigen Bewuchs durch Gräser und niedrigem Gesträuch um anschliessend mit der Planierung des Geländes per Krampe und Schaufel zu beginnen. Der Niveauunterschied betrug in seiner Gesamtheit der Unregelmässigkeiten zwischen 7 und 28 cm. Dabei stiessen die beiden Doktorandinnen auf eine plattenförmige Schicht, welche aus drei abgeflachten Natursteinplatten zusammengesetzt war, deren Ränder deutliche Bearbeitungsspuren aufwiesen. Umgehend wurde dieser Bereich abgezäunt, ehe mit den weiteren Grabungen dieses Geviert freigelegt wurde. Dabei zeigte sich, dass diese drei Steinplatten mit einem Aussenmass von 45,3 cm auf 46,2 cm die obere Abdeckung einer steinernen Nische darstellten, die nach Westen hin mit einem rechteckigen Verschlussstein aus Granit versehen war. Diese Gesteinsart ist im Kaunertal nicht heimisch und konnte nach eingehenden mineralogischen Analysen dem oberöstereichischen Granit- und Gneisgürtel zugeordnet werden. Die Breite dieser durchaus kunstvoll eingelassenen Verschlussplatte beträgt 33,7 cm und die senkrechte Höhe 25,02 cm. Der Einmauerungsmörtel dieser Platte besteht aus einem Gemisch von Lehm, Gips und geriebenem Bimsstein (welcher dem vulkanischen Teil der Apenninen zuordenbar ist) welches aufgrund seiner Verhärtungseigenschaft zu einem Wasserdichten Verschluss der Kammer führt. Diese wiederum ruht auf einem stabilen Sockel aus grob behauenen Natursteinen, der mit einem umlaufenden, nach aussen hin abgeschrägten Sims von 6cm die Kammer trägt. Die Gesamthöhe, einschliesslich Fundamentierung, wobei diese bis auf den gewachsenen Fels reicht, beträgt 176,9 cm.