Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 19/3
Die Öffnung der Nische stellte nicht nur für die zahlreichen Schaulustigen (die ohnehin durch die zeltartige Abdeckung keinerlei direkte Sicht auf die Grabungsvorgänge hatten) eine Enttäuschung dar, sondern ganz besonders auch für die eingeborenen Hilfskräfte: dass hier trotz der intakten Versiegelung, der unbeschädigten granitenen Frontplatte und der vollkommen unbeschädigten, dreigeteilten Steinabdeckung keinerlei Fundung zu Tage trat, war für die meisten der eingeborenen Hilfskräfte eine stark demotivierende Erfahrung, auch wenn es Dr. Arkadasch bereits bei der theoretischen Einschulung nicht verabsäumt hatte, auf eine derartige Situation mit Nachdruck hinzuweisen.
Mittels derben Witzen und einer nahe dem Schlendrian zuordenbaren Arbeitseinstellung versuchten die eingeborenen Hilfskräfte sich selbst Luft zu verschaffen: schliesslich kam zum scheinbaren „Misserfolg“ auch noch der Spott der nicht an den Grabungen beteiligten Personen der näheren Umgebung und die aus Unwissenheit und mangelnder journalistischer Ausbildung geborene Sensationsgier der lokalen Medien, die nicht ohne Häme von der Vorfindung einer leeren Nische berichteten.
Selbst die dreimal abendlich durchgeführten Schulungen durch das Expeditionsteam in einem Klassenraum der Volksschule Nufels vermochten die eingeborenen Hilfskräfte nicht wirklich vom Wert und der Bedeutung der „Kaunertaler Nische“ zu überzeugen. Es wollten sich sogar drei Arbeitskräfte unter fadenscheinigen Ausreden von der Arbeit abmelden und konnten nur Hinweis auf ihren selbst unterzeichneten Arbeitsvertrag kontraktkonform zum Weiterarbeiten angehalten werden. Die Stimmung zum Expeditionsteam die bisher durchaus von Wohlwollen begleitet war (so wurden erstmals Privatunterkünfte für die Beherbergung mit einbezogen und von den Distriktbehörden die Infrastruktur eines Schulgebäudes teilweise für die Expedition zur Verfügung gestellt), drohte plötzlich zu kippen und allenthalben einer skeptischen bis ablehnenden Haltung zu weichen. Dies entspricht durchaus dem Naturell der eingeborenen Bevölkerung Nordtirols ganz allgemein, die einerseits sehr leicht zu begeistern ist (siehe verschiedene folkloristische Aufmärsche und/oder sportliche Ereignisse), andererseits aber kaum ansprechbar scheint für tiefergreifende Inhalte kultureller oder auch bildungstechnischer und/oder philosophischer Natur. Es fehlt prinzipiell die Bereitschaft zu hinterfragen, oder aus sich selbst heraus autoritär verfügte Strukturen einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Der Nordtiroler Eingeborene lebt zwar in einer juridischen de facto Demokratie, verhält sich persönlich jedoch in einer untertänigen Gefolgspose, die es ihm ermöglicht jenseits persönlicher Verantwortung in opportunistischer Weise im Gefüge einer mehrheitstauglichen Vermassung unauffällig und nahezu konsequenzenlos mitzuleben. Umgekehrt ist der Nordtiroler Eingeborene ein gut lenkbarer und fügsamer Teilnehmer innerhalb einer autoritär geführten hierarchischen Ordnung. Das Expeditionsteam um Dr. Arkadasch veränderte daher umgehend ihr Auftreten im Leitungsstab der Expedition nach aussen und verfasste tägliche Bulletins die sprachlich einer klaren Befehlsanordnung glichen und somit umgehend (und ohne jeglichen Widerstand) von den eingeborenen Hilfskräften akzeptiert wurden. Dies führte auch innert weniger Tage zu einer Beruhigung der Gesamtlage und zu einem entsprechend höflichen Auftreten der Medien insgesamt gegenüber der Expedition. Interessant dabei ist noch die Tatsache, dass sich mit dem Einführen eines militärischen Befehlstons die Grabungsleistung und Disziplin der eingeborenen Hilfskräfte schlagartig und nachhaltig verbesserte. Der Tiroler verlangt nach klaren Anordnungen und ist bereit diesen dann auch nahezu widerspruchslos zu folgen.
Dennoch war es für die Expedition eine nicht unwesentliche Erleichterung, als am 14. Juli 1997 an einem von einem Ausläufer des nördlichen Naturfelsens zum Faggenbach hin gebildeten Abbruch eine neuerliche Fundung vermeldet wurde. Es handelt sich dabei um vorerst zwei metallene Cult-Objecte, die, wie bereits erste Analysen bestätigten, eine weitgehende Ähnlichkeit mit bisherigen Fundungen in Nordtirol vorweisen.